Initiativen

Projekte sollen mehr Männer in Kitas und Grundschulen bringen

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Foto: Mehr Männer in Grundschulen und Kitas – zahlreiche Projekte und Initiativen versuchen mehr männliches Personal in Niedersachsen anzuwerben.

Hildesheim - Männer sind in Grundschulen und Kitas seltene Exoten. Zahlreiche Projekte versuchen deshalb, mehr männliche Bewerber für die Arbeit mit den Jüngsten zu gewinnen. Gerade Jungen benötigten männliche Vorbilder, betont auch Kultusminister Althusmann.

In Niedersachsens Krippen, Kindergärten und Grundschulen fehlen die Männer. Das Kita-Personal besteht zu etwa 97 Prozent aus Frauen, die Erst- bis Viertklässler werden zu knapp 90 Prozent von Lehrerinnen unterrichtet. Zahlreiche Initiativen haben sich zum Ziel gesetzt, die Frauendominanz zu brechen. Kultusminister Bernd Althusmann sieht ebenfalls Handlungsbedarf. „Jungen brauchen auch männliche Vorbilder“, sagte der CDU-Politiker. Jedoch lasse sich ein höherer Männeranteil nicht per Gesetz verordnen.

In Hildesheim standen am Montag erstmals Gymnasiasten vor einer dritten Klasse, um einen Einblick in die Arbeit der Pädagogen zu bekommen. Die Schulpartnerschaft wurde vom Projekt „Männer und Grundschullehramt“ der Uni Hildesheim initiiert. „Nie gab es so wenige männliche Grundschullehrer wie heute“, sagte Projektmitarbeiterin Sabine Hastedt. Viele schreckten Klischees ab. „Aber das Berufsbild umfasst weit mehr als basteln, kümmern, trösten.“

Jungen schneiden in der Schule schlechter ab, in Niedersachsen haben die Mädchen in der vierten Klasse laut der jüngsten IQB-Studie sogar ein halbes Schuljahr Vorsprung in Lesen und Rechtschreibung. Könnten Männer Jungen besser fördern? Der damalige Kultusminister Bernd Busemann (CDU) war davon überzeugt, forderte schon vor neun Jahren eine Männerquote für den Schuldienst. Allerdings gibt es bisher keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass die „Verweiblichung“ Schüler benachteiligt oder ihnen gar schadet.

„Auch Lehrerinnen können Jungen angemessen fördern“, betonte Hastedt. Allerdings müsse in der Ausbildung die „Gender Kompetenz“ eine größere Rolle spielen. Damit ist gemeint, dass Pädagogen lernen, die Bedürfnisse unterschiedlicher Kinder in den Blick zu nehmen. Ein wilder Junge ist anders zu motivieren als ein schüchternes Mädchen.

Das Bundesprogramm „Mehr Männer in Kitas“ arbeitet daran, dass der Kindergarten keine Frauendomäne bleibt. „Der Elementarbereich ist für Männer ein guter Arbeitsplatz. Wir sehen den Mann nicht als rettenden Helden, aber durch ihn kommen andere Aspekte in den Alltag der Kita herein“, sagte Tim Rohrmann von der Koordinationsstelle Männer in Kitas in Berlin, die bundesweit berät. Experimentieren, Werken oder Fußballspielen komme in manchen Einrichtungen zu kurz.

Land und Kommunen sind nicht zuletzt wegen des steigenden Bedarfs an Fachkräften durch den Krippenausbau daran interessiert, mehr Männer in den Erzieherberuf zu locken. In Niedersachsen gab es vor kurzem ein erstes Vernetzungstreffen. Projekte zum Thema Männer in Kitas berichten von zahlreichen Interessenten, darunter Banker und Handwerker, die Erzieher werden möchten. Anders als in anderen Bundesländern ließen sich in Niedersachsen Weiterbildungen für solche Quereinsteiger oft nicht finanzieren, kritisierte Rohrmann: „Das Thema muss auf die Agenda der Landespolitik kommen.“

dpa

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