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Reedereichef von „Sewol“ festgenommen

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In der Hauptstadt Seoul demonstrierten Studenten gegen die Regierung des Landes, der sie eine Mitschuld an dem Unglück gaben.

Seoul - Die südkoreanische Fähre „Sewol“ war nach Angaben der Ermittler regelmäßig überladen. So auch am Tag ihres folgenschweren Untergangs am 16. April. Der Chef der Reederei steht im Verdacht, das Havarie-Risiko bewusst in Kauf genommen zu haben.

Gut drei Wochen nach dem Untergang der südkoreanischen Fähre „Sewol“ haben die Ermittler den Reedereichef unter dem Verdacht der fahrlässigen Tötung festgenommen. Sie werfen Kim Han Sik von Chonghaejin Marine vor, die Überladung der Fähre angeordnet oder zumindest davon gewusst zu haben, bevor das Schiff am Vorabend des Unglücks in See stach.Er bitte die Familien der Unglücksopfer um Entschuldigung, sagte Kim am Donnerstag vor dem Büro der Küstenwache im südlichen Mokpo. Zu den Vorwürfen äußerte er sich nicht.

Die Fähre war am 16. April mit 476 Menschen an Bordvor der Südwestküste Südkoreas gekentert. Bisher wurden die Leichen von fast 270 Menschen aus dem Wrack und der Umgebung geborgen. Es galten noch über 30 Insassen als vermisst.

In der Hauptstadt Seoul demonstrierten Studenten gegen die Regierung des Landes, der sie eine Mitschuld an dem Unglück gaben. Dabei kam es zu teilweise heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Sollte sich der Verdacht gegen Kim erhärten, droht dem Reedereichef bei einer förmlichen Verhaftungunter anderem eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung und Verstoßes gegen Sicherheitsvorschriften für Schiffe, wie südkoreanische Medien unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft berichteten.Vier Angestellte des Unternehmens sitzen bereits in Untersuchungshaft.

Die Ermittler vermuten, dass eine Überladung und frühere Umbauten an der 20 Jahre alten Auto- und Personenfähre das Unglück mitverursacht haben. Dem Betreiber der „Sewol“ wird vorgeworfen, die Fähre in der Vergangenheit aus Proftigier regelmäßigüberladen zu haben.

Auch der Kapitän und die anderen 14 leitenden Crewmitglieder sind in U-Haft. Sie werden beschuldigt, die Passagiere auf dem sinkenden Schiff im Stichgelassen zu haben. Nur 172 Menschen wurden nach Angaben der Behörden gerettet. Diemeisten Insassen waren Jugendliche auf einem Ausflug zur südlichen Urlaubsinsel Cheju. Das Meeresministerium will ChonghaejinMarine die Lizenz für die Strecke zwischen der westlichen KüstenstadtInchon und Cheju entziehen.

Die Bergungsarbeiten am Wrackwurden nach den Berichten südkoreanischer Senderam Donnerstag von hohen Wellen erschwert. Bei den geplanten Tauchgängen sollten weitereGänge und Kabinen des Schiffs durchsucht werden, wo die meisten Passagiere eingeschlossen wurden. Um das Wrack wurden Netze ausgeworfen, um zu verhindern, dass weitere Leichen von der Strömung abgetrieben werden. Ein Rettungstaucher war am Dienstag ums Leben gekommen. Bei einem Tauchgang zum Schiff hatte er das Bewusstsein verloren.

dpa

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