„Alle Karten auf den Tisch“

Region droht Südlink-Planern mit Klage

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Hannover - Die Region Hannover sowie fünf Landkreise aus Niedersachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen wollen erreichen, dass der Stromnetzbetreiber Tennet noch vor der Sommerpause sämtliche Alternativrouten für die unter dem Namen Südlink bekannte Stromautobahn von Nord- nach Süddeutschland vorlegt.

„Wir haben Zweifel, dass die letztlich ausgewählte Route wirklich unter allen Gesichtspunkten die geeignetste ist“, sagt Tjark Bartels (SPD), Landrat des Kreises Hameln-Pyrmont. Sollte Tennet nicht reagieren, werde man auf Herausgabe der Unterlagen klagen. Das Unternehmen weigert sich.

Im Verfahren hatte Tennet mehrere Korridore geprüft und sich am Ende für die Route entschieden, die von Norden kommend an Verden, Walsrode, Burgwedel und am östlichen Rand des Stadtgebietes von Hannover vorbeiläuft. Dann knickt sie leicht nach Westen ab und führt durch das Weserbergland bis zum Knüllwald im Norden Hessens; von dort aus geht es weiter nach Bayern. Nur diese Variante wird weiter verfolgt. Die verworfenen Alternativen sind in Grundzügen bekannt. Eine westliche wäre über Bielefeld gelaufen, eine östliche über Uelzen, Wolfsburg und Sangerhausen am Ostharz. Beide hätten also weder die Region Hannover noch die anderen Landkreise, die jetzt möglicherweise klagen wollen, betroffen. Begründet hat Tennet dies mit Umweltgesichtspunkten und mathematischen Erwägungen – dies ist die kürzeste Variante.

Die Region Hannover und die Landkreise wollen sich damit nicht abfinden. „Es gibt keine Details und keine Transparenz. Genau die wird aber von uns gefordert, weil wir Daten über Raumordnung, Natur und Umwelt liefern sollen. Wir sagen: gleiche Regeln für alle“, sagt Bartels. Der Landrat sorgt sich wie auch seine hessischen Kollegen, dass die riesigen Masten der Überlandleitung das Weserbergland verschandeln und damit Tourismus und Naherholung schaden könnten. Den grundsätzlichen Bedarf an der Stromautobahn stellt er jedoch ebenso wenig infrage wie die Vertreter der anderen Kommunen.

Rein rechtlich muss Tennet die genauen Gründe für die Auswahl der favorisierten Trasse erst mit Beginn des formellen Antragsverfahrens vorlegen, der ursprünglich für Juni geplant war und nun nach hinten verlegt wurde. „Vorher werden wir dies nicht tun“, sagt Sprecherin Ulrike Hörchens. Sie verweist auf die 22 Informationsveranstaltungen für Bürger und Politiker, die der Stromnetzbetreiber durchgeführt hat und bei denen 2200 Hinweise und Vorschläge auch zu Alternativstrecken eingegangen sind. Man werde sämtliche Vorschläge prüfen und die Ergebnisse im Sommer auf Bürgerveranstaltungen vorstellen. Erst dann sei die Bürgerbeteiligung abgeschlossen.

Das kommunale Bündnis hat inzwischen die Berliner Anwälte Stefan de Witt und Peter Durinke eingeschaltet. „Wenn das offizielle Verfahren beginnt, haben die Kommunen nur zwei Monate Zeit für ihre Stellungnahme. Das ist viel zu kurz“, erläutert de Witt. Andererseits mag der Anwalt nicht glauben, dass der Zeitplan zu halten ist, der einen Baubeginn im Jahr 2018 für die 600 Kilometer lange Trasse vorsieht und eine Fertigstellung vier Jahre später. „Im Verfahren müssen Auswirkungen auf geschützte Tiere und Pflanzen untersucht werden. Bei der Streckenlänge müssen sie, allein um die Daten zu erhalten, sämtliche Kartierungsexperten Europas zusammentrommeln“, sagt de Witt.

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