Nachtklubbetreiber im Interview

Rolf Eden: „Playboy ist eine Berufung“

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Edens Autobiografie „Immer nur Glück gehabt. Wie ich Deutschlands bekanntester Playboy wurde“ erscheint am 21. September im Lübbe-Verlag.

Hannover - Rolf Eden, der so legendäre wie selbstverliebte Berliner Nachtklubbetreiber, hat seine Memoiren geschrieben. „Immer nur Glück gehabt“ heißt das Werk und eins ist für Eden ganz sicher: „I love myself“.

Rolf Eden (82) emigrierte 1933 mit seinen Eltern aus Berlin nach Israel, wo er im Unabhängigkeitskrieg kämpfte. 1956 ging Eden wieder nach Deutschland – nachdem er gelesen hatte, dass jeder im Ausland lebende Berliner 6000 D-Mark erhalte, wenn er in die Stadt zurückkehre. Eden eröffnete damit am Kurfürstendamm seinen ersten Nachtklub, den „Eden-Salon“. Es folgten das „New-Eden“, der „Eden-Playboy-Club“, das Kabaretttheater „Schlüsselloch“ und das „Big Eden“ sowie skurrile Talkshow-Auftritte, in denen er gerne von seinen gelifteten Augenlidern und seinem Sexleben berichtete.

In seinen Klubs, in denen Prominente wie Mario Adorf, die Rolling Stones oder Klaus Kinski verkehrten, will Eden mehr als tausend Frauen kennengelernt haben. Für den 82-Jährigen gibt es nur ein Tabu: Auf Beerdigungen geht er aus Prinzip nicht. Seine Autobiografie „Immer nur Glück gehabt. Wie ich Deutschlands bekanntester Playboy wurde“ erscheint am 21. September im Lübbe-Verlag.

Herr Eden, blättern Sie eigentlich oft in alten Fotoalben?

Ja. Ich habe sehr, sehr viele Alben von allen Miss-Wahlen, allen Premieren, allen Prominenten, die kamen.

Ihr Buch heißt „Immer nur Glück gehabt“ ...

Genauso war es auch. Ich hatte nur Glück, bis heute.

Erinnern Sie sich, wann Sie das letzte Mal geweint haben?

Ich habe noch nie geweint. Vielleicht mal als Baby, aber sonst noch nie. Männer können gar nicht richtig weinen.

Und wann hatten Sie zuletzt Angst?

Hatte ich auch noch nie.

Auch nicht während der Zeit in der Armee in Israel?

Nein. Auch da habe ich nur Glück gehabt. Ich war ja der Kommandant. Und wir mussten einen Hügel erobern, und alle meine Soldaten wurden getötet. Nur ich nicht. Ich bin einfach schon vorher umgefallen, weil ich so großen Hunger hatte. Bevor sie mich töten konnten, wurde ich ohnmächtig.

Sie kamen 1956 zurück nach Berlin. Hatten Sie da nie Zweifel, als Jude wieder nach Deutschland zu kommen?

Überhaupt nicht. Das war für mich ein Land wie jedes andere auch auf der Welt. Ich bin ja auch nur gekommen, weil ich damals 6000 Deutsche Mark von der Regierung bekam, als eine Art Entschädigung. Und auch meine Eltern haben immer nur Gutes über Berlin erzählt. Meine Eltern sind ja schon 1933 ausgewandert, keiner ist hier umgekommen. Das waren richtige Patrioten.

Ist Religion Ihnen wichtig?

Nein. Das war sie nie und ist sie nicht. Was dieser alte Moses da erfunden hat vor 5000 Jahren, das interessiert mich nicht.

Rolf Eden ist Ihr Künstlername. Ist Rolf Eden auch eine Rolle?

Beides. Ich bin das, und es ist eine Rolle.

Ist das nicht anstrengend, ein ganzes Leben eine Rolle zu spielen?

Das ist überhaupt nicht anstrengend. I love myself.

Wie wirkt Ihr Name auf Frauen?

Der Name wirkt Wunder.

Immer noch? Ohne Ihnen zu nahe zu treten, aber Sie sind mittlerweile über 80 Jahre alt.

Das ist doch kein Alter. Ein Freund von mir ist gerade mit 96 Jahren gestorben, der war so was von fit. Der hat noch bis zuletzt jede Nacht drei Mädels im Bett gehabt. Ich mache natürlich nur Spaß. Der war verheiratet. Dann tut man das nicht mehr.

