Streit um Terminplanung

Wer sagt, wann Ferien sind?

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Jeder Strandkorb kann nur einmal vermietet werden: Überschneiden sich die Ferien mehrerer Bundesländer, wird es an den Stränden – wie hier auf Borkum – noch voller.

Hannover - Der Streit zwischen Kultus- und Wirtschaftsministern über eine neue Sommerferienregelung schwelt seit Jahren. Am Donnerstag treffen sich die Länderkultusminister in Berlin, um über die Ausweitung des Ferienkorridors zu beraten.

Das Ringen um die künftige Terminplanung der Sommerschulferien in den 16 Bundesländern geht heute in eine neue Runde. Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt warnt mit Blick auf die in Berlin stattfindende Kultusministerkonferenz davor, bei der Ferienplanung die pädagogischen Aspekte den ökonomischen Belangen unterzuordnen.

Hintergrund des anhaltenden Streits sind Forderungen der Tourismuswirtschaft, bei der Festlegung der Termine einen möglichst großen Zeitkorridor auszuschöpfen. Auch die Wirtschaftsminister plädieren schon lange dafür, die Ferien in den Ländern auf einen Zeitraum von 90 Tagen zu verteilen. Die Tourismusbranche argumentiert, jeder Tag, der nicht als Ferientag genutzt werde, bringe geschätzte wirtschaftliche Einbußen in Höhe von 100 Millionen Euro.

Den Wirtschaftsministern geht es auch darum, Staus auf den Straßen zu entschärfen. Bayern und Baden-Württemberg pochen allerdings seit jeher darauf, dass ihre Sommerferien erst Ende Juli beziehungsweise Anfang August starten. Die anderen Länder wie Niedersachsen müssten auch einen Ferienstart bereits Mitte Juni oder eben gegen Ende des Sommers in Kauf nehmen.

Carolin Ruh von der TourismusMarketing Niedersachsen wirbt dafür, dass sich Ferientermine nicht mehr so stark überlappen. „An der Nordsee kommen 70 Prozent der Gäste aus Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen“, sagte sie. „Und wenn die Betten voll sind, sind sie voll.“ Sich überlappende Ferientermine bedeuteten massive Umsatzeinbußen. Dehoga-Geschäftsführer Rainer Balke spricht für Niedersachsen von einem Verlust von zwölf Millionen Euro pro entgangenem Urlaubstag für das Land. Er plädiert für einen Korridor von mindestens 85 Tagen wie auch Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD).

Was meinen Sie? Die Sommerferien in Niedersachsen beginnen in diesem Jahr sehr spät. Stört Sie das? Ja, das durchkreuzt meine Urlaubspläne. Nein, Hauptsache die Gesamtlänge bleibt. Es wird Zeit, dass es eine vernünftige Regelung für die Sommerferien gibt. // set a new cookie with expiry ten minutes function setPollCookie() { expiry = new Date(); expiry.setTime(expiry.getTime()+(10*60*1000)); document.cookie = "LastURIPoll=;path=/;expires=" + expiry.toGMTString(); }

Ministerin Heiligenstadt will dieser Argumentation nicht folgen. „Die pädagogischen und schulorganisatorischen Aspekte müssen im Vordergrund stehen und mit den familienpolitischen und wirtschaftspolitischen Gesichtspunkten in Einklang gebracht werden“, sagte sie der HAZ. „Für die Schüler ist es wichtig, dass es kontinuierliche Lernzeiträume gibt und dass die Prüfungsabläufe gesichert sind.“

Der von den Kulturministern ausgehandelte Kompromiss sieht bisher vor, den Zeitraum für die sechswöchigen Ferien auf 82 Tage zu strecken. Es geht dabei um die Regelung für die Jahre 2018 bis 2024. Ein einstimmiges Votum der Länder ist dafür nötig. Schleswig-Holstein hat jedoch bereits beschlossen, nicht zuzustimmen, weil die Tourismusinteressen des Küstenlandes nicht genügend berücksichtigt seien. „Wir arbeiten bis zuletzt an einem für alle tragfähigen Kompromiss“, hieß es.

Rollierendes System

Immer neuer Ferienanfang: Die Kultusministerkonferenz legt die Termine für die Sommerferien für alle Bundesländer fest – und zwar immer über einen Zeitraum von sechs Jahren im Voraus. Um Staus, volle Züge und ausgebuchte Urlaubsquartiere zu vermeiden, nehmen 14 der 16 Länder an einem sogenannten rollierenden System teil. Das heißt, der Beginn der sechswöchigen Sommerferien verschiebt sich von Jahr zu Jahr. Generell sollen die Termine zwischen Mitte Juni und Mitte September liegen. Nur Baden-Württemberg und Bayern beharren auf ihre festen und späten Zeiten im August. Sie haben als einzige zweiwöchige Pfingstferien. Die übrigen Ferien im Jahr über Weihnachten, Ostern und im Herbst bestimmen die Länder selbst.

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