Luftverkehr

Recycling von Flugzeugen wird lukrativ

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Foto: Flugzeugrecycling wird in Zukunft ein immer größeres Thema werden.

Braunschweig - Der Luftverkehr nimmt weltweit zu, und es werden künftig immer mehr ältere Flugzeuge ausgemustert. Das Recycling von alten Flugzeuge ist ein Wachstumsmarkt.

Weltweit stehen tausende von ausgemusterten Verkehrsflugzeugen am Rande abgelegener Flugfelder oder auf speziellen „Flugzeugfriedhöfen“ herum. Sie sind meist ausgeschlachtet und flugunfähig, weil Turbinen, Fahrwerke oder Elektronikbereiche als Ersatzteile noch verkauft worden sind. So rotten die Wracks vor sich hin. Und es werden immer mehr, weil der Luftverkehr weiter wächst und viele Flugzeugflotten in den nächsten Jahren erneuert werden. Deshalb wird das Recycling in der Branche ein großes Zukunftsthema.

Ein Verbund norddeutscher Unternehmen entwickelt jetzt einen völlig neuen Ansatz: Das mobile Flugzeug-Recycling. „Vergleichbares gibt es noch nicht“, sagt Norbert Steinkemper von der Süderelbe AG, einer Projektgesellschaft für den Großraum Hamburg. Er managt und koordiniert das Projekt, zu dem bisher das mittelständische Braunschweiger Entsorgungsunternehmen Keske, das Hamburger Logistikunternehmen Allcox sowie Recycling-Spezialisten von der Technischen Universität Clausthal gehören. In Zeiten weltweiter Rohstoffknappheit und steigender Rohstoffpreise könnte das ein lohnendes Geschäft werden, meint Steinkemper.

Unter der Federführung von Keske wird in einem ersten Teilprojekt, das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird, derzeit eine mobile Zerlege-Einheit entwickelt, die modular aufgebaut ist und per Container zum jeweiligen Flugzeug-Standort transportiert werden soll. Dort kann ein Flugzeug in wenigen Tagen zurückgebaut, schadstoffentsorgt, trocken gelegt und dann in tausende von Teilen zerkleinert werden.

Deutschland als Recyclingstätte

Der tonnenschwere Schrott soll dann nach Deutschland transportiert und hier kunstgerecht getrennt und aufbereitet werden. „Die Anlage wird im nächsten Jahr erstmals getestet, in zwei Jahren kann das Geschäft richtig anlaufen“, kündigt Unternehmenschef Marc Keske an. Seitdem sich das Projekt in der überschaubaren Luftfahrtbrache herum gesprochen hat, häufen sich Anfragen etwa aus Südamerika oder aus den arabischen Emiraten, berichtet Keske.

Ein erster Recycling-Test habe bereits gute Ergebnisse gebracht, erläutert Keske-Mitarbeiter Sebastian Jeanvré. Mit der Zerschrottung zweier Boeing 737 auf dem Flughafen der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur habe man eine Recyclingquote von 70 Prozent erreicht. Selbst in älteren Flugzeugen steckten viele wertvolle Stoffe: Vor allem Aluminium (um die 75 Prozent Anteil), aber auch seltene Metalle wie Titan oder Rhenium sowie seltene Erden. Diese Metalle kommen meist als Legierungen vor, für die es oft noch keine Recyclingverfahren gibt. Die sollen die Forscher in Clausthal in einem weiteren Projekt entwickeln.

Ziel sei das komplette Recycling von Flugzeugen, sagt Steinkemper. Die aufbereiteten Stoffe sollen so hochwertig sein, dass sie wieder im Flugzeugbau eingesetzt werden können. Um längerfristig eine komplette Wertschöpfungskette aufzubauen, sollen weitere Partner in Norddeutschland gewonnen werden.

Wie viele ausgemusterte Flugzeuge wo geparkt sind, das weiß laut Steinkemper niemand in der Branche genau. Das Problem steht weniger in Europa als vielmehr in den Schwellenländern Afrikas, Südamerikas und Asiens an – nach dort werden häufig wegen der niedrigeren Sicherheitsstandards noch ältere Flugzeuge verkauft. Und dort beenden sie auch – häufig nach 30 Jahren – ihr Flugleben. Bekannt sind nur ungewöhnliche Flugzeugfriedhöfe: etwa der in der Nähe der Stadt Tucson (US-Bundesstaat Arizona), auf dem mehr als 3500 zivile und militärische Maschinen stehen.

Jeanvré zitiert eine Branchen-Studie, nach der bis zum Jahr 2028 weltweit rund 25.000 neue Flugzeuge (mit mehr als 100 Sitzplätzen) starten werden. Jährlich werden danach zunächst rund 400 Maschinen stillgelegt. Das Flugzeugrecycling ist eine Wachstumsbranche.

dpa

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