Tauziehen am Tiber

Papst muss über Tebartz-van Elst entscheiden

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Audienz beim Papst am 14. Oktober im Vatikan.

Limburg/Rom - Wer kommt zuerst beim Papst zu Wort? Während Bischof Tebartz-van Elst im Vatikan zum Rapport erscheint, formieren sich seine Gegner zuhause. Aber warum kommt die Kritik erst jetzt? Und warum hat niemand den eifrig bauenden Bischof gebremst?

Die Ewige Stadt lässt sich vom Bischof aus dem fernen Limburg nicht aus der Ruhe bringen. Papst Franziskus ging auch am Montag zu früher Stunde in seine Morgenmesse im Vatikan-Gästehaus Santa Marta. Und auch im Laufe des Tages vertrieb sich das Oberhaupt der Weltkirche eher mit anderen Gesprächspartnern die Zeit als mit den Gästen aus Deutschland - dem stark unter Druck stehenden Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst und Robert Zollitsch, seinem ebenfalls angereisten Amtsbruder aus Freiburg.

Dieser hatte in seiner Funktion als Vorsitzender der deutschen Bischöfe eigentlich andere Gründe für die Rom-Reise - der Erzbischof trat vor die Presse, um den "Vorhof der Völker" zu präsentieren, das Ende November in Berlin geplante Gespräch zwischen Nichtglaubenden und der Kirche. Der Riesenwirbel um den Limburger Bischof war dabei nicht als Thema vorgesehen. Doch weit gefehlt: Die Journalisten brachten Zollitsch dazu, zügiges Handeln zu versprechen - zugleich warnte er aber auch vor Schnellschüssen.

Von solchen Schnellschüssen war, zumindest am Montag, noch nichts zu hören in Rom. Aber während sich der Vatikan nach außen eher gelassen gibt, hat am Tiber hinter den Kulissen längst das Tauziehen um Franz-Peter Tebartz-van Elst begonnen.

Der Papst hat die Qual der Wahl: Er könnte ihn versetzen auf ein anderes, weniger öffentliches Amt als den Limburger Bischofssitz - das wäre eine eher gesichtswahrende Lösung für den angeschlagenen deutschen Amtsträger. Oder wird Papst Franziskus seinen ungebetenen Gast drängen, auf sein Amt zu verzichten, wie es im Bistum Limburg lautstark seit Wochen von allen Seiten gefordert wird?

Ein Rücktritt des Bischofs ohne Zustimmung des Papstes ist formell ausgeschlossen, denn so ein Schritt ist schlichtweg nicht vorgesehen in der katholischen Kirche. Hat die Weltkirche Probleme mit einem ihrer Bischöfe, dann geht sie den „diplomatischen“ Weg, um einen Schlussstrich zu ziehen: Dem Bischof im Amt, der sich etwas hat zuschulden kommen lassen, wird vom Papst nahegelegt, selbst seinen Rücktritt offiziell einzureichen. Der wird dann angenommen.

Einen Bischof absetzen? Das kann ein Papst auch, aber es erregt noch mehr Aufsehen. Nach unablässigen Medienbreitseiten ging der Augsburger Bischof Walter Mixa im April 2010 den gängigen Weg und bot Benedikt XVI. seinen Rücktritt an. Ein Gesuch, das der Papst nach kanonischem Recht annahm - Ruhestand wegen Krankheit oder auch „anderer schwerwiegender Gründe“ sieht ein Paragraf vor.

Als Benedikt jedoch im Juli 2012 den slowakischen Erzbischof Robert Bezak rundweg und überraschend absetzte, förderte das Zwietracht und Spekulationen. Medien nannten finanzielle Unregelmäßigkeiten in der Diözese als Grund für den Rausschmiss, Bezaks Anhänger warfen den konservativen Bischöfen dort vor, gegen den weltoffenen Kirchenmann intrigiert zu haben.

Wie also wird Benedikts Nachfolger mit dem „Fall Limburg“ umgehen? Franziskus predigt und lebt Demut, Schlichtheit und Offenheit, er wohnt - ein unübersehbarer Kontrast zu den Bauprojekten des Limburger Bischofs - im Gästehaus des Vatikans statt im Apostolischen Palast. Der Papst, der eine „arme Kirche der Armen“ propagiert, muss jetzt die Wogen glätten. Aber Vorsicht: Er ist ähnlich wie sein Vorgänger Joseph Ratzinger durchaus auch in der Lage, ungewöhnliche Entscheidungen vom Stuhl Petri aus zu treffen.

Ein Beschluss könnte in den kommenden Tagen gefasst werden, bislang hüllen sich aber sowohl der Vatikan als auch das Limburger Bistum in Schweigen. Zumindest am Montag ließ der Papst seinen Besuch aus Deutschland warten.

Während Rom schweigt, geht die hitzige Debatte in Deutschland weiter: Bundeskanzlerin Angela Merkel schaltet sich in die Debatte um Protz, Prunk und Papst ein, Amtsbrüder wie Triers Bischof Stephan Ackermann distanzieren sich von Tebartz-van Elst, es gibt Unklarheiten über Verantwortliche an der Seite des Bischofs und über die Frage, wer wann von welchen Kosten wusste. Und zunehmend müssen sich auch Mitglieder des Domkapitels und andere Beteiligte die Frage stellen, warum sie nicht vorher eingeschritten sind.

dpa

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