Heimpersonal in der Kritik

Rentnerin liegt tagelang tot in Altenwohnung

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Foto: Die Frau soll in ihrer Altenwohnung zwischen dem 8. und dem 20. Mai gestorben sein. Der genaue Zeitpunkt steht nicht fest.

Bremen - Eine Rentnerin lag mindestens eine Woche tot in ihrer Wohnung in Bremen, ohne dass es dem Heimpersonal aufgefallen ist. Die Mitarbeiter wurden noch nicht einmal aufmerksam, als die 70-Jährige tagelang ihr Essen nicht anrührte.

Der Tod einer Frau in ihrer Altenwohnung in Bremen wird vom Heimpersonal tagelang nicht bemerkt. Die Egestorff-Stiftung bestätigte den Vorfall am Dienstag. Obwohl die 70-Jährige seit längerer Zeit das ihr gelieferte Mittagessen nicht angerührt hatte, wurden die Mitarbeiter nicht aufmerksam. Die Heimleitung will die Gründe dafür jetzt prüfen. Sie sieht aber keine Versäumnisse.

Die Frau lebte nach Angaben des Sprechers seit 2009 eigenständig in einer Wohnung auf dem Gelände der Pflegestiftung im Stadtteil Osterholz. Fünfmal die Woche ließ sie sich Mittagessen bringen, verzichtete sonst aber auf jegliche Betreuung. „Es ist öfter vorgekommen, dass sie die Tür nicht geöffnet und das Essen nicht gegessen hat“, sagte der Sprecher der Egestorff-Stiftung, Detlev Nolte. Außerdem wechselten die Fahrer, die das Essen liefern, regelmäßig. Deshalb habe zunächst niemand den Tod der Frau bemerkt.

Die 70-Jährige war nach Angaben von Nolte zwischen dem 8. und 20. Mai gestorben. Der genaue Zeitpunkt steht nicht fest. Bremens Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) denkt jetzt über Konsequenzen nach. Sie erwägt, auch bei Wohnangeboten ohne Betreuung tägliche Anrufe oder andere soziale Kontakte vertraglich zu vereinbaren. „Wir müssen aber erst prüfen, ob das rechtlich möglich ist“, sagte Ressortsprecher Bernd Schneider.

dpa

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