LKA-Beamter unter Verdacht

Rocker-Razzia verraten - Polizei ermittelt

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Foto: Rocker-Razzia in Berlin. Die Polizei ermittelt in den eigenen Reihen - ein LKA-Beamter soll die Hells Angels vor der Razzia gewarnt haben.

Berlin - Hat die Polizei den Maulwurf in ihren eigenen Reihen gefunden? Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen LKA-Beamten, der ein anstehendes Clubverbot der Hells Angels ausgeplaudert haben soll.

Die Berliner Polizei hat möglicherweise den Maulwurf in ihren Reihen gefunden, der vor rund drei Monaten eine groß angelegte Rocker-Razzia verraten hat. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen Beamten im Landeskriminalamt. „Bereits am Montagmorgen wurden Wohnung und Arbeitsplatz des Sachbearbeiters aus dem Rocker-Dezernat durchsucht“, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich am Mittwoch.

Unklar sei aber nach wie vor, ob der Mann die Hells Angels direkt oder aber die Medien informierte. Bislang schweigt der Beamte zu den Vorwürfen. Ihm drohen bis zu drei Jahre Haft oder eine Geldstrafe.

Einen Tag vor der Durchsetzung eines Verbotsverfahrens gegen die Hells Angels MC Berlin City hatte sich der Rockerclub mit Sitz in Reinickendorf plötzlich aufgelöst. Darum musste die Polizei ihren Einsatz mit 550 Beamten vorziehen. Seitdem hatten Sonderermittler bei der Polizei nach dem Leck in den eigenen Reihen gesucht.

Ermittler beschlagnahmten am Montag Computer, Mobiltelefone und Unterlagen des LKA-Sachbearbeiters. Staatsanwaltschaft und die Polizei haben die Auswertung übernommen, wie Redlich sagte. Möglicherweise habe der Verdächtige brisante Daten aus dem Computersystem der Polizei weitergeleitet. Ob er in dem Fall Geld dafür erhielt, ist unklar.

Wie die Polizei dem Mann auf die Schliche kam, wollte Redlich zunächst nicht sagen. Grundsätzlich könnten aber Daten nicht von den Polizei-Rechnern auf ein anderes Speichermedium kopiert werden. „Allerdings ist es möglich, Dateien als Anhang per E-Mail zu versenden.“ Sämtliche solcher Ein- und Ausgänge würden aber über den Server protokolliert.

Der Tatverdächtige sei vorerst in einen anderen Arbeitsbereich versetzt worden, bis die Überprüfung des Verdachts abgeschlossen sei. „Es gilt wie in jedem anderen Fall auch zunächst die Unschuldsvermutung.“

Nach Polizeiangaben sind undichte Stellen ein altes Problem. Allein in diesem Jahr gab es bislang mindestens neun Verfahren wegen des Verrats von Dienstgeheimnissen. 2011 wurde deswegen zehnmal gegen Polizisten ermittelt. In beiden Zeiträumen gab es jeweils einen Fall mit Rockerbezug.

„Meist handelt es sich bei solchen Verfahren aber um Fälle, wo ein Beamter das Datensystem für private Zwecke genutzt hat“, sagte Redlich. So komme es etwa immer wieder vor, dass Polizisten Angaben über alte Schulfreunde in Erfahrung brächten.

dpa

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