König Willem-Alexander und Maxima zu Besuch

Royaler Glanz in Oldenburg

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Sympathische Royals: König Willem-Alexander und Gattin Maxima waren am Montag zu Besuch in Oldenburg.

Oldenburg - So viel Königsbegeisterung ist selten - in Ostfriesland und im Emsland bejubeln zahlreiche Schaulustige das niederländische Königspaar. Willem-Alexander überzeugt durch sein gutes Deutsch, Gattin Máxima durch ihr einnehmendes Wesen.

Dann ist das niederländische Königspaar doch noch nach Werlte im Emsland gekommen. Zuerst steigt Willem-Alexander aus der schwarzen, extralangen Audi-A8-Limousine aus. Und Werlte jubelt. Kinder schwenken rot-weiß-blau gestreifte Papierfähnchen, die Erwachsenen winken. Manche tragen orangefarbene T-Shirts, einer hat sogar holländische Holzschuhe an wie Frau Antje aus der Käsewerbung. Doch so richtig laut wird es erst, als die Frau des niederländischen Königs zu sehen ist. Die rund 200 Schaulustigen vor dem Kompetenzzentrum Niedersachsen Netzwerk Nachwachsende Rohstoffe sind aus dem Häuschen, als sich Máxima - mit riesigem, hellem Strohhut auf dem Kopf und in einem schwarz-weißen Kleid - zu ihnen umdreht. Ein echtes Königspaar haben die wenigsten Werlter jemals gesehen.

König Willem-Alexander spricht Deutsch, begrüßt Landrat Reinhard Winter (CDU) und einen Vertreter von Audi. Máxima strahlt und erzählt begeistert, wie viele Kinder auf dem Weg durch den Ort an der Straße standen. Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) hat eine orangefarbene Krawatte umgebunden und lächelt mit Máxima um die Wette.

Das Königspaar hat offenbar aus dem Auto heraus mehr mitbekommen als die Menschen auf den Bürgersteigen. „Ich habe nur einen Hut und eine Sonnenbrille gesehen“, erzählt die kleine Jessica später, als das Königspaar mit viel Blaulicht und hohem Tempo schon wieder abgerauscht ist, aber immerhin, es waren die Sonnenbrille und der Hut einer echten Königin. Trotzdem toll, dass sie da waren, findet die Mutter. „Ich finde sie sehr sympathisch.“

Um ein Haar wäre der Arbeitsbesuch in Werlte ausgefallen. Eigentlich wollte sich Willem-Alexander dort eine Pilotanlage von Audi anschauen. Der Autohersteller probiert im Westen des Landes, wie man aus überschüssigem Windstrom, Wasser und Kohlendioxid künstliches Methangas für den Autoantrieb herstellen kann. Dummerweise ist eine Biogasanlage, die das dafür notwenige Kohlendioxid liefert, ins Visier der Staatsanwaltschaft Osnabrück geraten. Es geht um giftigen Sondermüll aus Holland, der in deutschen Biogasanlagen verfeuert worden sein soll. Als das Ende vergangener Woche ruchbar wurde, drohte der Besuch ganz auszufallen. Der Kompromiss war, einen großen Bogen um die Anlage und peinliche Fragen zu machen. Audi präsentierte sein System im Niedersachsen Netzwerk Nachwachse Rohstoffe (3N) am anderen Ende des Ortes. Die örtliche CDU witterte ein Komplott der SPD-geführten Landesregierung gegen die Gemeinde. „Die wollen Werlte schaden“, hieß es am Wochenende.

Der erst am Sonntag frisch gewählte Samtgemeindebürgermeister Ludger Kewe (CDU, 86 Prozent) will sich am Montag aber nicht an den Spekulationen beteiligen. „Ich bin sehr enttäuscht, dass die Ermittlungen mit Audi in Verbindung gebracht wurden“, erklärt er. Am Ende ist er aber „dankbar, dass die Staatskanzlei, Audi und die Polizei“ kurzfristig das geänderte Besuchsprogramm möglich gemacht haben. Schwamm drüber. Audi und eine Reihe von Partnern unterzeichneten gestern in Werlte eine Absichtserklärung, eine ähnliche Anlage in den Niederlanden zu bauen.

Nach gut 40 Minuten ist das royale Spektakel vorüber. Drei Kindergärten und zwei Schulen hat die Gemeinde mobilisiert, 1000 Fähnchen verteilt, Banner mit „Hartelijk welkom“ und „Werlte begrüßt das Königspaar“ über die Straßen gespannt, frische Blumen gepflanzt und noch schnell den Rasen vorm 3N-Klimazentrum gemäht. „Es war viel los, die Leute waren begeistert“, findet Kewe und ist mit dem Königsbesuch rundum zufrieden. „Das war eine große Ehre für uns. Davon werden die Leute noch lange reden.“ Das glaubt nicht nur der zukünftige Samtgemeindebürgermeister.

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