Mysteriöser Fall in Braunschweig

Der rätselhafte Tod eines 17-Jährigen

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Kerzen und Blumen an der Unfallstelle in Braunschweig.

Braunschweig - Ein 17-Jähriger wird in Braunschweig mit nacktem Oberkörper schwer verletzt auf einer Straße entdeckt, kurz darauf stirbt er. Der Fall bleibt auch sechs Wochen danach rätselhaft – und bewegt die Menschen noch immer.

An der Stelle in Braunschweig, an der es geschah, brennen immer noch die Kerzen. Menschen bleiben stehen, schweigen, legen eine Blume ab, einige auch einen Basketball - denn der 17-Jährige, der hier am 4. November gefunden wurde, war Basketballspieler. Morgens um 4.05 Uhr lag er auf der Straße, bewusstlos, das Hemd neben sich, am nackten Oberkörper so schwer verletzt, dass er kurz darauf im Krankenhaus starb. Was mit ihm passiert ist, kann die Polizei bis heute nur vermuten. Der Fall bleibt rätselhaft und bewegt die Menschen in Braunschweig immer noch.

„Die Anteilnahme ist riesig“, sagt Joachim Grande, Sprecher der Polizei Braunschweig. Aus der Bevölkerung kämen immer wieder zahlreiche Hinweise, mit deren Hilfe die Beamten versuchen zu klären, was an jenem Abend eigentlich geschehen ist. Als die Polizei eine Route veröffentlicht, die der Jugendliche in der Nacht mit dem Fahrrad genommen haben könnte, melden sich Anwohner und geben Tipps, welche Schleichwege auch infrage kommen. Unternehmer aus dem Gewerbegebiet nahe der sogenannten Grafittibrücke, an der der Jugendliche gefunden wurde, haben gesammelt, um die Belohnung für Hinweise, die zur Klärung des Falls beitragen, aufzustocken: von 3000 auf 5500 Euro.

Warum war der 17-Jährige halbnackt?

Doch gelöst ist der Fall immer noch nicht. „Uns fehlen sieben Minuten“, sagt Grande. Um 3.58 Uhr war der Jugendliche demnach noch bei bester Gesundheit, sieben Minuten später lag er sterbend auf der Straße. Aufgrund der Obduktion gehen die Ermittler davon aus, dass der 17-Jährige von einem größeren Fahrzeug angefahren wurde und der Fahrer geflüchtet sei, so Grande. Doch niemand hat das Fahrzeug gesehen, obwohl bis zu vier Personen in der Nähe gewesen sein sollen, darunter ein Zeitungszusteller, der den Jungen gefunden hatte.

Und warum war der 17-Jährige halbnackt? Hatte der Unfallverursacher noch versucht, dem Jungen zu helfen? Und dann ist da noch der Einbruchsalarm: Um 3.46 Uhr hatte jemand versucht, die Nebentür einer Fabrik im benachbarten Gewerbegebiet aufzubrechen. Der Alarm ging los, der oder die Einbrecher flüchteten. Waren sie es, die den 17-Jährigen anfuhren? Grande weiß es nicht. „Es sind sieben rätselhafte Minuten“, sagt er.

Fall löst Wut in Braunschweig aus

Das Mysteriöse, das den Fall umgibt, sei wohl ein Grund dafür, dass der Fall die Menschen nicht zur Ruhe kommen lässt, meint Friedhelm Meiners, Pfarrer der St.-Martini-Gemeinde in Braunschweig. Das - und der Umstand, dass das Opfer so jung war. Meiners kannte den Jugendlichen: Vor drei Jahren hat er ihn konfirmiert und nun begraben.

Normalerweise nehme die Anteilnahme nach einer Beerdigung ab, sagt der Pfarrer, doch das sei diesmal anders. „Mich sprechen immer noch Leute an“, sagt er. Die Menschen zeigten Fassungslosigkeit und Trauer über den Vorfall, seltener Wut. „Das überrascht mich, dass mir relativ wenig Wut begegnet.“ Auch, wenn man noch nicht genau wisse, wie es sich zugetragen habe, sei doch klar, dass es sich um einen Unfall gehandelt habe. Es werde daher keinen grundsätzlichen Unterschied machen, ob man den Fahrer noch findet: Es bleibe ein schrecklicher Vorfall. „Aber ich frage mich natürlich auch, wie dieser Mensch damit umgeht“, sagt Meiners.

Für die Familie sei es sicherlich ein Trost, dass die Stadt noch so groß Anteil nehme, sagt Meiners. Ein solcher Todesfall sei eben nicht so schnell verarbeitet, gerade für die Angehörigen nicht. „Früher hat es das Trauerjahr gegeben, das hatte schon seinen Sinn. Es braucht wirklich lange, bis man wieder in normalen Spuren läuft“, sagt Meiners. „Da ist es gut, dass wir alle noch ein Stück mitgehen.“

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