Das Älterwerden macht Ihnen also gar nichts aus?

Überhaupt nicht. Mir würde es etwas ausmachen, plötzlich nicht mehr älter zu werden und zu sterben.

Und Äußerlichkeiten? Wie wichtig sind die Ihnen?

Sehr wichtig. Ich hatte zwei Schönheitsoperationen. Die erste vor 15 Jahren. Da habe ich mir die Augenlider machen lassen, weil ich die durch mein ausschweifendes Nachtleben kaum noch aufbekommen habe.

Haben Sie Angst vor dem Tod?

Gar nicht. Der Tod ist wie eine Kakerlake. Tot ist tot und fertig.

Wie fühlt sich das eigentlich an, wenn Ihr Verlag in der Pressemitteilung ankündigt, Sie seien „Deutschlands Playboy Number one“ und bekannt als der „peinlichste Berliner“.

Das war ich ganz geehrt. Bei vier Millionen Einwohnern der peinlichste von allen zu sein, das muss man erst mal schaffen.

Als Fernsehgast werden Sie ja auch eher zu den bizarren Themen eingeladen.

Klar, die wollen doch genau das haben. Ich war bei allen. Bei der Maischberger, bei Will, und und und. Ich habe einfach keine Geheimnisse. Ich habe sieben Kinder von sieben Müttern, fünf Enkelkinder, habe mit über tausend Mädels geschlafen im Leben. Und das ist nicht mal viel mit 82 Jahren.

Das ist auf jeden Fall nicht schlecht.

Na ja, ich mache das jetzt seit 70 Jahren, und ich muss noch zulegen. Tausend ist noch zu wenig.

Wann haben Sie das letzte Mal eine junge Dame von der Tanzfläche mit nach Hause genommen?

Länger nicht. Ich habe jetzt ja eine feste Freundin.

Treue ist Ihnen also wichtig?

Überhaupt nicht. Treue ist etwas so Doofes. Immer mit derselben schlafen, das ist so was Langweiliges.

Brigitte, Ihre jetzige Freundin, ist sehr viel jünger als sie.

50 Jahre ist sie jünger! Wenn sie älter wäre, dann ginge das gar nicht.

Sieben Kinder, fünf Enkel, ein Urenkel, gibt es einen darunter, der so ist wie sie?

Nein, das sind alles ganz normale Leute. Einer vielleicht, der Max, der ist jetzt 22 Jahre alt und macht seine Sache ganz gut mit den Mädels. Aber die meisten haben geheiratet und Kinder. Spießer durch und durch.

Und das ist okay für Sie?

Das ist mir völlig egal. Jeder soll doch sein Leben leben, wie er will.

Warum haben Sie 2002 eigentlich das „Big Eden“ verkauft?

Weil ich in der Immobilienbranche angefangen habe. Das kann ich jedem nur empfehlen. Ich habe 800 Mieter ungefähr. Und diese Herrschaften sind so nett, die schlafen in meinen Häusern und zahlen dafür noch. Da muss man nichts machen, sondern nur die Säcke mit Geld in die Bank schleppen.

Ist Playboy eigentlich ein Beruf?

Das ist eine Berufung. Wie Einstein, der hatte auch eine Berufung. Obwohl ich nur über mich reden kann. Der letzte Playboy neben mir war Gunter Sachs. Aber der war ja schon 30 Jahre kein Playboy mehr. Wenn man verheiratet ist, dann ist es aus und vorbei damit.

Welchen Tipp würden Sie Männern geben, die das mit den Frauen nicht so geregelt bekommen?

Also gut angezogen muss man sein. Und ein Rolls-Royce hilft auch immer. Wenn Sie dann zum ersten Mal mit der Dame nach Hause gehen, dann gibt es erst einmal ein großes Glas halb Champagner, halb Wodka. Das macht locker und schmeckt auch gut.

Und dann?

Dann setze ich mich ans Klavier. Die Dame muss sich ein bisschen weiter wegsetzen, damit sie das Klavier nicht sehen kann. Dann drücke ich einen Knopf, und das Klavier spielt von alleine weiter. Die Dame denkt, sie ist in Sicherheit, weil der alte Eden hinterm Piano sitzt. Aber dann komm ich!

Man sollte also musikalisch sein?

Das hilft immer. Und gut angezogen sein, mehrere Sprachen sprechen und natürlich immer charmant sein. Dann könnte es klappen mit den Ladys.

Interview: Nora Lysk

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