Vermisstenfall

Polizei findet Knochenreste im Wald

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Spurensuche: Polizisten fanden bei Suderburg das Handy und den Laptop des Vermissten.dpa

Suderburg - Seiten einem Besuch bei der Bundesgartenschau in Hamburg im Juli ist Anton Koschuh spurlos verschwunden. Jetzt sind bei Bahngleisen in der Nähe von Uelzen sein Handy, Laptop und seine Tasche gefunden worden. Die Ermittler stißen auch auf Knochenreste im Wald.

Der Österreicher Anton Koschuh verschwand am 22. Juli, nachdem er in Hamburg die Bundesgartenschau besucht hatte. Jetzt hat die Polizei, die lange im Dunkeln tappte, Spuren des Vermissten gefunden. Bei Suderburg südlich von Uelzen entdeckten Beamte am Freitag Handy, Tasche und Laptop des 43-Jährigen im Wald. Sie hatten dort mit Leichenspürhunden gesucht, weil in der vergangenen Woche ein Bahnarbeiter bei der Routine-Streckenkontrolle Koschuhs Rucksack mitsamt Reisepass an einem Bahndamm gefunden hatte. In der Nähe stießen Polizeihunde am Donnerstag und auch am Freitag auf Knochenteile, die nun untersucht werden. Kleidung wurde nicht gefunden.

Ob es sich um Knochen des Landschaftsplaners aus Graz handelt, sei unklar, sagte Polizeisprecherin Nicole Winterbur in Lüneburg. Eine Antwort sei erst in zehn Tagen vom Rechtsmedizinischen Institut in Hamburg zu erwarten, wo sie untersucht werden. Die Funde geben in jedem Fall neue Rätsel auf. Die Bundespolizei ist bei ihren Ermittlungen bisher nicht auf besondere Vorkommnisse auf der Bahnstrecke im fraglichen Zeitraum gestoßen.

Der Fundort in der Lüneburger Heide liegt an der Hauptstrecke zwischen Hamburg und Hannover, auf der vom Nahverkehrszug bis zum ICE alle Zugtypen verkehren. Koschuh hatte angekündigt, von Hamburg mit der Bahn zurück nach Österreich fahren zu wollen. „Nach derzeitigem Stand hat es auf der Strecke keinen Vorfall gegeben“, sagte Sprecherin Sandra Perlebach am Freitag. Es werde in dieser Frage aber weiter ermittelt.

Undenkbar sei, dass jemand unbemerkt während der Fahrt die Zugtür öffnet, meinte die Sprecherin. „Wenn die Entriegelung geht, kriegt das der Zugführer mit.“ Ein Bahnsprecher erläuterte, der „sehr scharfe Pfeifton“ im Fall einer Notöffnung hätte auch von Fahrgästen bemerkt werden müssen.

Die große Aufmerksamkeit für Anton Koschuhs Verschwinden ist seinen unermüdlich nach ihm suchenden Brüdern zu verdanken. Mit einem ausführlichen Tagebuch im Internet und der Aktion „Wir suchen Toni“ im sozialen Netzwerk Facebook gehen sie seit Monaten an die Öffentlichkeit, um Hinweise auf „Tonis“ Aufenthaltsort zu finden.

Auch am Freitag mochten sie an einen Tod des Bruders nicht glauben. „Neue Hoffnung“ schöpfte der elf Jahre jüngere Max Koschuh: „Angeblich bestehen vonseiten der Kriminalisten Zweifel, ob es sich bei den gefundenen Knochen überhaupt um menschliche Überreste handelt.“ Und in Uelzen habe sich nun eine Zeugin bei der Polizei gemeldet. „Sie glaubt, Toni gesehen zu haben, mit Stadtplan in der Hand, auf der Suche nach dem Stadtpark.“

Schon zuvor hatten die Brüder vermutet, Anton Koschuh könnte auf der Heimfahrt aus irgendeinem Grund in Uelzen ausgestiegen sein. Falls er aus einer Verwirrung heraus seinen Rucksack im Zug vergessen habe, könnte dieser rund 15 Kilometer weiter südlich zwischen Suderburg und Unterlüß aus dem Fenster geworfen worden sein - von Bahnreisenden, die sich daraus vielleicht einen seltsamen Spaß machten.

Anton Koschuhs Spur hatte sich bis dahin am Abend des 22. Juli verloren. Mit Kollegen hatte er die Bundesgartenschau besucht. Statt wie geplant mit ihnen zurück nach Wien zu fliegen, entschloss er sich zur Rückreise per Bahn. Ein Kontoauszug beweist den Angaben des Bruders zufolge, dass „Toni“ an dem Juliabend um kurz nach 20 Uhr im Reisezentrum des Hamburger Hauptbahnhofs für mehr als 200 Euro eine Fahrkarte kaufte.

Die Polizei ermittelt nun in alle Richtungen, wie ihre Sprecherin sagte. „Wir schließen weder ein Gewaltverbrechen aus noch einen Unglücksfall oder Suizid.“ Tatsächlich müsse, da die Knochen von Tierfraß betroffen seien, nun zunächst ermittelt werden, ob sie von einem Menschen stammen. „Wird dies bestätigt, werden sie mit DNA-Material des Vermissten verglichen“, erläuterte die Polizeisprecherin weiter.

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