„Königin der Volksmusik“

Peng Liyuan, Chinas singende First Lady

+
Foto: Peng Liyuan, die Frau des chinesischen Vize-Präsidenten Xi Jinping, ist in China schon seit mehr als zwei Jahrzehnten eine erfolgreiche Sängerin.

Peking - An der Seite des künftig mächtigsten Mannes im Reich der Mitte steht eine berühmte Sängerin. Wird der Musik-Star Peng Liyuan eine chinesische Carla Bruni? Mit ihrer wohltägigen Arbeit hebt sich die neue First Lady schon heute von ihren Vorgängerinnen ab.

Die künftige First Lady Chinas war lange bekannter als ihr Ehemann Xi Jinping. Die 49-Jährige ist die „Königin der chinesischen Volksmusik“. Ihr Auftritt war mehr als zwei Jahrzehnte fester Bestandteil der Neujahrsgala. Die Show ist mit 700 Millionen Zuschauern heute die meist gesehene Sendung des Staatsfernsehens. Die populäre Sängerin steht künftig an der Seite des mächtigsten Mannes im Reich der Mitte. Nach dem Ende des laufenden Parteitages der chinesischen Kommunisten in Peking wird der 59 Jahre alte Vizepräsident am Donnerstag zum neuen Parteivorsitzenden gekürt. Im nächsten März soll Xi Jinping auch Staatschef werden.

Eine chinesische Carla Bruni?

Aber wird der Volksmusik-Star eine chinesische Carla Bruni? China scheine noch nicht bereit für eine glamouröse First Lady, glauben viele Beobachter. Zu tief sitze der Glaube im chinesischen Volk, dass starke Frauen die Männer an der Macht vom rechten Weg abbringen könnten. Erinnert wird an Mao Tsetungs machtgierige Ehefrau Jiang Qing, der die späteren Auswüchse der Kulturrevolution angelastet wurden. Die im Sommer wegen Mordes an einem britischen Geschäftsmann verurteilte Ehefrau des in Ungnade gefallenen Spitzenpolitikers Bo Xilai bestätigte nur diese stereotype Vorstellung.

Als sich beide 1986 kennenlernten, wusste Xi Jinping nicht einmal, wie berühmt Peng Li Yuan damals schon war. Sie hatte extra eine weite Armeehose angezogen, um zu testen, ob ihre Verabredung nur Wert auf gutes Aussehen legte. Wie die Zeitung „Huanqiu Renwu“ 2011 weiter berichtete, war sie zunächst etwas enttäuscht von Xi Jinping, der auf den ersten Blick etwas hinterwäldlerisch und älter wirkte. Xi Jinping habe sich aber nicht wie viele andere erkundigt, wieviel Geld sie als Sängerin verdiene, sondern ihr Herz angeblich mit neugierigen Fragen nach den besonderen künstlerischen Fertigkeiten gewonnen, die für das Singen wichtig seien.

Zu ihren Auftritten in der Neujahrsshow sagte Xi Jinping: „Es tut mir leid, aber ich schaue selten fern - welches Lied haben Sie gesungen?“ Seine treuherzige Art bewegte Peng Liyuan, wie sie dem Blatt berichtete. Da wusste sie plötzlich: „Das ist der richtige Mann für mein Herz. Er ist eine ehrliche Haut und nachdenklich.“ Xi Jinping habe ihr später gestanden: „Ich wusste schon nach weniger als 40 Minuten, dass ich Dich zu meiner Frau machen wollte.“

1987 heirateten beide - für den zehn Jahre älteren Xi Jinping war es die zweite Ehe. Mit seinem Aufstieg als Politiker und ihrer Karriere als Sängerin lebten beide meist an getrennten Orten. Als ihre Tochter 1992 geboren wurde, konnte Xi Jinping nicht dabei sein, weil er als Parteichef der Provinz Fujian die Rettungsarbeiten bei einem Taifun koordinieren musste. Die Tochter Xi Mingze studiert heute unter einem Pseudonym an der Harvard Universität in den USA.

Seit Xi Jinping 2007 zum Thronfolger auserkoren wurde, hat sich Peng Liyuan etwas aus dem Rampenlicht zurückgezogen. Da sie in der Künstlertruppe der Volksbefreiungsarmee den Rang einer Generalmajorin hat, trat sie noch bei den Neujahrsfeiern des Militärs auf. Peng Liyuan war immer Teil der Propagandamaschine - sei es in Uniform oder in Folklore als Tibeterin, die singt: „Wer wird uns befreien? Es ist die liebe Volksbefreiungsarmee - der rettende Stern der Kommunistischen Partei.“

HIV und Homosexualität – Liyuan bricht Tabus

Die elegante, an öffentliche Auftritte gewohnte Sängerin dürfte die Rolle als First Lady aber völlig anders ausfüllen als ihre Vorgängerinnen, die kaum in Erscheinung getreten waren. Seit ein paar Jahren engagiert sich Peng Liyuan in der Aidshilfe, will das in China besonders große Stigma von HIV-Infizierten abbauen. „Vielen Menschen fehlt noch das Bewusstsein dafür“, sagte sie 2009 in einem TV-Interview. Sie spricht Tabus an und wirbt dafür, dass Homosexuelle auch Kondome benutzen.

Mit Microsoft-Gründer Bill Gates kämpft sie gegen das Rauchen. Als Botschafterin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterstützt sie Kampagnen gegen Tuberkulose. Nach dem verheerenden Erdbeben 2008 in Sichuan besuchte Peng Liyuan die Helfer vor Ort, gab ein Konzert. Im Fernsehen liefen vor wenigen Monaten noch HIV-Aufklärungsspots mit ihr. Peng Liyuan setzt sich für HIV-Waisenkinder ein und kämpft gegen Diskriminierung: „Als Person des öffentlichen Lebens sollte ich mein Mitgefühl einsetzen, um den Menschen die Augen zu öffnen.“

dpa

Kommentare