Flucht aus Wanderzirkus

Polizei sucht weiter nach elfjährigem Jeremie

Lübetheen/Hamburg - Seit Dienstag wird der elfjährige Jeremie vermisst. Ist er allein mit einem Transporter weggefahren? Daran gibt es Zweifel. Das Jugendamt stellt Strafanzeige wegen des Verdachts der Kindesentziehung.

Der elfährige Jeremie aus einem Wanderzirkus bleibt verschwunden. Es gebe keine konkreten Hinweise auf den Aufenthaltsort des Jungen, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag in Hamburg.

Die Polizei vermutet, dass sich Jeremie in seinem weitläufigen Verwandtenkreis aufhält. Das Jugendamt Hamburg-Mitte, das den Jungen über einen Träger der Jugendhilfe in dem Wanderzirkus untergebracht hatte, hat nach NDR-Informationen Strafanzeige wegen des Verdachts der Kindesentziehung erstattet. Jeremie soll am vergangenen Dienstag mit dem Kleintransporter seiner Pflegeeltern von Lübtheen in Westmecklenburg nach Hamburg gefahren sein.

Dass er das ohne Hilfe eines Erwachsenen schaffte, halten die Ermittler für unwahrscheinlich. Auch der Chef des Bezirksamts Hamburg-Mitte, Andy Grote (SPD), bezweifelt nach Medienberichten, dass das Kind ohne Hilfe nach Hamburg gekommen sei. Alle Einstellungen am Transporter und der Kraftaufwand, der zum Lenken nötig sei, sprächen für einen erwachsenen Fahrer. Das bestätigte in Lübtheen auch Jeremies Pflegemutter Carmen Sperlich.

„Den Wagen kann er nicht alleine gefahren haben", sagte sie bei einem Besuch von Mitarbeitern des Neukirchener Erziehungsvereins. Über diesen Trägerverein der Jugendhilfe hatte das Jugendamt den Elfjährigen in dem Wanderzirkus untergebracht. Jeremies Mutter und seine Großeltern machen laut Medienberichten das Jugendamt, den Träger und die Zirkusfamilie für sein Verschwinden verantwortlich. Er soll geschlagen und ausgenutzt worden sein.

dpa

Kommentare