„Reverse Graffiti“ sorgt für Ärger

Putzteufel!

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Foto: Umgekehrte Graffiti: Die Stadtverwaltung Köln will dagegen vorgehen.

Köln - Beim „Reverse Graffiti“ werden kunstvolle Bilder geschaffen, indem dreckige Wände geschrubbt werden. Künstlerischer Mehrwert oder Vandalismus? Die Stadt Köln will konsequent gegen die Putzteufel vorgehen.

Ein Graffito an einer Hauswand ist für die meisten Hausbesitzer eine höchst ärgerliche Angelegenheit. Und eine teure obendrein. Die Unbekannten, die im Schutz der Dunkelheit ihre Bilder, Statements und Namen an die Wand malen, kommen oft ungestraft davon. Für das häufig aufwendige Entfernen der bunten Werke müssen in der Regel die Hausbesitzer aufkommen. Mittlerweile gibt es unzählige Spezialfirmen, die mit der Säuberung von Wänden ihr Geld verdienen.

In Köln übernehmen die Haussäuberung neuerdings die Graffiti-Maler selbst – und sorgen dennoch für Ärger. Statt mit Sprühdose und Farbeimer die Häuser zu bemalen, erschaffen sie Bilder, indem sie die Wände zum Teil säubern. „Reverse Graffiti“, oder umgekehrte Graffiti, nennt sich die neue Form der Malerei. Die Unbekannten nutzen dabei Zahnbürste, Sandstrahlgerät und Hochdruckreiniger, suchen sich vom Ruß und Staub verdreckte Wände, Unterführungen und Mauern. Sie legen eine Schablone auf den schmuddeligen Untergrund und entfernen den Alltagsdreck in den ausgeschnittenen Feldern. Dabei entstehen zum Teil durchaus ansehnliche Gemälde – filigran und detailreich.

Die Stadtverwaltung in Köln jedoch sieht keinen künstlerischen Mehrwert – nicht einmal im Ansatz. „Es geht dabei nicht um Qualität, nicht um irgendeine fragliche Kunstform“, sagt eine Stadtsprecherin. „Diese Menschen eigenen sich Raum an, der ihnen nicht gehört.“ Die Verwaltung will deshalb konsequent gegen die Putzteufel vorgehen – und jeden erwischten Fall der Staatsanwaltschaft anzeigen. Schließlich veränderten die geschrubbten Graffiti das öffentliche Erscheinungsbild der Stadt am Rhein – und zwar ungefragt.

Lisa-Marie Friede von den Jungen Grünen aus Nordrhein-Westfalen kann das nicht verstehen: „Da säubern Unbekannte die schmuddeligen Wände in Köln und sollen bestraft werden?“ Das sei doch paradox. Offensichtlich wolle die Stadt schmutzig bleiben, sagt sie. Der Dreck fällt erst durch den Kontrast zu den sauberen Stellen auf. Friede hat einen offenen Brief an die Verwaltung geschrieben – und formuliert mit einer gehörigen Portion Sarkasmus: „Wann werden Einwohner darüber informiert, dass sie ihre Wohnungen nicht mehr säubern dürfen“, fragt sie. Auch das Wahrzeichen der Stadt solle Gegenstand der Diskussion um den neuen Auswuchs der umstrittenen Kunst werden. Von der Verwaltung will der Grünen-Nachwuchs wissen, wie Köln mit der Reinigung des Doms umgeht. Schließlich sei das Wahrzeichen auch mit einem Sandstrahler gereinigt worden – allerdings nur teilweise, genauso also wie die Hauswände.

Eine schnelle Antwort erwartet Friede indes nicht. Warum sollte es schnell gehen, fragt sie. Die Diskussion, ob Graffiti Kunst oder Schmiererei ist, dauere ja schließlich auch schon Jahrzehnte an.

Von Felix Klabe

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