Britische Pfund-Münze

Das Runde wird zum Eckigen

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Gilt als technischer Fortschritt pur: die neue Pfund-Münze.

Hannover - Zeit für Erneuerung: Die britische Pfund-Münze bekommt zwölf Ecken – und erinnert damit an die gute alte Zeit.

Die Briten halten ihr Pfund für die älteste lebende Währung der Erde. Um ihre Überlebensfähigkeit zu erhalten, muss sich diese Währung freilich immer wieder mal erneuern. So hat man jetzt in London beschlossen, die bisher im Umlauf befindliche Pfund-Münze aus dem Verkehr zu ziehen – und sie mit einer Münze zu ersetzen, die ein großes Erbe mit modernsten Erfordernissen verbinden soll.

Aus dem kleinen dicken Goldstück nämlich, das Insulaner heute in der Tasche tragen, soll ein zweimetalliges Zwölfeck mit goldenem Rahmen und silbernem Innenteil werden. Das neue Ein-Pfund-Stück soll in etwa die Größe der bisherigen Ein-Pfund-Münze behalten. Seine Zwölfeckigkeit soll an die historische Drei-Penny-Münze erinnern, die 1971 ausgemustert wurde, als Großbritannien das Dezimalsystem übernahm.

An jenes Threepence-Stück, auch „Threepenny Bit“ genannt, denken vor allem ältere Briten mit Wehmut zurück. Es kann auf eine lange Geschichte verweisen – und war 1953 die erste Münze, die das Konterfei Elizabeths, der jungen Monarchin, trug. Mit dem Rückgriff auf diese Münzform habe man einer stolzen Tradition Tribut zollen wollen, erklärte am Mittwoch ein Sprecher der Schatzkanzlei. Dass die Regierung mit dieser Geste auch euro-kritische Wähler freundlich zu stimmen hofft, die in ihrer unstillbaren Sehnsucht nach „den guten alten Zeiten“ künftig der Unabhängigkeitspartei Ukip ihre Stimme geben könnten, ist nicht ausgeschlossen. Bestätigen wollte das aber niemand.

Stattdessen betont die Königliche Münze, dass das neue Pfund, das 2017 eingeführt werden soll, vor technologischem Fortschritt geradezu strotze. Sie soll fälschungssicher sein „wie keine andere Münze der Welt“. Die älteste Währung soll sich allerneuester Produktions-methoden bedienen – schon weil zurzeit jedes Jahr zwei Millionen gefälschte Ein-Pfund-Münzen „kassiert“ werden müssen.

Das Problem ist nicht neu. Schon sehr viel früher haben leicht fälschbare und gefälschte Münzen der Insel-Obrigkeit zu schaffen gemacht. Die Strafen waren stets drakonisch. So wurden im zwölften Jahrhundert amtliche Münzpräger regelmäßig kastriert oder verstümmelt, wenn ihr Ausstoß nicht den königlichen Erwartungen entsprach. Geldfälscher ging man noch härter an. Sie wurden häufig gehängt. Auch ein allseits berühmter Münzmeister wie Sir Isaak Newton kannte da keinen Pardon.

Die Geldscheine sollen ab 2016 ebenfalls runderneuert werden. Statt aus Papier sollen die neuen Pfundnoten dann aus einem speziellen Kunststoff bestehen – und damit deutlich robuster sein. Sie können Schmutz abweisen, sind angeblich fälschungssicher und reißen nicht so leicht. Sogar einen Gang in der Waschmaschine sollen die Scheine unbeschadet überstehen.

Peter Nonnenmacher

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