Schadstoffausstoß

Politiker-Dienstwagen sind oftmals Klimakiller

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Foto: Die Dienstwagen von Politikern, wie hier der von Bundespräsident Joachim Gauck, sind oftmals große Klimakiller.

Hannover - Am Tag, an dem sich die Ministerpräsidenten der Nordländer zum Energiegipfel treffen, gibt die Unwelthilfe einen Bericht darüber heraus, wie umweltfreundlich eigentlich die Dienstwagen deutscher Politiker sind. Nur soviel: Unter den Norddeutschen gibt es durchaus welche, die die "Rote Karte" bekommen haben.

Zu einem Energiegipfel haben sich am Mittwoch die Ministerpräsidenten der norddeutschen Länder im Bremer Rathaus getroffen. Sie gelobten, so Schleswig-Holsteins Regierungschef Torsten Albig, ihren ganz spezifischen Beitrag zum Gelingen der Energiewende zu leisten. Mit der befasste sich ebenfalls am Mittwoch eine Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe, die den Schadstoffausstoß der Dienstwagen deutscher Politiker unter die Lupe nahm. Hier bekamen zwei der fünf in Bremen versammelten Ministerpräsidenten die „Rote Karte“: Torsten Albig mit seinem Audi A 8 und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, der seinen gepanzerten Audi noch vom Vorgänger David McAllister übernommen hatte. Mit 198 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer (Albig), beziehungsweise 176 Gramm lagen sie über dem Wert, den die EU noch als umweltfreundlich einstuft - 130 Gramm pro Kilometer.

In Sachen Klimafreundlichkeit schnitten die bisher in Niedersachsen gefahrenen Dienstwagen am schlechtesten ab - mit durchschnittlichen Emissionen von 187 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer. Allerdings bezogen sich die von der Umwelthilfe präsentierten Daten noch auf die alte CDU-FDP-Landesregierung, die mit McAllister, dem früheren Landwirtschaftsminister Gerd Lindemann und Ex-Innenminister Uwe Schünemann gleich drei Klimakiller in der Dienstgarage hatten.

Die persönliche Schadstoffbilanz der neuen Landesregierung dürfte sich allein durch die Tatsache ändern, dass der neue Landwirtschaftsminister Christian Meyer bereits einen VW Jetta Hybrid (CO2-EWmission 95 g/km) bestellt hat und derzeit mit einem VW Golf herumkurvt. Auch sein Kollege aus dem Umweltressort, Stefan Wenzel, ist bereits vom Audi A8 auf Audi A3 umgestiegen, der lediglich 102 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausspuckt.

Zu den besonderen Daten der neuen Limousine Stephan Weils gibt Regierungssprecherin Anke Pörksen keine Auskunft - aus Sicherheitsgründen. Weil habe vor Kurzem ein neues Auto bekommen, das noch Vorgänger McAllister bestellt habe. Auch aus Kostengründen sei man bei den vom Vorgänger bestellten Wagen geblieben, der mit besonderen Sicherheitsmerkmalen ausgestattet sei. „Bei Dienstwagen gilt im Übrigen das Ressortprinzip: Größe, Farbe, Modell - darüber können die Damen und Herren selbst entscheiden.“ Die Landesregierung achte natürlich auf günstige Kosten und Umweltverträglichkeit.

Damit ist sie nicht allein, wie die Deutsche Umwelthilfe gestern feststellte. Denn der alljährliche Vergleich der PS-starken Karossen in Bund und Ländern zeigt allmählich Wirkung. So unterschreitet in der aktuellen Untersuchung mit dem Hamburger SPD-Senat erstmals ein ganzes Landeskabinett den EU-Zielwert. Vorreiter unter den Flächenländern ist das rot-grüne Kabinett in Kiel - trotz Albigs Ausreißer.

Die Umwelthilfe teilte mit, dass gut die Hälfte aller deutschen Regierungschefs spritdurstige Dienstwagen fährt - allen voran Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Aber auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) bekam eine „Rote Karte“ - wie auch Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

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