Niedersachsen

Schäfer fordert Ausrottung der Wölfe

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Er hat Angst vorm bösen Wolf: Schäfer Wendelin Schmücker.

Hannover - „Nutzlos wie Ratten, Flöhe oder Zecken“: In einem drastischen Brief an die Landesregierung hat der Sprecher der niedersächsischen Schäfer die Ausrottung der gerade erst zurückkehrenden Wölfe gefordert.

„Der Wolf hat hier kein Lebensrecht“, schreibt Wendelin Schmücker aus Winsen an der Luhe im Kreis Harburg. Die europa- und bundesrechtlich geschützten Tiere seien „Schädlinge“ und „nutzlos wie Ratten, Flöhe oder Zecken“.

Er habe, sagte der Berufsschäfer der HAZ, bewusst provokante Worte gewählt. „Wenn ich einen harmlosen Brief geschrieben hätte, wäre das untergegangen.“ Schmücker will erreichen, dass das Land den Tierhaltern stärker finanziell unter die Arme greift, wenn Wölfe in Weiden eingefallen sind. „Der Wolf ist zu 100 Prozent geschützt, sodass auch die Weidetierhalter einen hundertprozentigen Schutz haben müssen“, fordert er in seinem Schreiben an Ministerpräsident Stephan Weil.

Er hat Angst vorm bösen Wolf: Schäfer Wendelin Schmücker.

Quelle: Ole Spata

Etwa 50 Wölfe wurden nach Angaben des Umweltministeriums 2014 in Niedersachsen gezählt. 71 Fälle von gerissenen Tieren wurden dem Land seit November 2008 gemeldet, dabei sind mehrere Hundert Schafe, Rinder oder Dammwild getötet oder verletzt worden. Nicht immer hat eine Überprüfung ergeben, dass ein Wolf als „Schadensverursacher“ dahinter steht. Als zum Beispiel im vergangenen Jahr 90 Schafe bei Hodenhagen gerissen wurden, wurde später ein Hund dafür verantwortlich gemacht. Tatsächlich wird in nur 54 Prozent der Fälle ein Wolfsschaden anerkannt. Schmücker hingegen fordert, dass alle Risse vergütet werden - „ohne Prüfung des Verursachers“. Es gebe so gut wie keine streunenden Hunde, darüber hinaus sei es nicht möglich, die Fälle gerecht zu beurteilen. Füchse und Kolkraben würden Wolfsrisse oft unkenntlich machen. Bisher erstattet das Land den Schäfern nach Angaben eines Sprechers von Umweltminister Stefan Wenzel den finanziellen Schaden auf freiwilliger Basis.

Eine Richtlinie, die den Schäfern einen Schadensersatzanspruch verschaffen soll, werde noch in diesem Jahr in Kraft treten. Außerdem fördere das Land die Nachrüstung oder Neuanschaffung von Zäunen und in besonderen Fällen auch die Anschaffung von Herdenschutzhunden, erklärte der Sprecher. Laut Schmücker reicht die finanzielle Unterstützung nicht aus. „Trotz Zuschuss kann das nicht jeder bezahlen.“

Mit seinen drastischen Forderungen hat Schmücker gestern ein unterschiedliches Echo hervorgerufen. Einige Schäfer distanzierten sich von dem Schreiben. Es gab aber auch Zustimmung: „Es wird viel geredet, aber nicht gehandelt“, sagte ein Berufsschäfer aus dem Kreis Celle dem NDR. Der ehrenamtliche Celler Wolfsberater Helge John zeigt sogar Verständnis für den Unmut mancher Tierhalter: „Es kann nicht sein, dass man die Geschädigten so lange im Regen stehen lässt“, sagte er der HAZ. Dass aber jemand die Ausrottung einer Tierart fordert, habe er auch noch nie gehört. Bisher habe es immer eine kritische, aber konstruktive Diskussion mit den Tierhaltern gegeben. „Jetzt kommt jemand und zerschlägt das.“

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