Konzert in Hannover

Schlagerstar Michelle im Theater am Aegi

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Michelle, eigentlich Tanja Hewer, wurde am 15. Februar 1972 geboren.

Hannover - Mit dem Schlager „Wer Liebe lebt“ gewann Sängerin Michelle im März 2001 in der hannoverschen Preussag-Arena (heute Tui-Arena) den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest. 14 Jahre später gastiert der Schlagerstar wieder in Hannover.

Damals sorgte die zierliche Blondine für Begeisterungsstürme, während Modemacher Rudolph Mooshammer und Big-Brother-Star Zlatko Trkovski schon im ersten Wahlgang scheiterten. Beim Wettbewerb selbst in Kopenhagen belegte Michelle den achten Platz. Fast 14 Jahre später sitzt Michelle an einem Ecktisch im Pier 51 am Maschsee, ihre mittlerweile braunen Haare hat sie streng zusammengebunden, unter ihrem dunklen Oberteil blitzt ein Tattoo hervor.

Best-ofs von Ihnen lassen sich einige finden: „Nur das Beste“ (2005) mit dem Besten der 1990er-Jahre, das „Very Best of“ (2009), „Nur das Beste – Die größten Erfolge“ (2011), „Der Beste Moment“ (2011) und „Best of Michelle“ (2013). Jetzt also das „Ultimative Best of“. Wo genau aber liegt der Sinn in diesem ständigen Reproduzieren? Die sind alle rausgekommen ohne uns, das machen die Plattenfirmen dann einfach. Das einzige, eigentlich richtige Best-of ist das jetzt. Es ist schwierig, Sie haben da schon recht.

Michelle im Theater am Aegi

Am Mittwoch, 25. Februar, tritt Michelle im Theater am Aegi auf.Tickets kosten zwischen 39,80 und 63,40 Euro.

Morgen treten Sie in Hannover auf. Was dürfen Ihre Fans erwarten?

Wir wollen eine Mischung zwischen Konzert und Theaterstück bieten, um diese 25 Jahre in all seinen Facetten widerzuspiegeln. Es wird sehr anders, und es wird sehr viele emotionale und starke Momente geben. Ich bleibe auf dem Boden und möchte mit meiner Band eine Geschichte erzählen.

2007 erlitten Sie während der Tour einen Schwächeanfall. Kurze Zeit später erklärten Sie das „Projekt Michelle“ für beendet. Haben Sie Angst, dass so etwas wieder passiert? Das waren ja nicht die Gründe, dass das damals passierte. Im Grunde war es nicht, weil ich auf Tour war, es waren andere Dinge, die privat stattfanden. Das hatte nichts mit meinem musikalischen Weg zu tun.

Damals klang das nach einem radikalen, unwiderruflichen Schritt. Was hat Sie denn dazu bewogen, wieder auf die Bühne zurückzukehren? Vorsätze sind dazu da, dass man sie nicht einhält. Zu dem Zeitpunkt des Rücktritts war es für mich genau das, was ich gedacht habe. Deswegen stehe ich auch dahinter. Ich brauche immer eine Zeit für mich. Wenn ich im Leben an so einem Punkt stehe, wo ich damals stand, dann bin ich auch der Mensch, der sagt: Ich ziehe mich jetzt zurück – mit aller Konsequenz. Aber Dinge ändern sich im Leben. Man hat jederzeit das Recht, seinen eigenen Standpunkt zu widerlegen. Ich weiß genau, was ich heute will, was ich nicht mehr will, was ich brauche und was ich nicht brauche.

Und was brauchen Sie? Auf die Bühne zu gehen. Das ist es, was mein Leben ausmacht. Was mich ausmacht.

Wer unterstützt Sie momentan? Ich weiß nicht, warum mich immer jemand unterstützen muss. Ich bin ja kein mentales Wrack. Man hat einfach im Leben mal so eine Phase, wo man mal ein bisschen Schwierigkeiten hat. Aber das heißt ja nicht, dass man immer jemanden braucht, der einen unterstützt. Ich bin eine Frau mit 42, die mit beiden Beinen im Leben steht, die drei Kinder zu Hause hat und einen wunderbaren Job. Und ich denke, dass nur ich selbst mich in der Waage halte. Ich bin nicht der Mensch, der sich von anderen Menschen abhängig machen muss.

Anders gefragt: Was gibt Ihnen Kraft? Ich brauche zwei Dinge für mein Leben: Das ist meine Familie und meine Musik. Kraft kommt natürlich aus beiden Dingen. Ich brauche beides, um die Waage im Gleichgewicht zu halten, um glücklich zu sein.

Auf dem Cover des neuen Albums sind Sie noch blond, jetzt sind Sie brünett. Wie sehen Sie Ihr Image heute? Ich war ja früher auch dunkel, von Natur aus bin ich schwarzhaarig. Ich hab dunkel angefangen und bin dann irgendwann blonder geworden. Jetzt bin ich aber wieder auf dem Standpunkt: Alle sind blond, da will ich wieder meine Naturhaarfarbe. Das ist dann damit auch wieder ein bisschen authentischer und echter. Und dieses süße Zuckerimage, süß und blond – das muss auch langsam weg. (Michelle lässt ihren Blick über die blonde Interviewerin schweifen, lächelt süffisant.) Und wie ich mich selber sehe: Ich bin ein bisschen der Paradiesvogel im deutschen Schlager. Ich bin die Tätowierte, die Höhen und Tiefen erlebt, wie sie normale Menschen im Leben ja überhaupt nicht erleben (lacht).

Was für Fans sprechen Sie an? Hat sich die Zielgruppe vielleicht sogar im Lauf der Zeit verändert? Meine Fans sind zu 70 Prozent Schwule und Lesben. Ich hab zusammen mit Matze (Matthias Reim, Anm. d. Red.) das jüngste Publikum in der Branche. Da hat die Plattenfirma mal eine Umfrage gemacht. Helene jetzt natürlich auch, das ist aber eine andere Sache. Ich hab auch viele Mütter als Fans. Die Fans wachsen mit. Die lieben mich so, wie ich bin: durch meine Einzigartigkeit, meine Eigenartigkeit, meinen Ecken und Kanten und natürlich auch mit meiner Musik.

Auf Facebook haben Sie kürzlich ein Foto mit Matthias Reim nach einem gemeinsamen Auftritt gepostet. Sie haben eine gemeinsame Tochter, seit 2001 sind Sie getrennt. Beruflich aber arbeiten Sie häufig zusammen. Ja, wie immer. Das war nie anders. Wir haben ein Kind zusammen, wir sind Vater und Mutter. Wir sind da schon ziemlich eng. Aber alles andere ist lange Zeit vorbei.

Zur Person: Michelle

Michelle, eigentlich Tanja Hewer, wurde am 25. Februar 1972 geboren. Seit 25 Jahren steht sie als Schlagersängerin auf der Bühne. Beim Südwestfunk hatte sie ihren ersten öffentlichen Auftritt, mit 21 Jahren kam sie mit „Und heut’ Nacht will ich tanzen“ in die ZDF-Hitparade. Mit „Wer Liebe lebt“ hat sie beim Eurovision Song Contest 2001 den 8. Platz in Kopenhagen belegt. Nach einem Schwächeanfall erklärte sie 2007 offiziell ihren Rücktritt vom Bühnengeschehen. Drei Jahre später kehrte sie mit einem neuen Studioalbum zurück. Sie hat drei Töchter.

Von Katharina Derlin

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