Gewalttat in Kreis Aurich

Prozess um brutales Verbrechen auf Spielplatz

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Der Angeklagte hatte am Morgen in Handschellen den Gerichtssaal betreten.

Aurich - Auf einem Grundschulspielplatz in Ostfriesland soll ein junger Mann im vergangenen Sommer ein sechsjähriges Mädchen missbraucht und lebensgefährlich verletzt haben: Am Mittwoch hat im Landgericht Aurich der Prozess gegen den 19-Jährigen begonnen. Zum Schutz des Opfers wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Ohne Publikum hat nach der Misshandlung und dem Missbrauch eines kleinen Mädchens am Landgericht im ostfriesischen Aurich der Prozess gegen einen 19-Jährigen begonnen. Die Jugendstrafkammer folgte am Mittwoch einem Antrag der Nebenkläger und schloss Zuschauer und Presse noch vor der Verlesung der Anklage von den weiteren Verhandlungen aus. Damit sollen Details aus dem Privatbereich des damals sechs Jahre alten Mädchens und seiner Eltern aus dem Ort Upgant-Schott (Landkreis Aurich) geschützt werden. „Einzelheiten, die noch nicht mal das Opfer kennt, sollten im Gerichtssaal bleiben“, sagte Gerichtssprecher Jürgen Rohlfs.

Aber auch der Angeklagte stehe als Heranwachsender unter besonderem Schutz. Bei einer Verurteilung könnte er eine Jugendstrafe von bis zu zehn Jahren erhalten. Der junge Mann hatte am Morgen in Handschellen den Gerichtssaal betreten. Sein massiger Oberkörper steckte in einem orangen Kapuzenpulli. Ein kurzes, verlegenes Lächeln, als er vor dem Blitzlichtgewitter der Kameras sein Gesicht mit einem Aktendeckel verbarg. Erst als die Fotografen den Raum verlassen hatten, entspannten sich seine Gesichtszüge. Gegenüber der Anklagebank saß mit ernster Miene der Vater des Opfers.

Die Tat hatte im vergangenen August für Entsetzen gesorgt. In einem Gebüsch am Spielplatz der Grundschule des kleinen Ortes mit knapp 4000 Einwohnern entdeckten Kinder das schwer verletzte Mädchen. Es schwebte in Lebensgefahr und wurde später im Krankenhaus in ein künstliches Koma versetzt. Die Staatsanwaltschaft stellte massivste Gewalt gegen Kopf und Oberkörper fest. Zudem stand der Verdacht des schweren sexuellen Missbrauchs im Raum. Details wurden aus Gründen des Opferschutzes nicht bekannt.

Viele Eltern waren erschüttert und verunsichert. Der Spielplatz galt bislang als sicherer Ort, das Gelände mit Klettergerüsten, Schaukel und einer Rutsche wurde per Video überwacht. Ausgerechnet dort sei ein brutales Verbrechen geschehen, das eher in eine Großstadt gepasst hätte, zeigte sich Bürgermeister Gerhard Ihmels (SPD) geschockt.

Das Gefühl von Verunsicherung wich erst nach Tagen einer spürbaren Erleichterung, als die Polizei einen Verdächtigen festnahm. Obwohl das Verbrechen in einem toten Winkel der Überwachungskameras geschah, zeigten ihre Bilder schemenhaft einen Unbekannten. Die Veröffentlichung der Bilder und einer Phantomzeichnung der Polizei führten schließlich zu dem Angeklagten, der die Tat auch gestand. Über das Motiv ist bislang nichts bekannt, die Ermittler gingen von einer Zufallstat aus.

In Upgant-Schott haben die Ereignisse Spuren hinterlassen. Der Spielplatz wurde nach der Tat am Ende der Sommerferien umgestaltet. Im neuen Schuljahr sollte nichts mehr an das Verbrechen erinnern. Die Familie und der ganze Ort sollten bald wieder zur Ruhe kommen, wünschte sich der Bürgermeister.

Von Hans-Christian Wöste

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