Frauen aus Bulgarien verschleppt

Schläge und Bordell statt gut bezahlter Jobs

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Hannover - Wie viele junge Frauen aus Osteuropa in Deutschland unter Zwang als Prostituierte arbeiten, ist nicht bekannt. Ein Prozess in Hannover gibt Einblick in das Dunkelfeld Menschenhandel.

Es geht um Tritte und Hiebe mit dem Gürtel, um Vergewaltigungen und eine Morddrohung: Weil sie vier junge Frauen aus Bulgarien zur Prostitution gezwungen haben sollen, stehen zwei Brüder seit Freitag vor dem Landgericht Hannover. Den 31 und 34 Jahre alten Männern wird vorgeworfen, ihre Opfer mit falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt, eingesperrt und misshandelt zu haben. Die beiden Angeklagten stammen wie ihre Opfer aus Nordostbulgarien und gehören der türkischen Minderheit an.

Den Frauen im Alter von 18 bis Anfang 20 wurde teilweise vorgegaukelt, sie könnten als Kellnerinnen bis zu 1000 Euro im Monat verdienen. Stattdessen mussten sie in Bordellen und Laufhäusern vor allem in Hannover sexuelle Dienste anbieten und nahezu ihre gesamten Einkünfte dem Duo überlassen. In einem Fall waren dies laut Anklage zwischen März 2010 und Oktober 2011 rund 80 000 bis 90 000 Euro.

„Er drohte ihr die Beine zu brechen, wenn sie nicht alles abgibt“, sagte Staatsanwältin Regina Steig über den 34-Jährigen. Eine andere junge Frau berichtete von einer Morddrohung. Dem jüngeren Bruder wird darüber hinaus vorgeworfen, eine der Bulgarinnen dreimal vergewaltigt zu haben. Schauplatz soll unter anderem ein vom Vater des Angeklagten geführtes Café in Hannover gewesen sein.

Zum Prozessauftakt schwiegen die beiden bulligen Männer, denen ein türkischer Dolmetscher und eine bulgarische Übersetzerin zur Seite standen. Die mutmaßlichen Zuhälter, die sich unter anderem wegen Menschenhandels verantworten müssen, sitzen seit Mai in Untersuchungshaft. Für den Prozess sind 19 Verhandlungstage angesetzt.

Das Ausmaß des Menschenhandels in Deutschland ist unbekannt. „Generell kommen nur wenige Verfahren zur Anklage. Es gibt ein beträchtliches Dunkelfeld“, sagte Christian Zahel, Leiter der Abteilung für Organisierte Kriminalität im Landeskriminalamt Niedersachsen. Die Täter setzten ihre Opfer massiv unter Druck, daher seien nur wenige Frauen zur Aussage bereit. Nach Zahels Beobachtung steigt die Armutsprostitution. Bundesweit stammen nach Angaben des Bundeskriminalamtes zwei Drittel der Opfer aus Ost- und Südosteuropa, vor allem aus Bulgarien und Rumänien.

dpa

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