Helden des Nordens

Der Retter der Flensburger Fahrbücherei

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„Ich liebe die Welt der Bücher“: Hans-Carsten Jacobsen in der Fahrbücherei.

Kiel - Für den Erhalt des Bücherbusses mobilisierte Hans Carsten Jacobsen eine ganze Stadt. Mit Erfolg: Im Mai 2014 rollte das neue signalrote Gefährt erstmals durch die Stadt, um Kinder, Familien und Senioren mit Lesefutter zu versorgen.

„Wer Bildung fördert, verändert die Welt“: Dieses Motto spricht Hans Carsten Jacobsen aus dem Herzen. Und mit diesem Motto hat der ehemalige Gymnasiallehrer eine ganze Stadt mobilisiert, um den Flensburger Bücherbus zu retten. Als die alte Fahrbücherei 2013 aus Alters- und Kostengründen eingestellt werden sollte, gründete Jacobsen den „Runden Tisch Bücherbus“ und rief die Flensburger zur aktiven Bürgerbeteiligung auf. Mit Erfolg: Im Mai 2014 rollte das neue signalrote Gefährt erstmals durch die Stadt, um Kinder, Familien und Senioren mit Lesefutter zu versorgen.

Für Hans Carsten Jacobsen steht fest: „Viele Lesepersönlichkeiten wären ohne den Bücherbus nie ausgeprägt worden.“ Die Fahrbücherei unterstütze nicht nur den Bildungs- und Kulturauftrag der Stadtbibliothek, sondern ermögliche auch Menschen die Buchausleihe, die aus unterschiedlichen Gründen nicht allein die Bücherei besuchen könnten. Immerhin hält der Bus an 46 Haltestellen sowie an allen Grundschulen und vielen Kindergärten im gesamten Stadtgebiet.

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Er erreicht jährlich über 2000 Nutzer und bietet ein Depot mit rund 25 000 Medien. „Wir haben es geschafft, die Flensburger für dieses Thema zu sensibilisieren“, freut sich Jacobsen über die gute Resonanz.

Als Gründer und Vorsitzender des Fördervereins der Stadtbibliothek trommelte der heute 78-Jährige nicht nur ­unermüdlich bei der Flensburger Stadtverwaltung für den Erhalt des Bildungsangebotes, sondern rief auch den „Runden Tisch Bücherbus“ ins Leben. „Das waren 18 Menschen von der Schülerin bis zum Bibliothekar, denen der Bücherbus viel bedeutet.“ Ihr Ziel: über eine aktive Bürgerbeteiligung die Anschaffung eines neuen Busses zu unterstützen. „Man kann lokal enorm viel in Bewegung setzen“, ist Jacobsen überzeugt. Die finanzielle Vorgabe der Stadt lag bei 50.000 Euro Beteiligung an den 425.000 Euro Gesamtkosten. Die von der Gruppe organisierten Benefizveranstaltungen, Spendenläufe und ­Fundraising-Aktionen waren jedoch so erfolgreich, dass am Ende die gewaltige Summe von 80.000 Euro im Spendentopf lag.

WLAN und Kunst am Bus

Unerwartete Hilfe kam von prominenter Seite: Ein auf die Flensburger Förde bezogener und persönlich signierter Text von Siegfried Lenz, der als Collage auf Leinwand gedruckt worden ist, brachte allein 23.000 Euro. „Also konnten wir noch WLAN und Kunst am Bus finanzieren“, sagt Jacobsen schmunzelnd. Beendet ist die Mission des Retters damit noch lange nicht. Denn mit derselben Energie, mit der er sich dem Erhalt der Fahrbücherei gewidmet hat, fördert er auch die Lesekompetenz von Kindern, wirbt Lesepaten, plant Lesenächte und Poetry- Slams. Insgesamt 21 Jahre unterrichtete er an deutsch-lateinamerikanischen Begegnungsschulen in Ecuador, Venezuela und Brasilien, wo er sich intensiv mit der Literatur seiner Gastländer auseinandersetzte. „Ich lese gerne und liebe die Welt der Bücher“, sagt Jacobsen. „Sich dafür ins Zeug zu legen ist doch eine gute und vor allem nachhaltige Sache.“

Eine Woche lang stellt die HAZ gemeinsam mit den „Kieler Nachrichten“, der „Ostsee-Zeitung“ und dem „Hamburger Abendblatt“ täglich einen Kandidaten für die Wahl zum „Helden des Nordens 2014“ vor. NDR Info sendet Porträts jeweils um 7.35 Uhr und um 9.35 Uhr. Ab dem nächsten Sonnabend können Sie Ihren persönlichen Helden per Telefon und auf haz.de wählen. Das Mitmachen lohnt sich, denn es gibt attraktive Preise zu gewinnen.

Von Carola Jeschke

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