Uni Lüneburg

Planung des Leuphana-Baus offenbart schwere Fehler

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Eine Computergrafik zeigt das Zentralgebäude der Uni.

Hannover - Bei der Planung des umstrittenen Zentralgebäudes der Leuphana-Uni in Lüneburg ist es vermutlich 2011 zu schweren Fehlern gekommen. Das geht aus dem vertraulichen Prüfbericht der Oberfinanzdirektion hervor, der der HAZ vorliegt.

Unter dem Strich wird mit wahrscheinlichen Risiken in Höhe von 15,1 Millionen Euro gerechnet. Der bisher auf 76 Millionen Euro geschätzte Bau könnte dann 91 Millionen Euro kosten.

Der Prüfbericht nennt notwendige „Massenmehrungen“. Die erforderlichen Baumaterialien und Arbeiten sind offenbar unterschätzt oder aber bewusst zu niedrig angegeben worden. Zusätzliche Nutzerwünsche fallen mit 3,8 Millionen Euro ins Gewicht. Der OFD-Bericht listet mehrere Mängel auf: Die zunächst auf 31 Millionen Euro geschätzte Baukonstruktion wird um 5,4 Millionen Euro teurer - weil die Statik falsch berechnet und das Brandschutzkonzept nicht genug beachtet worden war. Die Kosten für das Ausheben der Baugrube waren um 86 Prozent zu niedrig angegeben - denn die notwendige „Umschließung“ wurde vergessen. Die Mehrkosten betragen 387.000 Euro. Für die Außenwände müssen 750.000 Euro mehr aufgebracht werden, das liegt auch an einer anderen, stabileren und weniger feuerempfindlichen Betonart. Für die Außenwände werden 106.000, für die tragenden Innenwände 243.000 Euro zusätzlich fällig. Laut OFD werden für die Dachkonstruktion weitere 1,1 Millionen Euro nötig, weil die Preise 2011 zu niedrig angesetzt worden seien. Eigentlich sollten die Dächer 2,75 Millionen Euro kosten, wegen der Statik wird die Nachbesserung nötig, der Preis steigt um 35 Prozent. Die Dachluken kosten 230.000 Euro mehr, und für die Baugerüste müssen 1,2 Millionen Euro zusätzlich ausgegeben werden. Steigerungen gibt es auch bei den technischen Anlagen - statt 11 Millionen sind 19,6 Millionen erforderlich, vor allem wegen zu niedriger Ansätze für Wärmeversorgung, Stromanlagen, Heizungen, Belüftung und Wasserleitungen. Für die Beleuchtung müssen 750.000 Euro mehr aufgebracht werden. Das liegt auch daran, dass 200 Stehleuchten für die Büros angeschafft werden sollen. Die Kosten für Lautsprecher- und Videoanlagen sind sogar um 390 Prozent (das sind 706 000 Euro) gestiegen.

Im Landtag wurde am Mittwoch heftig über die Leuphana gestritten. Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) sagte, die Fehler fielen in die Verantwortung von Schwarz-Gelb. Jörg Hillmer (CDU) warf Rot-Grün vor, ein Jahr lang nicht gehandelt zu haben. Stadt und Kreis Lüneburg könnten an den Mehrkosten beteiligt werden.

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