Flüchtlinge

Polizei zerschlägt Schleuserbande in Verden

Verden - Mit 350 Beamten ist die Bundespolizei am frühen Dienstagmorgen gegen ein Schleusernetzwerk vorgegangen. Die Syrer und Iraker sollen rund 100 Landsleute illegal nach Deutschland gebracht haben.

An 28 Orten durchsuchten die Beamten im Auftrag der Staatsanwaltschaft Verden Wohnungen und Geschäftsräume, ein Schwerpunkt lag im Kreis Diepholz. Gegen den 35-jährigen Hauptbeschuldigten in Twistringen und zwei andere Verdächtige seien Haftbefehle vollstreckt worden, teilte die Polizei mit; zwei weitere mutmaßliche Schleuser wurden festgenommen. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft ergänzte, gegen 34 Beschuldigte werde ermittelt.

Einsatzleiter Helgo Martens berichtete, dass die Schleuser mit ihren „Schützlingen“ zum Teil sehr brutal vorgegangen waren. Sie schliffen zwei der Asylbewerber sämtliche Fingerkuppen ab, um die Identifizierung und Abschiebung zu verhindern. Für die schmerzhafte und zudem „völlig überflüssige Verstümmelung“ hätten die Schleuser sogar einen Aufpreis verlangt. „Dabei kann die Identität so gar nicht dauerhaft verschleiert werden“, erläuterte Martens. Die Linien auf der Oberhaut der Finger würden nach einiger Zeit genauso nachwachsen.

Der mutmaßliche Drahtzieher lebte als ausländischer Staatsangehöriger legal in Twistringen. Den Erkenntnissen zufolge verfügte der 35-Jährige über ein europaweites Netz von Unterstützern, was die Einschleusung der Syrer und Iraker auf unterschiedlichen Routen ermöglichte. Zum Teil wurden die Flüchtlinge mit gefälschten Dokumenten ausgestattet. Für die Kostenabwicklung von bis zu 10000 Euro pro Einreise soll ein im ostwestfälischen Minden lebender 43-Jähriger zuständig gewesen sein.

Der Großeinsatz hat nach Einschätzung der Bundespolizei zur Zerschlagung der international tätigen Schleuserbande geführt. Diese habe als „illegales Reisebüro“ besonders skrupellose Geschäfte mit den Hoffnungen der Flüchtlinge aus den Krisenregionen gemacht. „Es wurde umfangreiches Beweismaterial beschlagnahmt“, sagte der Sprecher der Verdener Staatsanwalt. Die Auswertung werde mehrere Monate dauern.

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