Unfall an Unglücksfähre

Rettungstaucher an der „Sewol“ gestorben

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Foto: 40 Menschen werden nach dem Schiffsunglück noch immer vermisst.

Seoul - Offenbar aus Profitgier des Betreibers war die südkoreanische Unglücksfähre „Sewol“ regelmäßig überladen. Bei der Suche nach Vermissten am Wrack stirbt einer der Rettungstaucher.

Bei den Bergungsarbeiten am Wrack der gesunkenen südkoreanischen Fähre „Sewol“ ist ein Rettungstaucher ums Leben gekommen. Der 53-Jährige habe während eines Tauchgangs das Bewusstsein verloren, teilte die Einsatzleitung am Dienstag mit. In einem Krankenhaus sei sein Tod festgestellt worden. Der Mann hatte für eine Firma gearbeitet, die auf Bergungsarbeiten spezialisiert ist. Die „Sewol“ war vor drei Wochen mit 476 Menschen an Bord vor der Südwestküste Südkoreas gekentert. Die Zahl der Toten liegt bei mindestens 263. Etwa 40 Menschen gelten noch als vermisst.

Nach Angaben der Ermittler war die Fähre in der Vergangenheit regelmäßig überladen. Der jetzige Reeder der Fähre habe bei mehr als der Hälfte der 241 Fahrten des Schiffs zu viel Ladung aufgenommen, um mehr Profit zu machen, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap am Dienstag unter Berufung auf das Ermittlerteam. Am Unglückstag habe das Gewicht der Fracht um das Dreifache über der empfohlenen maximalen Ladekapazität gelegen.

Die Ermittler vermuten schon seit längerem, dass eine Überladung des Schiffs sowie frühere Umbauten an der 20 Jahre alten Auto- und Personenfähre den Untergang am 16. April mit verursacht haben könnten. Untersucht wird auch, ob die Ladung richtig gesichert war.

Am Tag der Havarie hatte die 6825-Tonnen-Fähre den Angaben zufolge 3608 Tonnen Fracht einschließlich 108 Fahrzeugen geladen. Das Schiff sank an der Stelle, wo es seinen Kurs wechselte. Gegen die Eigentümerfamilie des Reeders Chonghaejin Marine wird unter anderem wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und Untreue ermittelt.

Unterdessen entschuldige sich Staatspräsidentin Park Geun Hye an Buddhas Geburtstag erneut für das Fährunglück. Als Präsidentin, die das Leben der Bürger schützen müsse, spüre sie nach dem Unglück eine schwere Schuld, sagte Park bei einer Zeremonie in einem Tempel in Seoul. „Menschen, die durch weltliche Gier blind wurden, haben sich nicht an Sicherheitsbestimmungen gehalten“, sagte Park. Bereits Ende April hatte sie sich für mangelndes Krisenmanagement entschuldigt. Insbesondere die Familien der Opfer werfen der Regierung vor, nicht genug für die Rettung der Menschen an Bord getan zu haben.

Der Kapitän und 14 leitende Besatzungsmitglieder sitzen in Untersuchungshaft. Sie werden beschuldigt, die Passagiere nach der Havarie ihrem Schicksal überlassen zu haben. Nur 174 Insassen wurden gerettet.

dpa

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