Vorwurf der Bestechung

Prozess gegen Ecclestone beginnt in München

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Foto: Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone muss sich wegen Bestechung in Millionenhöhe vor den Richtern verantworten.

München - Auf seinen Reisen rund um die Welt muss Formel-1-Geschäftsführer Ecclestone in diesem Jahr regelmäßig Stationen in München einlegen. Diese Woche beginnt der Bestechungsprozess gegen ihn vor dem Landgericht. An allen Verhandlungstagen muss er persönlich dort sein.

Erst Uli Hoeneß, jetzt Bernie Ecclestone: Wenige Wochen nach dem Prozess gegen den früheren Bayern-Präsidenten steht kommende Woche erneut ein prominenter Sportmanager in München vor Gericht. Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone muss sich von Donnerstag an (24. April) wegen Bestechung in Millionenhöhe vor den Richtern verantworten. Er soll dem früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky 44 Millionen Dollar gezahlt haben, um damit den Verkauf der Formel 1 in seinem Sinne zu beeinflussen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Bestechung und Anstiftung zur Untreue in einem besonders schweren Fall vor.

Für das Verfahren sind zunächst 26 Prozesstage bis September geplant. Ecclestone muss als Angeklagter in dem Strafprozess an allen Tagen persönlich nach München kommen, darf das Gericht aber nach den Verhandlungen verlassen. „Der Richter war sehr freundlich, ich muss immer nur wenige Tage in München sein, so dass ich weiter zu den Rennen gehen kann“, sagte der 83-jährige Ecclestone vor wenigen Tagen in einem ARD-Interview.

Seinen Richter Peter Noll kennt Ecclestone schon von seinem letzten Besuch im Münchner Landgericht: Ende 2011 hatte er zwei Tage lang als Zeuge gegen den Banker Gribkowsky ausgesagt, durfte danach aber wieder in seinen Privatjet steigen und zum nächsten Rennen fliegen. Gribkowsky wurde längst zu einer hohen Haftstrafe verurteilt und ist nun der wichtigste Zeuge im Prozess gegen Ecclestone. Für die Vernehmung des ehemaligen Landesbank-Vorstandes hat Richter Noll mehrere Verhandlungstage eingeplant.

Gribkowsky hatte nach monatelangem Schweigen vor Gericht zugegeben, das Geld von Ecclestone erhalten zu haben, und war dafür im Sommer 2012 zu achteinhalb Jahren Haft wegen Bestechung verurteilt worden.Bei der Urteilsverkündung hatte Richter Noll aber gesagt, Ecclestone habe den Banker „ins Verbrechen geführt“. Seitdem war klar, dass auch Ecclestone vor Gericht landen würde.

Ecclestone und Gribkowsky hatten sich kennengelernt, als die Landesbank ihre Mehrheit an der Rennserie im Jahr 2006 verkaufen wollte. Gribkowsky hatte als Risikovorstand der Bank die Aufgabe, möglichst viel Geld für die Anteile herauszuholen. Ecclestone fürchtete aus Sicht der Staatsanwaltschaft bei einem Besitzerwechsel einen Machtverlust an der Spitze der Formel 1 und zahlte Gribkowsky deshalb Millionen, damit er einem bestimmten Käufer den Vorzug gibt: Ecclestones Wunschkandidaten CVC, der die Formel 1 schließlich auch kaufte.

Das Geld für die Zahlung an Gribkowsky soll sich Ecclestone, der trotz seines Milliardenvermögens als ausgesprochen sparsam gilt, aber weitgehend von der BayernLB zurückgeholt haben - in Form einer Provision von 41 Millionen Dollar für seine Beraterleistungen beim Formel 1-Verkauf. Ecclestone hat die Bestechungsvorwürfe stets bestritten und versichert, er habe nichts Illegales getan.

Er stellte die Millionenzahlung an Gribkowsky vielmehr als eine Art Schweigeprämie dar, damit der Banker ihn nicht bei den britischen Steuerbehörden anzeigt. Ecclestone ist der bevorstehende Prozess vor allem lästig. „Das Ganze ist doch nur so ein sehr kleiner Teil meines Lebens. Es sollte eigentlich keine Rolle spielen. Aber im Moment kostet es mich sehr viel Zeit.“ Er wolle im Münchner Prozess alles klarstellen - um dann mit seinem Job weitermachen zu können.

dpa

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