Abschied vom SPD-Politiker

„Peter Struck – ein Glücksfall für die Demokratie“

Uelzen - Geradlinig, verlässlich, ein Parlamentarier durch und durch, Freund der Soldaten: Mit teils sehr persönlichen Würdigungen haben sich Bundeswehr, Parteifreunde und Familie von Peter Struck verabschiedet.

Auch wenn er seit drei Jahren nur noch selten im Rampenlicht stand – was der Sozialdemokrat Peter Struck im Bundestag und als Verteidigungsminister für Deutschland geleistet hat, ist nicht vergessen. In einer bewegenden und anrührenden Trauerfeier wurde am Donnerstag an den am 19. Dezember gestorbenen Politiker erinnert. Mehrere Hundert Menschen fanden sich dazu in Uelzen in der Kirche St. Marien ein.

Vor dem Altar stand der mit roten Rosen geschmückte und in die Dienstflagge der Bundeswehr gehüllte Sarg, daneben ein großes Schwarz-Weiß-Foto, das einen verschmitzt lächelnden Peter Struck zeigt. Auf einem schwarzen Samtkissen lag Strucks höchste Auszeichnung, ein großes Bundesverdienstkreuz mit Stern. Trauerkränze seiner Frau, seiner drei Kinder und acht Enkel waren umgeben von zahlreichen Blumengebinden. Bundestag, Bundesregierung, die Länder Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, aber auch Parteifreunde und sein Lieblingsfußballklub Borussia Dortmund erwiesen ihm so die letzte Ehre. Vier Generale und zwei Admirale hielten die Totenwache.

In der weihnachtlich dekorierten Backsteinkirche verneigten sich zahlreiche Politiker vor dem Sarg des Verstorbenen. Die Altkanzler Helmut Schmidt und Gerhard Schröder saßen in der ersten Reihe. Die SPD-Spitze war fast komplett vertreten: Sigmar Gabriel, Hannelore Kraft, Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann nahmen an der Trauerfeier teil, ebenso wie die Regierungschefs von Hamburg und Rheinland-Pfalz, Olaf Scholz und Kurt Beck. Innenminister Uwe Schünemann vertrat die niedersächsische Landesregierung. An der Seite von Bundestagspräsident Norbert Lammert sah man Unionsfraktionschef Volker Kauder, Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), den früheren Wirtschaftsminister Michel Glos (CSU) und Patrick Döring von der FDP. Auch der frühere Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) erwies seinem Nachfolger die letzte Ehre.

Nach dem kirchlichen Teil der Trauerfeier, die vom früheren Militärbischof Peter Krug und mit Beteiligung der beiden Töchter und des Sohnes von Peter Struck sehr persönlich gestaltet wurde, wandte sich Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) an die Familie des SPD-Politikers und an die Trauergemeinde. Struck habe sich nie nach einem Ministeramt gesehnt, er sei „Parlamentarier durch und durch“ gewesen.

Aber nachdem er 2002 in die Pflicht genommen worden sei und die Verantwortung für die Bundeswehr übernommen habe, sei ihm das Amt als Verteidigungsminister lieb geworden. Schnell habe er Zutrauen gewonnen, bald habe er Vertrauen genossen. Authentisch sei Struck für die Bundeswehr eingetreten. Er habe den Weg bereitet von einer Armee für den Einsatz hin zu einer Armee im Einsatz. Dabei habe er immer dazu gestanden, dass die deutschen Soldaten von einer SPD-geführten Bundesregierung in den Afghanistan-Einsatz geschickt wurden.

Wie sehr sich die Bundeswehr dem früheren Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt noch immer verbunden fühlt, zeigte sich gestern in Strucks Heimatstadt Uelzen sehr deutlich. Das Wachbataillon aus Berlin rückte an, das Heeresmusikkorps aus Hannover spielte auf. Uelzen erlebte ein eindrucksvolles „großes militärisches Ehrengeleit“.

Dabei geriet die Verbundenheit zwischen Struck und seiner SPD nicht ins Hintertreffen. Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier zeichnete auf sehr einfühlsame Weise den politischen Werdegang des am 24. Januar 1943 in Göttingen geborenen Parteifreundes nach. Struck sei ein Mensch voller Pflichtbewusstsein gewesen, der Verantwortung überaus ernst genommen habe, sagte Steinmeier. Alles Eitle und Gespreizte in der Politik seien ihm zuwider gewesen. „Der politische Laufsteg, das war nicht Peters Welt. Sein politisches Zuhause war das Parlament.“ 29 Jahre lang, von 1980 bis 2009, habe Struck mit großem Erfolg im Bundestag gearbeitet. Über die Parteigrenzen hinweg sei er als zuverlässiger Verhandlungspartner stets geschätzt und geachtet worden. „Peter Struck war ein Glücksfall für die parlamentarische Demokratie in Deutschland.“ Die SPD verliere einen großen Sozialdemokraten, sagte Steinmeier und beendete seine Würdigung mit den Worten: „Peter, wir werden dich vermissen.“

Der frühere Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan sprach für den großen Freundeskreis, den Struck um sich hatte. Auch dabei kam die große Zuneigung, die Struck bis heute in der Bundeswehr genießt, deutlich zum Ausdruck.

Zum Abschluss spielte das Musikkorps vor der Kirche Mozarts „Ave Verum“, dann trugen zwölf Soldaten den Sarg aus dem Gotteshaus – vorbei an der Ehrenformation der Bundeswehr. Und als die Nationalhymne wie auch das „Lied vom guten Kameraden“ verklungen waren, begleiteten fünf Feldjäger auf schweren Motorrädern den Sargwagen durch die Stadt zum Friedhof. Auch das ein Zeichen der Sympathie für den Politiker, der so gern mit dem Motorrad unterwegs war.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

13707311386739

Kommentare