Nach Streichung der Klassenfahrten

Schüler drohen mit einem heißen Herbst

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Nach dem Boykott der Klassenfahrten durch Lehrer könnten Schüler ihrerseits zum Boykott des Unterrichts aufrufen.

Hannover - Der Boykott von Klassenfahrten durch Lehrer wird zu einem Problem für den Schulfrieden an Niedersachsens Gymnasien. Der Landesschülerrat droht nun seinerseits damit zum Boykott "der freiwilligen Leistungen" aufzurufen.

„Wenn die Lehrer freiwillige Leistungen streichen, können auch Schüler ihrerseits freiwillige Dienste einstellen“, sagte der Vorsitzende des Landesschülerrates, Helge Feußahrens, gestern gegenüber der HAZ. Möglich sei nicht nur, dass Schüler das Abwischen der Tafeln oder das Führen von Klassenbüchern verweigerten; vielmehr könnten die Jugendlichen zwar in die Schule kommen, dort aber aus Protest nicht am Unterricht teilnehmen.

An etlichen Gymnasien in Niedersachsen werden derzeit keine Klassenfahrten mehr organisiert. Nach Angaben der Personalräte sind zwei Drittel der 260 Gymnasien betroffen – in Hannover und in Hildesheim so gut wie alle Gymnasien. Die Lehrer folgen damit Aufrufen der Personalräte, freiwillige Leistungen nicht mehr anzubieten, um sich gegen die vom Land beschlossene Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung zu wehren. Stießen die Lehrer bei Eltern und Schülern zunächst noch auf Verständnis, so scheint dieses jetzt zunehmend zu schwinden. Am Wochenende forderte der Verband der Elternräte der Gymnasien eindringlich die Rücknahme des Klassenfahrtenboykotts.

Klassen- oder Studienfahrten spielen seit jeher eine wichtige Rolle im Schulleben, sie gelten als pädagogisch wertvoll und gut für den Zusammenhalt einer Klasse. Eltern fürchten, dass ihren Kindern durch den Boykott eine wichtige Schulerfahrung verloren geht. So wurde jetzt für alle zehnten Klassen der Wilhelm-Raabe-Schule in Hannover eine Studienfahrt ins britische Hastings abgesagt; die letzte Klassenfahrt hatten die Schüler in der 7. Klasse. Ob sie überhaupt noch eine werden machen können, ist ungewiss. Helge Feußahrens vom Landesschülerrat sagt, es sei nicht fair, dass der Konflikt auf dem Rücken der Schüler ausgetragen werde. Er kündigte noch für diese Woche öffentlichkeitswirksame Aktionen an Gymnasien an. Nach den Herbstferien wollen die Schüler ihre Proteste ausweiten.

Landtagsabgeordnete sehen den Aufruf der Schüler skeptisch, verstehen ihn aber als Alarmzeichen. „Das ist für mich ein Aufmerker, wie verfahren der Konflikt ist“, sagt Heiner Scholing, schulpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion. Horst Audritz, Vorsitzender des Philologenverbands, meint, durch die Aktionen der Schüler drohe ein gegenseitiges Aufschaukeln. „Deeskalation ist angesagt zwischen Schülern und Lehrern“, mahnt er. „Die eigentliche Ursache des Problems liegt in der falschen Entscheidung der Landesregierung. Sie muss die Maßnahmen wieder rückgängig machen“, sagt der schulpolitische Sprecher der CDU, Kai Seefried. Eberhard Brandt, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft GEW, forderte die Landesregierung zu weiteren Gesprächen auf.

Von Saskia Döhner und Heiko Randermann

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