Streit um "Antipädagogen"

Privatschule setzt Kinder vor die Tür

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„Der Vorstand müsste zurücktreten“: Die Montessori-Schule in Celle.

Celle - Ein Klima der Angst: Eltern stellten kritische Fragen zum Schulleiter, als Folge wurden die Kinder im laufenden Unterrichtsjahr von der Privatschule verwiesen. Die Montessori-Schule in Celle macht derzeit Schlagzeilen.

Wenn Erwachsene sich streiten, leiden nicht selten Kinder. Das ist derzeit in Celle zu beobachten, wo sich Eltern und Vorstand des Trägervereins der Montessori-Schule in den Haaren liegen. Die Privatschule mit besonderem pädagogischen Ansatz hat einigen Eltern die Verträge gekündigt, was zur Folge hat, dass die Kinder im laufenden Unterrichtsjahr von der Schule verwiesen wurden – fristlos. Sie mussten in staatlichen Schulen aufgenommen werden und beenden die Klasse nun getrennt von ihren Freunden. Angeblich durften sie sich nicht einmal verabschieden. Die Eltern hatten offenbar nichts anderes getan, als dem Vorstand kritische Fragen zum Schulleiter zu stellen. Am vergangenen Freitag hat sich die Schule von diesem Schulleiter getrennt, dem „Antipädagogen“ Hubertus von Schoenebeck.

Nach Angaben von Eltern herrscht an der Schule inzwischen ein Klima der Angst. Beide Seiten tauschen sich nur noch über Anwälte aus. Die Landesschulbehörde ist eingeschaltet. Es habe bereits eine Überprüfung gegeben, und es seien auch „erforderliche Maßnahmen“ eingeleitet worden, „um eine ordnungsgemäße Schulleitung sicherzustellen“, heißt es von dort nebulös. Am Dienstag endlich sollen sich Eltern und Trägerverein unter Beteiligung eines Mitarbeiters der Schulbehörde an einen Tisch setzen.

Von außen ist schwer nachzuvollziehen, woran sich der Streit genau entzündet hat. Weder der Verein noch die Eltern wollen sich noch äußern. Der Anwalt der Schule reagierte nicht auf eine Anfrage der HAZ. Der Rechtsbeistand von fünf der Eltern, Ulf Kerstan, sagt: „Der Vorstand müsste zurücktreten, um neues Vertrauen zu schaffen.“ Die Lage scheint verfahren.

Offenbar war die Situation Mitte April zunächst intern eskaliert, bei einem Treffen von Eltern und zwei Vereinsvorständen. Es sollte dort unter anderem um den Umgangston an der Schule und die Personalsituation im Kollegium gehen. Was die Eltern erst verwundert und dann wütend gemacht hat: Nebenbei erfuhren sie von einem neuen Schulleiter – jenem Mann, dem vergangenen Freitag gekündigt wurde. „Herr Schoenebeck ist den Eltern verheimlicht worden“, sagt der Celler Rechtsanwalt Kerstan. Offenbar, weil er umstrittene Ansichten als Pädagoge vertritt. Als mehr und mehr Eltern ihren Unmut darüber äußerten, wurden deren Unterrichtsverträge gekündigt.

Eltern schicken ihre Kinder auf eine Montessori-Schule, weil die Kinder selbstständig und ohne Zwang lernen sollen. Schoenebecks „Antipädagogik“ geht vielen Celler Eltern aber zu weit. Er plädiert unter anderem für die Aufhebung der Schulpflicht und meint, Lehrer sollten ihre Schüler als „Street-Teacher“ auf der Straße aufsuchen. Außerdem war er in den Achtzigerjahren an der Ausarbeitung eines Kindermanifests beteiligt, das auch heute noch auf seiner Internetseite zu finden ist. Darin heißt es unter anderem: „Kinder haben das Recht, sich von ihren derzeitigen Lebenspartnern zu trennen und neue Lebenspartner zu wählen.“ Ein Versuch der Legalisierung der Pädophilie? Weiter heißt es in dem Manifest: „Kinder haben das Recht, ihr Sexualleben selbst zu bestimmen und Nachkommen zu zeugen.“

Ob das Treffen am Dienstag die Lage befrieden kann? Rechtsanwalt Kerstan ist sich nicht sicher. „Das Vertrauensverhältnis ist sehr angespannt.“

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