Wegen Waffendiebstahl

Polizeiangestellter zu Bewährung verurteilt

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Im Landgericht Hildesheim ist am Montag ein Polizeiangestellter aus Hannover wegen Diebstahl von Waffen (Foto aus dem Gerichtssaal) verurteilt worden.

Hildesheim - Ein ehemaliger Waffenmechaniker der Zentralen Polizeidirektion Hannover ist am Montag zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr zur Bewährung verurteilt worden. Zusätzlich muss der Angeklagte 1000 Euro zahlen. Er hatte gestanden, ausrangierte Waffen gestohlen zu haben.

Das Landgericht Hildesheim sprach den Polizeiangestellten des Diebstahls und des Verstoßes gegen das Waffengesetz schuldig. Der 57-Jährige hatte gestanden, zur Vernichtung bestimmte Waffen und Waffenteile sowie Munition - darunter Luftgewehre, Bajonette, Revolver, Doppelflinten und Schalldämpfer - gestohlen sowie teilweise verkauft zu haben. Eigentlich sollten die ausrangierten Waffen im Hochofen in Salzgitter eingeschmolzen werden.

Die Kammer wertete das umfassende Geständnis als strafmildernd, es habe die Hauptverhandlung sehr abgekürzt, sagte Gerichtssprecher Stephan Loheit. Zudem ist der Angeklagte nicht vorbestraft und die Taten wurden ihm leicht gemacht. Der 57-Jährige schilderte abenteuerliche Zustände in seiner Dienststelle in Hildesheim. Diese war nach dem Amoklauf von Winnenden zentrales Aufbewahrungslager für abgegebene Waffen aus ganz Niedersachsen. Bürger konnten damals straffrei und freiwillig Waffen abgeben, für die sie nicht die nötige Besitzerlaubnis hatten.

Die Lagermöglichkeiten in der Behörde waren jedoch weder personell noch räumlich dafür ausgelegt. „Wir sind teilweise kaum noch in die Zimmer gekommen, die Waffen haben in Kisten auf dem Flur gelegen“, berichtete der 57-Jährige. An manchen Tagen seien bis zu 900 Waffen angeliefert worden, es sei ein heilloses Durcheinander gewesen. Dokumentiert worden sei nur die Abgabe der Waffen, nicht aber ihre Vernichtung.

Der Angeklagte transportierte etliche Waffen, verpackt in blauen Müllsäcken, mit seinem Auto aus seiner Dienststelle in seine Wohnung und sein Elternhaus. Bei den damaligen Zuständen sei das niemandem aufgefallen, erklärte er.

Die Zentrale Polizeidirektion hatte nach Bekanntwerden der Zustände keine weiteren Waffen mehr von Kommunen und der Justiz angenommen. Danach wurde die Annahmestelle in Hildesheim geschlossen. Seitdem kümmert sich ein Unternehmen um die Waffenvernichtung für Kommunen, Justiz und Polizei in Niedersachsen.

Die Verfahrensbeteiligten hatten sich zu Prozessbeginn verständigt: Bei einem Geständnis war dem Angeklagten eine Bewährungsstrafe zwischen 9 und 18 Monaten in Aussicht gestellt worden. Die Verteidigung hatte auf eine Bewährungsstrafe von 9 Monaten plädiert, die Anklage forderte 18 Monate Freiheitsstrafe zur Bewährung.

dpa

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