Besuch der Gedenkstätte Bergen-Belsen

Queen sagt Deutschland Good-bye

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Celle - Zum Schluss ihres Staatsbesuchs in Deutschland hat Queen Elizabeth II. Niedersachsen besucht. Nach einem Moment des Gedenkens in der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen wurde sie am Flughafen Celle-Wietzenbruch von Ministerpräsident Stephan Weil und 1100 jubelnden Gästen verabschiedet.

Es ist nur eine kleine Handbewegung, eher eine Geste als ein Winken, doch die Wirkung, die Queen Elizabeth damit bei den 1100 Gästen am Celler Militärflughafen erzeugt, ist enorm: Jubel brandet auf, Fähnchen werden geschwenkt, ein Blumenstrauß fliegt in Richtung der Monarchin. Prinz Philip hebt das in rosa Papier gewickelte Gebinde auf und reicht es seiner Gattin, die sich schon auf den Weg gemacht hat, um einigen Gästen am Zaun die Hand zu schütteln.

Liveticker zum Nachlesen

Den Queenbesuch in Deutschland zum Nachlesen finden Sie in unserem Liveticker.

Es war das Ende eines dreitägigen Staatsbesuchs in Deutschland: Über einen roten Teppich stieg die Queen in den Learjet ein, der sie zurück nach England brachte. Ein kurzer Moment vor den Augen der Öffentlichkeit, auf den viele Besucher wie Saskia Hartlova aus Aligse (Region Hannover) seit Tagen hingefiebert hat. „Ich habe letzte Nacht kaum schlafen können“, sagt die Englischlehrerin. Schon ihre Examensarbeit habe sie über Elizabeth I. Und Elizabeth II. Geschrieben, die Arbeit machte sie zum Fan. So sehr, dass sie sogar ihrer Tochter einen Namen gab, der an den Vornamen der britischen Monarchin erinnert. Elisa war auch gestern in Celle dabei. Im Spitzenkleidchen und mit Haarreif im Union-Jack-Stil ließ sich die Einjährige von anderen Besuchern fotografieren, interessiert sich aber eher für ihre Spielsachen im Buggy als für den königlichen Trubel drumherum.

1100 Gäste waren Freitag beim Abschluss des dreitägigen Staatsbesuchs dabei, davon nur 200 geladene Gäste,etwa von der sich auflösenden britischen Garnison in Bergen-Hohne. Der Rest konnte sich online für eine Eintrittskarte anmelden, musste aber schnell sein – innerhalb von 20 Minuten waren alle Plätze vergeben.

So mancher konnte daher nicht glauben, dass er einen Zugang bekommen hatte. „Ich habe das ganz spontan gemacht – und plötzlich hatte ich die Zusage“, lacht Anu Geppert aus Celle. Die gebürtige Finnin sieht sich nicht als Royal-Fan, hat sich aber für den feierlichen Moment fein gemacht – mit standesgemäßem wagenradgroßen Hut.

Als der Flieger der Queen in den Wolken verschwunden ist, sind die Besucher begeistert. „Es war großartig“, sagt Paul Kühling aus Celle. Der fast 86-Jährige hat ihre Majestät schon einmal gesehen: 1953, bei ihrer Krönungsfeier. „Un nun zum zweiten Mal. Es hat sich wirklich gelohnt“, so Kühling.

Und auch Hartlova ist glücklich. „Anstrengend“ sei es gewesen, Elisa habe zwischendurch auch mal geweint. Aber es sei ein unvergesslicher Moment.

Queen setzt Zeichen gegen das Vergessen

Es war der erste Besuch der britischen Königin in einem ehemaligen Konzentrationslager überhaupt. Der letzte Programmpunkt stand im Gegensatz zu den Stationen in Berlin und Frankfurt ganz im Zeichen der Stille und des Gedenkens. Gedenkstättenleiter Jens-Christian Wagner empfing die Queen und ihren Mann Prinz Philip am Jüdischen Mahnmal, anschließend führte er das royale Paar zum Gedenkstein für Anne Frank. Einen Augenblick verweilten die Queen und Prinz Philip im Haus der Stille, das Besuchern die Möglichkeit zur Einkehr und Besinnung gibt.

Den Kranz legte die Königin an der Inschriftenwand nieder, die an Opfer aller Nationen erinnert. Im Gespräch mit den Zeitzeugen nahm sich die Queen vergleichsweise viel Zeit und wirkte bewegt. Außerdem ließ sie sich von Schülern eine App demonstrieren, die zeigt, wie das Konzentrationslager einst aussah. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hatte den Besuch begleitet.

Über 70.000 KZ-Häftlinge und Kriegsgefangene kamen zwischen 1940 und 1945 in dem Lager in der Lüneburger Heide ums Leben. Unter ihnen war die 15-Jährige Anne Frank, die mit ihren Tagebüchern posthum weltberühmt wurde. Auf dem Gelände stehen keine Baracken oder Wachtürme mehr. Verschiedene Mahnmale erinnern an die Opfer des Nazi-Terrors. Außerdem wurde 2007 ein Dokumentationszentrum eröffnet, in dem Zeitzeugen in Filmen von den Qualen und dem Sterben im Lager berichten.

Der Ort hat eine besondere Bedeutung in der Erinnerungskultur im Vereinten Königreich. Gedenkstättenleiter Wagner hatte vor dem Besuch der Queen gesagt: „Bergen-Belsen gilt in Großbritannien als das Symbol für NS-Verbrechen und den Holocaust.“ Britische Kriegsreporter filmten die unvorstellbaren Zustände in dem Lager, in dem bei der Befreiung am 15. April 1945 Tausende Leichen lagen.

lni

Bilder vom Queen-Besuch 1965 in Hannover

Vor 50 Jahren ist Queen Elizabeth schon einmal im Niedersachsen gewesen: Bürgermeister August Holweg begrüßte sie in Hannover, begeisterte Menschen jubelten ihr überall am Straßenrand zu.

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