Smog-Alarm

Peking versinkt im dreckigen Dunst

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Foto:Smog: Die Menschen in Peking sollen zu Hause bleiben.

Peking - Dichter Smog umhüllt Chinas Hauptstadt. Flüge werden gestrichen. Behörden fürchten Gesundheitsschäden. Eine Besserung der Luft ist nicht in Sicht - aber Autos dürfen weiter fahren und Fabriken weiter arbeiten.

Wegen heftigen Smogs in Peking haben die chinesischen Gesundheitsbehörden Alarm geschlagen. Die Bewohner der 20-Millionen-Metropole sollten möglichst wenig vor die Tür gehen, empfahl am Freitag das Umweltüberwachungszentrum der Stadt. Obwohl die Luftverschmutzung die höchste Warnschwelle erreichte, wurden keine Fahrverbote verhängt. Die Behörden rieten nur, Autos möglichst wenig zu benutzen. Ältere Menschen, Kinder und Kranke sollten sich auf jeden Fall in geschlossenen Räumen aufhalten.

Es ist die bisher schlimmste Smoglage dieses Winters. Der Schadstoffindex für Feinstaub stieg seit Donnerstag schon auf maximale Werte bis zu 490, wie die US-Botschaft warnte. Nur unter 50 Punkten ist die Luftqualität nach US-Einschätzung noch gut. Auch nach den offiziellen chinesischen Messungen wurden Spitzenwerte von 340 bis 446 für die kleinen Staubpartikel ermittelt. Normalerweise halten chinesische Behörden Werte bis 75 noch für unproblematisch. Die Luft in der Hauptstadt sei jetzt aber "schwer verschmutzt".

Viele Bewohner der Metropole versuchten, sich mit einem Mundschutz gegen die Schadstoffe zu schützen. Die Aussichten für das Wochenende sind weiter düster. Erst Anfang nächster Woche könnte das Wetter die Schadstoffe wegwehen, berichteten die Behörden. Sie sahen Nebel als eine Ursache für die Ansammlung von Schadstoffen. Der Smog behinderte auch die Sicht, so dass viele Hochhäuser im dreckigen Dunst verschwanden.

Am Flughafen wurden wegen des Smogs mehr als 40 Flüge gestrichen, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. 28 Maschinen konnten erst mit Verspätung starten. „Die Luft in den meisten Stadtgebieten ist schwer verschmutzt“, berichtete das Umweltzentrum. „Es wird empfohlen, dass die Bürger die Zeit verkürzen, die sie sich draußen aufhalten, und sich schützen.“ Die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmittel werde angeraten. „Versuchen sie nicht, mit dem Auto zu fahren.“ Fabriken sollten den Ausstoß von Schadstoffe reduzieren.

Trotz des Alarms und der höchsten Verschmutzungsstufe Sechs gab es keine verpflichtenden Anweisungen für einen Produktionsstopp in Unternehmen oder andere Verbote, sondern nur Warnungen und gut gemeinte Empfehlungen. „Die Luft in Peking ist heute zu schlecht“, warnte der bekannte Arzt Zhang Yarong vom renommierten Pekinger Xiehe-Hospital in seinem populären Mikroblog. „Die Menschen sollten heute daheimbleiben oder Masken tragen, wenn sie vor die Tür gehen.“

Die Luft in Peking ist meistens mies. Luftwerte erreichen häufig nur bei Wind oder Regen ein unproblematisches Niveau und liegen sonst meist zwischen 100 und 300. „Es ist echt schlimm heute“, sagte die 31-Jährige Zhang Li. "Aber wir haben uns schon so an die schlechte Luft gewöhnt. Es ist doch immer so." Sie habe am Morgen nicht einmal daran gedacht, einen Mundschutz zu tragen, um sich zu schützen, sagte die Angestellte.

dpa

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