Düngemittelkonzerns K+S

Salzpipeline spaltet das Land

+
„Das will hier keiner“: Noch wird Salzlauge in Hessen zum Teil in die Werra geleitet.

Kassel/Hannover - Der Vorschlag des Düngemittelkonzerns K+S, Lauge im Meer zu entsorgen, gerät immer mehr in die Kritik. Die Politiker im Nordwesten sprachen sich nach dem Treffen einmütig gegen die Pipeline aus.

Um die geplante Salzlaugepipeline von Hessen bis an die Nordsee bahnen sich in Niedersachsen heftige Auseinandersetzungen an. Während Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) das Vorhaben begrüßte und vor allem viele Weser-Anrainer sich ebenfalls dafür aussprechen, regt sich im Oldenburger Land und an der Küste erheblicher Widerstand. Die Befürworter der Pipeline erhoffen sich eine deutliche Verbesserung der Wasserqualität der Weser – die Gegner fürchten, dies gehe dann auf Kosten des Jadebusens.

Der Kasseler Düngemittelkonzern K+S braucht neue Konzepte für die Entsorgung von Salzabwasser aus seinen Bergwerken an der Grenze zwischen Hessen und Thüringen. Bislang landet die Lauge in der Werra, zum Teil werden Rückstände auch im Boden verpresst. K+S würde das am liebsten weiterhin so machen und betont, binnen zehn Jahren habe man die Salzlaugemenge durch technische Verbesserungen bereits fast halbiert. Der länderübergreifende runde Tisch fordert aber Alternativen. So entstand zum einen der Plan, eine Pipeline nach Bad Karlshafen an der Oberweser zu bauen – was das Land Niedersachsen zum Schutz der Weser mit allen Mitteln verhindern will. Der große Wurf wäre eine laut Konzern 600 bis 900 Millionen Euro teure, je nach Trassenführung bis zu 450 Kilometer lange Pipeline bis zum Jadebusen.

Doch während viele Weser-Anrainer in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bremen das Konzept gutheißen, herrscht im Nordwesten des Landes Empörung. „Da werden die Probleme einer Region auf die andere abgewälzt“, schimpfte Wilhelmshavens Oberbürgermeister Andreas Wagner (CDU) jetzt nach einem Treffen der Oberbürgermeister und Landräte aus dem gesamten Oldenburger Land in Wilhelmshaven. Und Frieslands Landrat Sven Ambrosy (SPD) pflichtete ihm bei: „Das will hier keiner, das wird massiven Widerstand geben.“

Die Politiker im Nordwesten sprachen sich nach dem Treffen einmütig gegen die Pipeline aus. Sie bezweifeln, dass der flache Jadebusen und das Wattenmeer die Zufuhr von sieben bis zehn Millionen Kubikmeter Salzlauge – die Konzentration ist gut zehnmal so hoch wie die des Meerwassers – unbeschadet überstehen würden. Zudem fürchten sie angesichts verschiedener Stromtrassen in der Region Platzprobleme und eine übertriebene Belastung der Gegend. K+S dürfte der Streit nicht ungelegen kommen. Das Kasseler Unternehmen würde die Pipeline als teuerste Lösung gern vermeiden.

Tarek Abu Ajamieh

Kommentare