Nach Unfall mit Kind und Erzieherin

Schacht-Sturzgefahr bei Hameln ist gebannt

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Der Bergwerksschacht bei Salzhemmendorf ist mit einem Holzzaun umgeben. Vor einem Jahr waren dort ein Kleinkind und eine Betreuerin bei einem Kindergartenausflug in den Schacht gerutscht und mussten von der Feuerwehr gerettet werden.

Salzhemmendorf - Bei einem Kindergartenausflug vor einem Jahr ist ein Dreijähriger in einen alten Bergwerksschacht gefallen, seine Erzieherin rettete ihm mit einem beherzten Sprung das Leben. Ein Jahr danach ist die Gefahr in dem stillgelegten Steinkohlegebiet gebannt.

Von einer Sekunde auf die andere verwandelt sich der Waldausflug des Kindergartens in eine Katastrophe: Neben einem Stapel Baumstämme wird ein Dreijähriger vom Erdboden verschluckt. Seine Erzieherin springt kurzerhand hinterher ohne zu wissen, dass der Fall in einen alten Bergwerksschacht erst in 25 Metern Tiefe enden wird. Sie rettet dem kleinen Jannic damit das Leben. Ein Jahr nach der glücklichen Bergung ist die Gefahr in dem stillgelegten Steinkohlegebiet im Kreis Hameln-Pyrmont gebannt. Der Unglücksschacht wurde zugeschüttet und eingezäunt. In der Gemeinde und dem Kindergarten wird der Jahrestag nicht besonders gefeiert.

„Es sind ein paar Erinnerungen geblieben, aber das Leben geht weiter“, sagt die Leiterin des evangelischen Kindergartens St. Nicolei in der zu Salzhemmendorf gehörenden Ortschaft Oldendorf. „Wir haben die Sache für uns beendet.“ Anders als vor einem Jahr sind bereits Schulferien, der Kindergarten ist außer für einige Reparaturarbeiten bereits geschlossen. Schon kurz nach ihrem couragierten Sprung scheute die inzwischen 38-jährige Erzieherin das Rampenlicht - ihr erster Dank beim Erhalt der Rettungsmedaille des Landes durch den Ministerpräsidenten galt den freiwilligen Feuerwehrmännern.

Eineinhalb Stunden hatte die als „Heldin vom Osterwald“ gefeierte Kindergärtnerin in dem dunklen Schacht ausgeharrt und den Jungen in dem brusthohen Wasser an der Oberfläche gehalten. Bis auf einige Schrammen überstanden beide den Sturz äußerlich unversehrt - Jannic feierte seinen vierten Geburtstag während eines mehrtägigen Klinikaufenthalts. „Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) hat alle Stollen und Schächte überprüft“, berichtet Michael Paulißen vom Ordnungsamt in Salzhemmendorf. „Das war ein unglücklicher Zufall“, meint er zu dem Unglück. „Man muss sehr viel Pech haben, die Schächte sind so weit weg von den Wanderwegen.“

Wie aber konnte es überhaupt zu dem Unglück kommen, weshalb war der Schacht nicht gesichert? Bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg sei der Kohleabbau im Osterwald eingestellt und der betroffene Lichtschacht schon 1926 stillgelegt worden, erklärte der Vorsitzende des Bergmannsvereins Osterwald, Hans-Dieter Kreft. Die meisten Schächte seien damals verfüllt worden, der Unglücksschacht sei mit Holz abgedeckt worden. Während bei anderen Schächten der Untergrund allenfalls um einige Meter einsackte, wurde das Füllmaterial hier unterirdisch weggespült. Kräftiger Regen vor dem Kindergartenausflug ließ Erdreich neben der Abdeckung aus Baumstämmen in das Loch rutschen - genau dort stürzte dann auch Jannic in den Schacht.

Was geschah nun, um die Gefahr zu bannen? Mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem Ende des Bergbaus gab es keinen Bergwerksverantwortlichen mehr. Auch das LBEG hat für die stillgelegten Relikte ebensowenig Verantwortung, wie der Bergmannsverein, der in dem Waldstück ein Besucherbergwerk unterhält. Das Bergamt nahm deshalb die Niedersächsischen Landesforsten als Besitzer der Waldflächen in die Pflicht. Diese schütteten den Unglücksschacht im August zu und Mitarbeiter des LBEG überprüften im September alle Schächte und Öffnungen im Osterwald, um weitere Gefahren auszuschließen. Unbesorgt konnte der Kindergarten vor den Ferien wieder zu seiner Waldwoche in den Forst aufbrechen.

dpa

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