Sperrung für große Schiffe

Ramsauer macht Nord-Ostsee-Kanal zur Chefsache

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Nach der anhaltenden Kritik an der Lage im Nord-Ostsee-Kanal besucht Ramsauer am Freitag die Schleuse in Brunsbüttel.

Brunsbüttel - Kein Politiker stand in den vergangenen Tagen im Norden so unter Feuer wie Bundesverkehrsminister Ramsauer. Er wird verantwortlich gemacht, dass mit dem Nord-Ostsee-Kanal eine der Hauptschlagadern der Schifffahrt verstopfte. Der Kanal ist nun Chefsache.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) kommt am Freitag nach Brunsbüttel, um sich selbst einen Eindruck von der zugespitzten Lage am Nord-Ostsee-Kanal (NOK) zu verschaffen. Mehr als eine Woche konnten größere Schiffe den Kanal nicht mehr passieren, weil die Schleusen marode sind. Mit notdürftigen Reparaturen ist es der Wasser- und Schifffahrtsdirektion gelungen, den Betrieb der großen Schleuse wieder aufzunehmen.

Damit sich solch ein Kollaps nicht wiederholt, will Ramsauer für den NOK eine Sondereinsatzgruppe schaffen. Sie soll sofort einsatzbereit sein, wenn weitere Reparaturen nötig sind, kündigte der Minister an. In der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung sollen dafür elf zusätzliche Stellen bereitgestellt werden.

Die Schleusenanlage in Brunsbüttel besteht aus zwei Doppelschleusen mit jeweils zwei Kammern, die rund 100 Jahre alt und seit langem sanierungsbedürftig sind. Der geplante Bau einer fünften Schleuse verzögert sich seit Jahren. Ramsauer will den Auftrag dafür nun im nächsten Monat ausschreiben. Insgesamt wird der Sanierungsbedarf am Nord-Ostsee-Kanal mittlerweile auf eine Milliarde Euro und mehr veranschlagt.

Der Nord-Ostsee-Kanal ist mit einer Passage von rund 42.000 Schiffen jährlich die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt. Er verbindet die Deutsche Bucht mit der Ostsee und verkürzt den Weg im Vergleich zur Route um Dänemark herum um 250 Seemeilen - rund 400 Kilometer. Nach Angaben der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nord bewegen im Durchschnitt 95 Schiffe täglich knapp 300.000 Tonnen Ladung durch den Kanal. Dafür wären auf der Straße bis zu 15.000 schwere Lastwagen notwendig.

dpa

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