Outlet Center in Soltau

Die Schnäppchenjagd kann beginnen

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Foto: Fachwerkhausidylle mit Reetdächern aus Kunststoff. Am Donnerstag hat das Designer-Outlet Soltau erstmals für Kunden geöffnet.

Soltau - Seit 15 Jahren wird über die Pläne diskutiert, teilweise heftig gestritten. Nun ist das Designer Outlet Center in Soltau eröffnet worden. Das Fabrikverkaufswerk an der Autobahn 7 soll viele Schnäppchenjäger anlocken.

15 Jahre sind seit den ersten Plänen vergangenen. Jetzt ist das lange heftig umstrittene Designer Outlet Center (DOC) in Soltau geöffnet. Model Franziska Knuppe und Visagist Boris Entrup kamen zur Eröffnung. Landeswirtschaftsminister Jörg Bode schnitt am Vormittag ein Band durch und machte damit den Schnäppchenjägern den Weg frei zum Einkaufsareal an der A7. 1,3 Millionen Menschen pro Jahr sollen nach Einschätzung des Betreibers Retail Outlet Shopping den Weg dorthin finden. 70 Läden locken die Kunden.

„Damit wird ein neues Kapitel in der wirtschaftlichen und touristischen Entwicklung der Lüneburger Heide aufgeschlagen“, erklärte Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) bei der Eröffnung. „Hier werden Arbeitsplätze geschaffen und durch die Flankierung der vorhandenen Tourismusattraktionen bestehende Arbeitsplätze gesichert.“

Nach wie vor scheidet das Fabrikverkaufszentrum allerdings die Geister. Die einen freuen sich auf 30 bis 70 Prozent günstigere Preise, wie sie die Markenartikelhersteller für ihre Ware aus dem Vorjahr, aus Musterkollektionen und Überschussproduktion versprechen. Andere beklagen, dass Kunden auf die „grüne Wiese“ gezogen werden. „Viele Markenartikel werden bald aus den Innenstädten verschwinden“, befürchtet Niels-Peter Kolthammer vom Einzelhandelsverband Soltau, und Geschäftsleute in weiter entfernt liegenden Städten wie Lüneburg, Celle und auch Hannover teilen diese Befürchtung. Eine Studie habe ergeben, berichtet Kolthammer, dass vor allem Männer ihre Einkäufe gern schnell in Outlets in Autobahnnähe erledigen.

An der A7 ansiedeln wollten auch die Mitbewerber Bispingen und Bad Fallingbostel das Heide-Outlet - nach umfangreichen Raumordnungsprüfungen nahm ihnen das Land 2009 diese Hoffnung. Soltaus Bürgermeister Wilhelm Ruhkopf freut sich nun auf die neue Attraktion am Rande des 21.000-Einwohner-Ortes, in die die Schweizer Mutschler-Gruppe 80 Millionen Euro investiert hat. Bis zu 400 Arbeitsplätze sind versprochen, etliche hat die örtliche Arbeitsagentur vermittelt. In der Umgebung hofft man, dass die Besucher nach dem Einkauf noch einkehren und vielleicht sogar länger bleiben. Katrin Kupke vom Soltauer Heide-Park meint: „Mit einer Übernachtung können Einkauf an einem und Parkbesuch am Folgetag sehr gut verknüpft werden.“ Ulrich von dem Bruch von der Lüneburger Heide GmbH will die Käufer mit einem Tourismusinformationsstand im Center „für die Heide begeistern“. Mit acht Fachwerkhäuschen soll zwar auch das Einkaufszentrum etwas Heideidylle vermitteln. Doch wegen des gebotenen Brandschutzes sind dort die Reetdächer aus Kunststoff.

Mit einem Vermietungsstand von 80 Prozent zeigt sich der Betreiber sehr zufrieden. „Das ist für den Anfang prima“, sagt eine Sprecherin. „Weitere Marken haben sich angekündigt, andere warten ab, wie es anläuft.“ Die Neueröffnung eines Konkurrenzoutlets in Neumünster sollte kein großes Problem werden. Nach einer Untersuchung der Unternehmensberatung Ecostra jedenfalls verträgt der Markt noch weitere solcher Zentren.

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