Fläche so groß wie Wuppertal

Schweden kämpft gegen Feuerwalze

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170 Quadratkilometer Feuer aus der Vogelperspektive: Schweden erlebt in der Region Västmanland den schlimmsten Waldbrand der jüngsten Geschichte.Foto: dpa

Norberg/Västerås - Dichte Rauchschwaden ziehen über Norberg in Mittelschweden. Der Himmel ist aschgrau und Qualmgeruch sticht in die Nase. Die 29 Jahre alte Emma Pettersson hat ein paar Sachen gepackt - Fotos, einige Kleider -, um für einen eiligen Aufbruch vorbereitet zu sein.

Ihren Sohn hat sie mit zur Arbeit genommen. „Ich lasse ihn nicht dort zurück“, sagte sie der schwedischen Zeitung „Dagens Nyheter“. Seit Tagen frisst sich eine riesige Feuerwalze durch die nahe Landschaft. Es ist der schlimmste Waldbrand, den Schweden in seiner jüngeren Vergangenheit erlebt hat. Er wütet inzwischen auf etwa 170 Quadratkilometern - einer Fläche so groß wie Wuppertal. In der Nacht zu Mittwoch hatte es in der Provinz Västmanland geregnet. Endlich. Im Griff hat die Feuerwehr die Flammen jedoch immer noch nicht.

„Wir arbeiten daran, das Feuer einzugrenzen und dann von außen zu löschen“, sagte Einsatzleiter Lars-Göran Uddholm am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. „Vorher ging es nur darum, die Flammen zurückzudrängen. Aber jetzt hilft uns vielleicht endlich das Wetter.“ Der Staat hat inzwischen die Leitung des Einsatzes von den Kommunen übernommen - „auf die Bitte der Rettungskräfte hin. Sie brauchen mehr Hilfe“, sagte ein Provinzsprecher.

150 bis 200 Helfer kämpfen seit Tagen erfolglos gegen das Feuer an. Die Feuerwehrmänner sind erschöpft. „Es ist unerhört schwer“, sagte Einsatzleiter Uddholm. „Sie sind da, wo es brennt, und müssen die schwere Ausrüstung schleppen.“ Spezialflugzeuge aus Italien und Frankreich unterstützen die schwedische Feuerwehr seit Mittwoch mit riesigen Wasserbomben beim Löschen der Flammen. Zunächst konnten die französischen Maschinen aber wegen des Rauchs nicht von Västerås, dem Hauptort der Provinz, abheben. Erst nach mehreren Stunden konnte das Abwerfen beginnen. Der Provinzvorstand hatte die Bewohner in mehreren Orten zuvor aufgerufen, die Gegend zu verlassen, weil von den Wasserbomben Lebensgefahr ausgehen könnte.

Auf einem Bauernhof an dem See Snyten brannten Scheunen nieder, Rinder flohen. Die Flammen verschonten aber glücklicherweise das Wohnhaus, wie Einsatzleiter Uddholm erklärte. Nach den Regenschauern war die Gefahr für andere Dörfer vorerst gebannt. Einige Einwohner der zu Wochenbeginn evakuierten Orte kehrten in ihre Häuser zurück. Viele Menschen in der Region waren aber noch ohne Strom.

Das gigantische Feuer hat nach Angaben der Tageszeitung „Dagens Nyheter“ schon einen Schaden von umgerechnet rund 54 Millionen Euro angerichtet. Ein Mann war am Dienstag in den Flammen ums Leben gekommen. Der 30-Jährige war in einem Holztransporter unterwegs, als er zusammen mit einem Kollegen vom Feuer überrascht wurde. Während Letzterer sich mit schwersten Brandverletzungen retten konnte, kam der 30-Jährige in den Flammen um.

Am Mittwoch traf Schwedens König Carl XVI. Gustaf in der Region ein, um sich ein Bild von der Lage zu machen. „Das ist mehr als ein normaler Waldbrand, das ist eine Katastrophe“, sagte er. Über die Ursache gibt es bisher nur Spekulationen. Funken bei Waldarbeiten könnten das Feuer entfacht haben, zitierte die Boulevardzeitung „Expressen“ einen Sprecher der Polizei in Västmanland. Brandstiftung wird bisher nicht vermutet.

Bei der seit Tagen herrschenden trockenen Hitze und starkem Wind hatten es die Flammen nicht schwer, sich rasend schnell den Weg durch die dichten Wälder zu fressen. Und der Wetterdienst gibt keine Entwarnung: Zwar könnte es etwas regnen und gewittern, der Wind solle aber wieder zunehmen. „Es bleibt extrem trocken“, sagte eine Meteorologin des schwedischen Rundfunks.

Von Julia Wäschenbach

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