Kunsthehlerprozess

Polke zum Dumpingpreis

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Der Maler Sigmar Polke wird mit dem Rubenspreis der Stadt Siegen ausgezeichnet.

Hildesheim - Es geht um Hehlerei mit bekannten Meistern. Ein Hotelier aus Bodenwerder steht in Hildesheim vor Gericht, weil er gestohlene Werke aus dem Nachlass des Künstlers Sigmar Polke verkauft haben soll.

Er beschreibt sich als privaten Kunstliebhaber und Laien. Und doch ist ein 58-jähriger Hotelier und Geschäftsmann aus Bodenwerder jetzt in einem Kriminalfall um 16 Bilder des renommierten Gegenwartsküstlers Sigmar Polke auf der Anklagebank gelandet. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Hehlerei vor. Er soll vor zwei Jahren versucht haben, Zeichnungen und Gemälde zu verkaufen, die aus dem Nachlass des 2010 gestorbenen Malers gestohlen worden sein sollen, darunter Werke mit programmatischen Titeln wie „Gieß einen auf die Lampe“ und „Keine Angst vorm Selbermachen“. Wer die Diebe waren, ist unklar, das Ermittlungsverfahren wurde eingestellt. Der Schätzwert der Bilder liegt bei 1,5 Millionen Euro.

„Vollkommen falsch“, so nennt der Hotelier beim Prozessauftakt vor dem Hildesheimer Landgerichts die Vorwürfe. Der Name Polke habe ihm nichts gesagt, als ein Bekannter ihn gebeten habe, beim Verkauf seiner Bilder zu helfen. 250000 Euro sollten die Kunstwerke bringen, zehn Prozent Provision in die Tasche des Hoteliers fließen. „Ich hätte die Bilder nie angeboten, wenn ich auch nur geahnt hätte, dass damit etwas nicht in Ordnung ist“, beteuert er vor Gericht.

Der 58-Jährige streitet nicht ab, dass er seine Kontakte für den Verkauf nutzen wollte. Dabei schaltete er nicht nur eine Kunstexpertin und einen Galeristen aus München sowie eine Polke-Kennerin vom Oldenburger Kunstverein ein, die allesamt wie elektrisiert waren. Sondern auch zwei seiner Bekannten, die mit Restpostenhandel ihr Geld verdienten. Geschäft ist Geschäft, und so knüpfte einer der Billigheimer Kontakte zu einem Kunstvermittler aus Spelle im Emsland. Auch der war völlig begeistert. Polke zu einem Dumpingpreis. Doch der 40-jährige Profi wollte einen Echtheitsnachweis und fragte beim Polke-Nachlass in Köln nach.

„Da platzte dann die Bombe“, sagte er als Zeuge im Prozess. Nur zum Schein verabredete er sich mit dem Restpostenhändler und dem Hotelier für einen Besichtigungstermin auf dessen Anwesen in Bodenwerder. Statt des Vermittlers kreuzte die Hamelner Polizei auf und kassierte die Bilder.

Der Angeklagte bleibt dabei: Er sei davon ausgegangen, dass die Bilder seinem Bekannten gehörten. Der Mann habe als Tischler Kontakte zur Düsseldorfer Kunstszene gepflegt und sei von Polke eben in Naturalien bezahlt worden, zum Beispiel für einen ganz besonderen Schrank. Dass der Hotelier seine ursprüngliche Aussage jedoch dahingehend korrigiert, dass die 16 Bilder nicht nur dem Tischler, sondern auch einem weiteren Mann gehörten, bringt ihm beim Vorsitzenden Richter Ulrich Pohl keine Punkte ein. Wie viele und welche Bilder dem zweiten Mann gehörten, sei nie klar geworden, sagt der Angeklagte. „Das stinkt doch zum Himmel“, ruft der Richter da. „Jetzt ja, damals nicht“, entgegnet der 58-Jährige. Als schließlich einer der Restpostenhändler als Zeuge berichtet, dass Polke die Bilder unter anderem für Dienste im Rotlichtmilieu verschenkt haben soll, reagiert der Richter nur noch mit Sarkasmus: „Ja klar, die Prostituierten werden sehr interessiert an so ’nem Bild sein, das kann ich mir gut vorstellen...“

Der Prozess wird Montag fortgesetzt. Dann sollen die beiden angeblichen Besitzer der Bilder aussagen. Die Kammer hat sie in der Ukraine und Mallorca geladen.

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