Auf der Raststätte

Die Not mit dem Parkplatz

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Rund 2000 Lkw-Parkplätze hat das Land Niedersachsen in den vergangenen fünf Jahren geschaffen, doch noch immer herrscht Mangel.

Lehrte - Lkw-Fahrer suchen nachts oft vergebens nach einem Stellplatz. Wie lebt es sich auf der Straße? Ein Ortstermin auf der Raststätte.

Wenigstens hat der Regen aufgehört. Wenn es regnet, ist es für die Lkw-Fahrer nachts auf dem Parkplatz einfach ungemütlicher. Jedes Mal, wenn man aus der Fahrerkabine aussteigen muss, braucht man die Jacke, und dann trägt man auf dem Rückweg wieder Feuchtigkeit auf den Sitz oder in die Koje. „Kein Regen“, sagt Artur mit einem Blick zum bewölkten Himmel und sichtlich zufrieden.

Der polnische Lkw-Fahrer, der Artur genannt und seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen will, steht neben seinem Lkw auf dem Rastplatz Lehrte, Autobahn 2, Fahrtrichtung Berlin. Es ist erst halb 9 Uhr abends, aber das Gelände ist bereits bis auf den letzten Parkplatz belegt. Polnische, russische, deutsche und einige niederländische Lkw stehen nebeneinander, einige parken schon in zweiter Reihe.

Ab und zu kommen weitere Lkw, doch für sie ist nur noch eine Gasse frei, um die Raststätte zu durchqueren und dann wieder auf die Autobahn aufzufahren. Rund 2000 Lkw-Parkplätze hat das Land Niedersachsen in den vergangenen fünf Jahren geschaffen, doch noch immer herrscht Mangel - den man jede Nacht auf den Raststätten beobachten kann. Der ADAC und andere Verkehrsexperten weisen auf die gefährlichen Situationen hin, die entstehen können, wenn Lkw-Fahrer in ihrer Not in Ein- und Ausfahrten von Rasthöfen oder gar auf dem Standstreifen parken,.

Artur steht heute in zweiter Reihe auf der Raststätte, was ihn aber nicht sonderlich beunruhigt. In die Lücke zwischen Führerhäuschen und Anhänger seines Lkw hat er einen Gaskocher gestellt. Während auf dem blauen Flammenring das Teewasser warm wird, erzählt er in gebrochenem Deutsch seine Geschichte. Er fahre oft auf dieser Route: Polen, Holland und wieder zurück nach Polen. Manchmal muss er auch woanders hin in Deutschland, aber immer ist die Strecke so lang, dass er einen Schlafplatz für die Nacht braucht. Er ist froh, heute überhaupt eine Lücke gefunden zu haben. „Ist Problem sonst.“ Sein Tacho sei voll, er müsse Pause machen, sagt er. Die Polizei kontrolliere das. Ja, die Polizei passe auf, bestätigt sein polnischer Kollege Kotarba Wlodzimierz, der wirklich so heißt. So ganz nachvollziehen kann er das nicht („Wenn ich privat fahre, darf ich fahren ohne Pause, aber wenn ich für die Firma fahre, muss ich immer Pause machen“), aber er halte sich dran.

Doch was tun, wenn kein Parkplatz frei ist? Heute brauche er keinen Parkplatz, sagt Radek, ebenfalls aus Polen. Er will in Lehrte nur einen Kaffee trinken und dann weiter. Aber gestern brauchte auch er einen Schlafplatz. Einer der Parkplätze, die er ansteuerte, war so hoffnungslos überfüllt, dass er nicht weiterkam. „Ich musste 100 Meter rückwärtsfahren - mit Anhänger“, sagt er.

Artur kann mühelos die Raststätten entlang der Autobahn 2 aufzählen. Zu jeder hat er eine Meinung, die sich grob zusammenfassen lässt: je größer die Raststätte, desto besser. „Marienborn“, sagt Artur und hebt den Daumen. „Sehr, sehr gut!“ Ein Riesengelände, auch nachts hell erleuchtet - allein auf der Südseite gibt es genug Stellplätze für 230 Lkw.

Für Anwohner ist die Beleuchtung oft ein Gräuel, sie wehren sich dagegen. Den Lkw-Fahrern ist sie lieb - sie haben Angst, im Dunkeln bestohlen zu werden, sagt Wlodzimierz. Es gibt sogar bewachte Parkplätze auf den Strecken, vor allem an Autohöfen. Doch die sind nicht beliebt. Vier Stunden Parken kostet dort 5 Euro, ein Tagesticket 10 Euro. Geld, das die Speditionen ihren Fahrern nicht mitgeben. Zumal auch die Körperhygiene Geld koste. Das Benutzen von Duschen und Klos koste an Raststätten 3 Euro. „Das ist der Preis für zwei Brote oder ein Kilo Wurst in Polen“, rechnet Wlodzimierz um. Da spart sich jeder die Stellplatzgebühr, wenn er nur kann.

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