Mordprozess

Schwangere Frau fast zu Tode geprügelt

Lüneburg - Sie wollte endlich Klarheit – für diesen nachvollziehbaren Wunsch musste eine junge und schwangere Frau mit Prellungen, Brüchen und Lähmungen bezahlen. Seit Donnerstag müssen sich die Angeklagten wegen versuchten Mordes, versuchten Schwangerschaftsabbruchs und gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht Lüneburg verantworten.

Weil sie ihr ungeborenes Kind nicht abtreiben lassen wollte, sollen zwei Männer die 19-Jährige am 31. August vorigen Jahres brutal verprügelt haben.

Die im sechsten Monat Schwangere war mit ihrem Ex-Freund bei Breitlingen im Landkreis Lüneburg zu einem Spaziergang an einem See verabredet. Sie wollte mit dem Mann über das ungeborene Kind sprechen. Die Forderung des 23-Jährigen nach Abtreibung hatte sie schon vorher zurückgewiesen. Zu der Klärung über die Zukunft des Kindes kam es nicht mehr: Ein 22-jähriger Bekannter hatte sich per Kurznachrichten auf dem Handy mit dem potenziellen Vater über den Standort der Spaziergänger ausgetauscht, überfiel die junge Frau und schlug sie laut Anklage mit einem Baseballschläger nieder. Eine Spaziergängerin entdeckte das Opfer.

Für die Staatsanwaltschaft ist klar: Gemeinsam planten die Angeklagten die Attacke, wollten nicht nur die Schwangerschaft abbrechen, sondern aus Angst vor einer Anzeige ihr Opfer auch töten.

Vor Gericht wiesen beide Männer Mordgedanken von sich. Der 23-Jährige aus Schwarzenbek in Schleswig-Holstein gab zu, die Schwangerschaft abbrechen zu wollen. „Es war nie die Absicht, die Geschädigte zu töten“, behauptete er in einer von Widersprüchen geprägten Aussage. Sein Komplize ging noch weiter und behauptete, das ihm bekannte Opfer und die Schwangerschaft nicht einmal erkannt gehabt zu haben. Er habe der Frau nur Angst einjagen wollen, damit die seinen Kumpel in Ruhe lasse. Dass es sich um eine gemeinsame Bekannte handele und sie schwanger sei, habe er nicht gewusst. „Ich sollte mit dem Teil nur herumfuchteln und habe sie dann aus Versehen getroffen.“

Vor Gericht beschuldigten sich beide Angeklagte gegenseitig und entschuldigten sich bei ihrem Opfer für ihre Tat. Die junge Frau sagte später, das Baby sei gesund zur Welt gekommen. „Es ist für mich ganz schwer, mit der Situation fertig­ zu werden.“

Carolin George

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