Evakuierung am Spielbudenplatz

Auf der Reeperbahn wackeln die Wände

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Foto: Einsturzgefahr: Neben der "Esso"-Tankstelle an der Reeperbahn in Hamburg haben die Wände der Häuser "gewackelt", wie Anwohner berichten. Die Wohnungen wurden evakuiert.

Hamburg - Aufregung auf der Reeperbahn: Mitten in der Nacht sind Teile des Spielbudenplatzes auf der Hamburger Amüsiermeile plötzlich gesperrt. Der Grund: die naheliegenden "Esso-Häuser" werden evakuiert. Anwohner hatten von "wackelnden Wänden" berichtet.

Mitten im Partytrubel hat die Polizei in der Nacht zu Sonntag die Esso-Häuser auf der Hamburger Reeperbahn evakuiert. Nachdem besorgte Mieter die Einsatzkräfte alarmierten und von „wackelnden Wänden“ und von Putz, der von der Decke rieselte, berichtet hatten, mussten mehrere Dutzend Bewohner ihre Wohnungen für unbestimmte Zeit verlassen. Auch angrenzende Bars, Restaurants und Diskotheken wurden wegen Einsturzgefahr geschlossen, darunter der Musikclub „Molotow“ und eine bei Nachtschwärmern beliebte Tankstelle. Auch der Spielbudenplatz, sozusagen das Herzstück der Reeperbahn, wurde gesperrt.

Derzeit gehen die Behörden davon aus, dass eine Rückkehr in die Gebäude aufgrund der Gefahrenlage nicht möglich ist. „Wenn man sich in den Häusern aufhält, besteht das Risiko, dass man Schaden an Leib und Leben nimmt“, sagte der Leiter des zuständigen Bezirksamtes, Andy Grote gestern. In der Nacht hatte nach Angaben des Bezirks ein Bauprüfer die als marode geltenden Gebäude inspiziert.

Bis zu 100 Bewohner mussten nach Angaben der Polizei ihre Wohnungen verlassen. Viele von ihnen wurden für die erste Nacht in der Turnhalle einer nahe gelegenen Schule untergebracht und dort von Helfern versorgt, andere kamen bei Freunden oder Verwandten unter. Auch gestern durften die Bewohner nicht zurück, um Haustiere und ihre wichtigsten Habseligkeiten zu holen.

Seit Jahren sorgen die maroden Häuser für Schlagzeilen. Der Eigentümer, das Immobilienunternehmen Bayerische Hausbau, will die alten Gebäude abreißen und mehr als 200 neue Wohnungen sowie Gewerbeeinheiten bauen. Gegen diese Pläne kämpft eine Initiative, die die Gebäude bewahren und die Mieter schützen will. Die Initiative wirft Investoren und Politik vor, den Gebäudekomplex „vorsätzlich“ verfallen zu lassen, auf den Abriss zu spekulieren und so die Bewohner und Gewerbetreibenden zu gefährden. Dies wird von der Gegenseite energisch bestritten.

Zwar wissen die Mieter der umstrittenen Häuser seit Langem, dass sie demnächst ausziehen müssen. Dass es aber so schnell so weit kommen könnte, hatte niemand erwartet. Im Sommer sollen die Esso-Häuser abgerissen werden. Das Bezirksamt Altona erlaubt von Juni 2014 an keinen weiteren Betrieb mehr. In einem Expertengutachten heißt es: „Der Zustand von nahezu 100 Prozent der Bauteile ist kritisch oder grenzwertig.“

Seither wurden 1600 Stahlstützen in der gesperrten Tiefgarage montiert, um den Gebäudekomplex zu stabilisieren. Außerdem wurden zahlreiche Balkons mit Holzbalken gestützt. „Wir haben das instand gehalten, was instand zu halten war“, sagt Bernhard Taubenberger von der Bayerischen Hausbau. Es laufe bereits die Suche nach Ersatzwohnungen für die Bewohner, sagt Grote. Für die Club-Betreiber wolle das Bezirksamt andere Räume finden.

dpa

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