Bildung

Schulleitungsverband kritisiert mangelnde Aufklärung bei Inklusion

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Foto: Im August beginnt der gemeinsame Unterrricht von Kindern mit und ohne Behinderungen, doch die Vorbereitung der Schulen ist mangelhaft, so Brigitte Naber vom Schulleitungsverband.

Hannover - In einem halben Jahr soll es losgehen. Doch wesentliche Fragen für die Umsetzung des gemeinsamen Unterrichts von Kindern mit und ohne Handicaps sind bisher unbeantwortet geblieben. Die Schulen werden allein gelassen, kritisiert der Schulleitungsverband.

Ab August soll der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen in den 1. und 5. Klassen die Regel sein. Aber die Schulen seien denkbar schlecht darauf vorbereitet, sagt die Vorsitzende des Schulleitungsverbandes, Brigitte Naber. „Sie hängen in der Luft.“ Der Erlass, der die Rahmenbedingungen für die Inklusion vorgeben soll, befindet sich immer noch in der Anhörung. Unklar seien entscheidende Fragen wie „Wie viele Förderstunden erhält ein Kind mit einem bestimmten Förderbedarf?“ oder „Werden Kinder mit Handicaps bei der Berechnung der Schülerhöchstzahl in einer Klasse doppelt gezählt oder nicht?“

Zudem fehlten die benötigten Förderlehrer. „Der Markt ist leer gefegt“, sagt Johann Lübker, Leiter eines Förderzentrums für geistige Entwicklung in Rodenberg (Kreis Schaumburg). Förderlehrer dürfen sich bislang nicht auf ausgeschriebene Funktionsstellen an Regelschulen bewerben. Weil die CDU/FDP-Koalition die Zahl der Sonderpädagogikstudenten seit Jahren begrenzt habe, gebe es auch nicht genügend Nachwuchs, sagt Lübker. Selbst wenn die neue Landesregierung jetzt gegensteuere, werde es fünf Jahre dauern, bis neue Förderlehrer mit ihrer Ausbildung fertig seien. „Das ist viel zu spät“, moniert Naber. Größere Schulen bräuchten einen Koordinator, der die Inklusion koordiniere.

„Förderlehrern, die mehrere kleinere Schulen betreuen, fehlt die Heimat“, sagt Lübker. Sie müssten zwischen drei oder vier Standorten hin und her pendeln, „und das auch noch mit ihrem privaten Pkw“. Die Unsicherheit in den Kollegien der Regelschulen sei groß, meint der Schulleitungsverband: „Die Schulleiter müssen beruhigen und motivieren, aber es gibt so viele offene Fragen“, betont Naber. Unklar sei, was mit den Leitern der aufgelösten Förderschulen geschehe. Auch die Rolle der Förderschulzentren sei noch in der Schwebe.

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