Skandalöse Bilder

Peta-Video zeigt grausame Putentötung

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Ein 20 Wochen alter Puter steht am Dienstag (07.08.2012) in einem Putenstall in Lorup (Landkreis Emsland). Die Geflügelbranche steht immer wieder im Kreuzfeuer der Kritik.

Hannover - Die Tierrechtsorganisation Peta beschuldigt einen niedersächsischen Putenmäster der grausamen Tötung von Tieren. Neue Videoaufnahmen zeigen skandalöse Bilder, die angeblich aus einem Betrieb bei Friesoythe (Kreis Cloppenburg) stammen.

Zu sehen ist, wie ein junger Mann kranke Puten mit einer großen Zange am Hals packt, die Tiere schwer verletzt oder tötet und anschließend mit einer Radladerschaufel, zum Teil noch lebend, in eine Kadavergrube wirft. „Diese Bilder toppen alles, was ich bisher gesehen habe. Das ist einfach kriminell“, sagte der wissenschaftliche Berater der Organisation, Edmund Haferbeck, am Dienstag vor Journalisten in Hannover. Peta verwende die Aufnahmen als Grundlage einer Strafanzeige.

Nach dem Tierschutzgesetz dürfen kranke und verletzte Puten nur mit einer Betäubung getötet werden. Nach Peta-Angaben sind durchschnittlich zehn Prozent der gemästeten Tiere in Putenmastbetrieben „Ausschuss“, wie es in der Branche heiße. In dem gefilmten Betrieb mit 30000 Puten werde täglich eine zweistellige Zahl von Tieren ausgesondert und offenbar auf gesetzeswidrige Weise brutal getötet.

Bei dem Eigentümer des Betriebes handelt es sich laut Peta um den zweitgrößten Anteilseigner der Putenerzeugergemeinschaft Ahlhorn GmbH, die mit dem Unternehmen des Mannes der früheren niedersächsischen Landwirtschaftsministerin Astrid Grotelüschen (CDU) verbunden ist. Peta hatte vor zwei Jahren bereits Betrieben in Mecklenburg-Vorpommern Tierschutzverstöße vorgeworfen, die ebenfalls mit dem Grotelüschen-Unternehmen über eine Erzeugergemeinschaft verbunden sind. Einer der Mäster, der Tierschutzverstöße zunächst geleugnet habe, sei der Lüge überführt und werde nun angeklagt.

Nach Ansicht der Tierrechtler handelt es sich bei den illegalen Praktiken, wie sie auf dem neuen Video zu sehen sind, nicht um einen Einzelfälle. „Das ist in jedem Mastbetrieb so, weil man so Arbeitskräfte und Zeit spart“, kritisierte Haferbeck. Zum „ganz normalen Wahnsinn“ in der Putenmast gehörten Qualzuchten von Tieren, die so viel Fleisch ansetzten, dass sie am Ende der Mast ihr eigenes Gewicht nicht mehr tragen könnten, das Amputieren von Schnäbeln und ein überbordender Antibiotika-Einsatz. Die Veterinärbehörden kontrollierten nur unzureichend, der niedersächsische Tierschutzplan sei eine reine Absichtserklärung.

Im Landwirtschaftsministerium zeigte man sich „schockiert“ über die Videoaufnahmen. „Was gezeigt wird, ist ganz klar eine Tierschutzverletzung und muss geahndet werden“, sagte ein Sprecher. Jetzt müsse ermittelt werden, ob das Filmmaterial glaubwürdig sei. Der Landkreis Cloppenburg werde den Betrieb vor Ort prüfen. „Bei Tierschutzverstößen handelt es sich um Einzelfälle, das hat nichts mit dem Mastsystem zu tun“, betonte der Sprecher.

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