Reiterstaffel der Polizei Hannover

Polizistinnen sorgen für Ordnung an der Elbtalaue

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Foto: Die Polizeikommissarinnen Alexandra Neumann (l.) und Melanie Schulz reiten Streife an der Elbe.

Bleckede - Die beiden Polizistinnen Alexandra Neumann und Melanie Schulz sindim Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue unterwegs und sorgen dafür, dassin dem Naturschutzgebiet alles seine Ordnung hat und möglichst nichts zerstört oder verschmutzt wird.

Bleckede. Janus schnaubt und scharrt mit den Vorderhufen. Er will nicht länger stehen, er will sich bewegen. Aber gleich soll es sowieso losgehen für das fünf Jahre alte Pferd. Alexandra Neumann sattelt es, legt ihm die Trense an.

Zwei Schritte weiter bereitet Melanie Schulz auf dem Pferdehof in Bleckede im Landkreis Lüneburg ihren zehnjährigen Wallach Echnaton auf seinen Einsatz vor. Einsatz – das bedeutet in diesen Tagen für die beiden Polizeipferde und ihre Reiterinnen nicht wie gewöhnlich, Demonstrationen oder Fußballspiele in Hannover und Umgebung zu begleiten. Sie reiten momentan im Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue Streife.

15 Reitminuten später wird deutlich, warum Neumann und Schulz in dem Naturschutzgebiet unterwegs sind. Ein rotes Schild zeigt an, dass auf dem kleinen Weg, der direkt ans Elbufer führt, Autofahren verboten ist. „Die Autospuren zeigen aber, dass sich da jemand nicht daran gehalten hat“, sagt Schulz. Und das, obwohl ein ausgewiesener Parkplatz keine 100 Meter vom Elbufer entfernt liegt. Es sind solche Ordnungswidrigkeiten, die die Polizistinnen von der Reiterstaffel der Polizei Hannover aufdecken und verhindern sollen. „Wir schreiten unter anderem ein, wenn jemand verbotenerweise angelt, ein offenes Feuer entzündet oder mit dem Auto unerlaubte Wege befährt“, ergänzt Neumann. „Unterwegs sind wir im Auftrag der Verwaltung des Biosphärenreservats.“ Ihre Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass in dem Naturschutzgebiet alles seine Ordnung hat und möglichst nichts zerstört oder verschmutzt wird.

Im vierten Jahr arbeitet die Verwaltung des Reservats mit Sitz in Hitzacker nun schon mit der Polizei zusammen. „Wir hatten 2011 und 2012 etliche Beschwerden von Bürgermeistern und Anwohnern, dass hier einiges aus dem Ruder läuft“, sagt Tobias Keienburg, Sprecher der Verwaltung. Deshalb habe man Kontakt zu den örtlichen Polizeidienststellen aufgenommen. Diese hätten dann von positiven Erfahrungen mit Polizeireitern in der Lüneburger Heide berichtet. „So kam dann die Zusammenarbeit zustande“, erzählt Keienburg. „Als die Polizeireiter 2012 hier anfingen, verzeichneten wir in dem Jahr rund 400 Ordnungswidrigkeiten. Heute liegt die Zahl bei rund 150“, sagt der Sprecher weiter. Dies sei eindeutig auf die Präsenz der Reiterstaffel zurückzuführen. Finanziert wird deren Arbeit in dem Gebiet zwischen Schnackenburg und Lauenburg von den beiden niedersächsischen Ministerien für Inneres und Umwelt.

Kontrolliert wird in diesem Jahr zwischen dem 30. April und 30. August. Melanie Schulz und Alexandra Neumann sind fünf Wochen vor Ort, sieben Tage die Woche. Dann kommen die nächsten Kollegen aus Hannover und lösen sie ab. Ihr Quartier und gleichsam ihr Polizeirevier liegen auf dem Gelände des Pferdebetriebs von Stephanie Hofmann. „Wir haben eine unserer Ferienwohnungen an die Polizei vermietet“, sagt Hofmann. „Für die Tiere ist es eine willkommene Ablenkung vom Alltag in der Stadt“, berichtet Neumann. Die Pferde werden häufig bei Demonstrationen und Fußballspielen eingesetzt. „Das bedeutet viel Lärm und Stress für die Tiere“, sagt die 27-Jährige. „Und für uns ist es auch schön, mal von den Einsätzen in der Stadt wegzukommen.“ Neumann ist bereits zum vierten Mal an der Elbe im Einsatz, Schulz zum zweiten Mal.Ihr Dienst beginnt am Morgen, wenn die beiden Polizistinnen die Pferde satteln und sie „streifenfertig“ machen.

„Dann planen wir die Strecken, die wir reiten“, sagt Schulz. „Zumeist sind wir zweimal am Tag unterwegs. Manchmal wählen wir aber auch eine längere Route. Die geht dann über mehrere Stunden.“ Das gesamte Biospährenreservat Elbtalaue umfasst etwa 57.000 Hektar. Das Gebiet, das jeweils zwei Polizisten aus Hannover und Braunschweig unter sich aufteilen und in dem sie Streife reiten, ist immerhin noch 15 000 Hektar groß. Wenn sie für eine ihrer Touren die Elbe überqueren müssen, werden die Pferde aus Hannover in einem Polizeianhänger mit der Fähre zwischen Bleckede und Amt Neuhaus hinübergefahren.

Manchmal entdecken die beiden Polizeikommissarinnen nur noch Spuren eines Vergehens, etwa Überreste eines Lagerfeuers. Manchmal ertappen sie Delinquenten aber auch auf frischer Tat. Menschen, die an einem der kleinen Elbstrände grillen. Hundehalter, die ihre Tiere während der momentanen Brut- und Setzzeit unangeleint herumlaufen lassen. Urlauber, die in dem Gebiet zelten. Wer erwischt wird, wird verwarnt oder muss ein Bußgeld zahlen. „Das liegt in der Regel bei 30 bis 35 Euro“, sagt Tobias Keienburg. Wer ertappt wird, zeigt sich zumeist einsichtig. „Wir haben nur selten Wiederholungstäter“, sagt Alexandra Neumann. Sie glaubt, dass die Pferde dazu einen entscheidenden Beitrag leisten. „Wir merken, dass wir zusammen mit den Pferden viel besser ankommen“, sagt sie. „Und die Menschen haben mehr Resekt vor uns“, ergänzt Schulz.

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