Sammler zeigt Playmobil-Ausstellung in Celle

Plastik macht eine gute Figur

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Foto: Eine Playmobil-Ausstellung lockt zurzeit nicht nur Kinder ins Museum.

Celle - 40 Jahre Zeitgeschichte: Oliver Schaffer stellt im Celler Bomann-Museum seine Playmobilpüppchen vor. Rund 5000 Spielfiguren liebevoll auf gut 500 Quadratmetern arrangiert. Mit dabei sind Popsängerin Lady Gaga und Starlett Conchita Wurst – die auch als Plastikversionen eine gute Figur machen.

Dem 36-Jährigen gehört der plastikgewordene Traum vieler Kinderherzen. Seit seiner Kindheit sammelt der Kieler Playmobil. Angefangen hatte alles im Alter von drei Jahren, „da bekam er die Initialpackung“, sagt Kathrin Panne, Kuratorin der Ausstellung „Playmobil Spielgeschichte(n)“.

Als kleiner Junge verlor Schaffer sein Herz zunächst an die Zirkusmanege. Der Vater baute ihm ein Zelt, die Mutter tippte das Spielprogramm der Artisten auf der Schreibmaschine. Fortan sammelte er Löwenbändiger, Schlangenfrauen und Artisten – bis im Laufe der Jahre noch viele andere Figuren dazukamen. Das erste Mal stellte Oliver Schaffer sie in Speyer aus. Das war im Jahr 2004, als Playmobil 30 Jahre alt wurde. Seither hat sich die Sammlung ständig erweitert. Bis nach Paris in den Westflügel des Louvre haben es die kleinen Männchen aus Bayern schon geschafft. Zu ihrem 40-jährigen Bestehen hat Panne sie jetzt nach Celle geholt.

Die Sammlung hat sie alle: von den ersten Figuren aus dem Jahr 1974 – Ritter, Bauarbeiter und Indianer – über die 1981 neue hinzugekommenen 5,5 Zentimeter großen Kinderfiguren bis zur ersten chwangeren (2012). Sogar Lady Gaga steht leichtbekleidet in schrillem Grün in der Vitrine, und auch die bärtige Conchita Wurst ist dabei.

Das Spielzeug von geobra Brandstätter geht eben mit der Zeit: „Die Playmobilfiguren sind immer auch ein Spiegel der Gesellschaft“, sagt Panne. Wenn die Frauen früher ausschließlich kurze Kleidchen trugen, gibt es mittlerweile Frauenfiguren mit weißem Kittel als Ärztinnen – Emanzipation im Kinderzimmer.

Aus der Vielfalt der 40-jährigen Playmobil-Geschichte hat Oliver Schaffer zwölf Spielzeugwelten erschaffen: Die Winterlandschaft, den Safari-Urlaub, die Wüstenreise, die Rittersiedlung, das Feenreich – hier glitzert’s ganz gewaltig – und die vielen anderen mit Liebe zum Detail gestalteten Schauflächen hat Schaffer in zwei Wochen selbst aufgebaut, „aber mit Nachtschichten“, erzählt Panne. Außer dem Sammler selbst, von Beruf aus Musicaldarsteller und Castingmanager, wusste eben niemand, welches Teil wohin gehört. Es fehlt an nichts: Funkelnder Schnee am Skilift, eingefärbte Sägespäne bei den Rittern, pastelliges Glitzer bei den Prinzessinnen, Wege und Wasserläufe durch den Dschungel. Die Macher im Bomann-Museum haben sogar einen regionalen Bezug eingebaut – Braut und Bräutigam heiraten vor der eigens für die Ausstellung gebauten Marienkirche – mit Kutschen und allem Tamtam versteht sich.

Die Dioramen haben eine eingebaute Sicherheitslücke: „Natürlich werden die kleinen Finger durch die Schlitze gesteckt“, sagt Kathrin Panne und deutet auf den Spalt zwischen den Glasscheiben hin. Doch selbst wenn die jungen Ausstellungsbesucher versuchen, den Figuren näher zu kommen – am Ende bleiben die Fantasiewelten dann doch unerreichbar. Einen kleinen Trost gibt es aber: Zusätzlich zur Schau gibt es eine Spielecke. Und hier gibt’s noch mal jede Menge Playmobil. Hautnah, zum Anfassen.

Von Nina Reckemeyer

Die Austellung „Playmobil Spielgeschichte(n)“ im Bomann-Museum in Celle, Schlossplatz 7, ist noch bis zum 12. April 2015 zu sehen. Sie ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen 5 Euro, Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre sowie Schüler haben freien Eintritt. Freitags ist die Schau kostenlos zu sehen.

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