Alkoholfahrt in Göttingen

Polizeisprecherin fährt mit 2 Promille

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Foto: Polizeisprecherin und Bürgermeisterkandidatin Hilke Vollmer.

Göttingen - Peinliche Nummer: Die Göttinger Polizeisprecherin und CDU-Bürgermeisterkandidatin Hilke Vollmer ist von ihren Kollegen bei einer Alkoholfahrt erwischt worden. Angeblich hatte sie mehr als zwei Promille.

Sie sei „ein Glücksgriff für die Gemeinde Gleichen“ – das teilte die CDU im Kreis Göttingen noch Anfang Dezember mit. Hilke Vollmer, die 31 Jahre alte Pressesprecherin der Polizeidirektion Göttingen, war soeben zur Bürgermeisterkandidatin gewählt worden. Jetzt wird der Gemeindeverband sein vermeintliches Glück wohl noch einmal neu bewerten. Die Bürgermeisterkandidatin ist von ihren Kollegen der Polizei am Steuer ihres Autos erwischt worden – nach Informationen der HAZ mit mehr als zwei Promille Alkohol im Blut.

Die Trunkenheitsfahrt der CDU-Nachwuchspolitikerin ereignete sich nach dem Göttinger Stadtempfang am Dienstag vergangene Woche. Nach offiziellen Reden wird traditionell auf das neue Jahr angestoßen. Auch Vollmer war dabei. Die frisch gekürte, jedoch sichtlich angeschlagene Kandidatin wurde später ins Taxi zum katholischen Dechant gesetzt. Der sollte sie sicher nach Hause bringen. Wie sie später zurück zu ihrem in der Stadt geparkten Wagen kam, blieb unklar. Der Taxifahrer erinnert sich nur, wie die junge Frau noch im Anfahren vor der Stadthalle aus dem Auto gesprungen ist, der Dechant hinterher. Der Geistliche habe die Frau auf dem Weg zu ihrem Auto aber nicht mehr einholen können.

Fest steht: Um 22.35 Uhr hat eine Streifenwagenbesatzung die Kollegin gestoppt. Den exakten Promillewert gibt die Polizei auf Anfrage nicht an, bestätigt aber, er habe „deutlich über der strafrechtlich relevanten Grenze von 1,1 Promille“ gelegen. Ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren wegen Trunkenheit im Verkehr wurde eingeleitet. Der Vorgang liege bereits bei der Staatsanwaltschaft. Die Behördenleitung habe „erste situationsbezogene personelle Maßnahmen unmittelbar ergriffen“, die dem „Fortgang des Ermittlungsverfahrens angepasst“ würden.

Promillegrenzen im Straßenverkehr

  1. 0,0 Promille: In der Probezeit und bis 21 Jahre dürfen Fahrer gar keinen Alkohol trinken. Es drohen Bußgeld und Punkte, in der Probezeit die Nachschulung. Bei Fahrunsicherheit oder einem Unfall folgen höhere Strafen.
  2. 0,3 Promille: Bei auffälliger Fahrweise oder Unfall ist schon eine Straftat wegen Trunkenheit im Verkehr möglich. Es droht Geld- oder Freiheitsstrafe, und der Führerschein ist für mindestens sechs Monate weg. Hinzu kommen sieben Punkte in Flensburg.
  3. 0,5 Promille: Es drohen 500 Euro Geldbuße, ein Monat Fahrverbot und vier Punkte. Bei Wiederholung erhöht sich die Geldbuße auf erst 1000 Euro, dann 1500 Euro. Bei einem Unfall folgen strafrechtlichen Konsequenzen.
  4. 1,1 Promille: Die „absolute Fahruntüchtigkeit“ ist erreicht. In jedem Fall ist eine Anklage die Folge. Es droht eine Geld- oder Freiheitsstrafe. Der Führerschein ist für bis zu fünf Jahre weg. Es gibt sieben Punkte.
  5. 1,6 Promille: Zusätzlich zu den bei „absoluter Fahruntüchtigkeit“ ­drohenden Konsequenzen wird eine ­medizinisch-psychologische Untersuchung angeordnet, da vermutet wird, dass chronischer Alkoholmissbrauch vorliegt. doe

Vollmer teilte mit, sie sei „erschrocken, dass ich einen so schlimmen Fehler“ gemacht habe. „Selbstverständlich ist mir bewusst, wie gefährlich und unverantwortlich Alkohol am Steuer ist.“

Die 31-Jährige stammt aus Gleichen, hat in Berlin Politik studiert und dort den Göttinger Bundestagsabgeordneten Rita Süssmuth und Hartwig Fischer gedient. Bis Juli 2012 war sie Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion in Hannover. Danach wurde sie Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Polizeidirektion Göttingen. Mehrfach war in der Anfangsphase Kritik geäußert worden, dass die damals CDU-dominierte Landesregierung ein Polizeisprecheramt politisch besetzt habe. „Ich möchte meine Erfahrungen und Ideen einbringen und neue Wege gehen, um Gleichen attraktiver zu machen“, hatte die Kandidatin jüngst mitgeteilt.

Jürgen Gückel

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