Finanzspritze

Privatschulen wollen mehr Geld vom Staat

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Foto: Kultusministerin Frauke Heiligenstadt.

Hannoer - Die Ganztagsschulen in Niedersachsen sollen besser ausgestattet werden. Kultusministerin Frauke Heiligenstadt will dafür in den nächsten Jahren knapp 260 Millionen Euro ausgeben. Das Geld dürfe nicht nur an staatliche Schulen gehen, fordern die Privatschulen.

Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) will in den nächsten vier Jahren 420 Millionen Euro mehr in den Bildungsetat stecken. Der größte Anteil davon - 259 Millionen Euro - soll in den Ausbau der Ganztagsschulen fließen. „An dieser Bildungsoffensive müssen auch die Schulen in freier Trägerschaft beteiligt werden“, fordert Heike Thies, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen Niedersachsen. Es dürfe keine Förderung nach dem Gießkannenprinzip geben, sondern das Geld müsse auch tatsächlich an die jeweiligen Ganztagsschulen gehen. „Viele Eltern wollen Ganztagsschulen“, sagt Thies, „auch diejenigen, die ihre Kinder an Privatschulen geben.“ Die Kosten dafür dürften nicht den Familien aufgebürdet werden. Ob es um den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Handicaps, die dafür nötigen Sonderpädagogen oder die Erzieherausbildung geht, bei den Plänen der Landesregierung kämen die freien Schulen so gut wie gar nicht vor, bemängelt Thies. „Das Land verteilt Geld, aber wir bleiben außen vor.“

Das Kultusministerium wehrt sich gegen die Vorwürfe. Die 259 Millionen Euro zur Förderung des Ganztagsausbaus seien erstmal für die staatlichen Schulen bestimmt, betont eine Sprecherin: „Da sich die Finanzhilfe der Schulen in Freier Trägerschaft jedoch bislang immer - allerdings zeitlich versetzt - der Ausstattung der staatlichen Schulen anpasst, ist auch hier eine Anpassung zu erwarten, sofern der Landtag dem Vorhaben zustimmt.“

In Deutschland gehen derzeit knapp sechs Prozent der Schüler auf eine Privatschule. „Je mehr Unruhe im staatlichen System ist, desto mehr Eltern werden Alternativen suchen“, sagt Thies. In anderen europäischen Ländern wie Spanien, Frankreich, die Niederlande, England, Dänemark und Irland ist der Anteil traditionell deutlich höher.

In der Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen sind laut Thies derzeit 111 Mitglieder organisiert. Konfessionelle Schulen gehören genauso dazu wie Waldorfschulen, Förderschulen, Berufsbildende Schulen, Montessori-Schulen oder Schulen mit Elternvereinen als Träger. Alle Schulen erhalten staatliche Finanzhilfe. Das Land trägt rund 80 Prozent der Personalkosten. „Bei der Refinanzierung für die freien Schulen ist Niedersachsen an vorletzter Stelle“, bemängelt Thies. Dementsprechend müssten die Eltern auch ein höheres Schulgeld zahlen als anderswo. Sie verweist auf eine Studie, wonach eine Familie für einen Platz an einer Waldorfschule im Bundesschnitt 1939 Euro pro Jahr zahlen muss, in Niedersachsen sind es 2064 Euro.

Seit diesem Sommer soll der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Beeinträchtigungen in allen ersten und fünften Klassen die Regel sein. Die anderen Jahrgänge folgen. Die Pädagogen an den Regelschulen sind in Fortbildungen auf die Inklusion vorbereitet worden. „Die Lehrer an den Privatschulen sind wieder mal vergessen worden“, kritisiert Thies. Sie plädiert für mehr Kooperation zwischen privaten und öffentlichen Schulen, für regionale Konzepte.

Das gilt nicht nur bei der Inklusion. In Zeiten des Bevölkerungsschwundes hat der Wettkampf um die Schüler längst begonnen. Thies betrachtet diesen Trend allerdings mit Sorge. Einerseits würden öffentliche Schulen geschlossen, weil sie kaum noch Kinder hätten, andererseits gründeten Kommunen freie Schulen, weil dies ein Standortvorteil sei.

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