"Vorzeigeflüchtlingscamp"

Til Schweigers Investor ist offenbar pleite

+
Foto: Til Schweiger.

Osterode - Es gibt neue Zweifel, ob das von Schauspieler Til Schweiger angekündigte „Vorzeigeflüchtlingsheim“ in der alten Rommel-Kaserne in Osterode jemals eingerichtet wird – zumindest mit Schweigers angeblichem Partner Wolfgang Koch aus Stade als Vermieter. Der soll nämlich pleite sein.

Koch, dessen Firma Princess of Finkenwerder die Kaserne vergangenes Jahr für rund 16. 000  Euro gekauft hat, ist offenbar nicht kreditwürdig. Es bestehen daher erhebliche Zweifel, ob er die heruntergekommene Kaserne so herrichten kann, dass Schweiger dort sein Flüchtlingsheim wie angekündigt errichten kann: als „Vorzeigeeinrichtung“ mit mehr Freitzeitangeboten, Sportplätzen und Arbeitsmöglichkeiten als üblich.

Ein Blick in die Gerichtsregister und in Informationen von Wirtschaftsauskunftsdateien bestätigt das. Beim Amtsgericht Stade sind aus den vergangenen Jahren etliche eidesstattliche Versicherungen vermerkt. Das bedeutet, Schweigers Partner musste im Rahmen von Zwangsvollstreckungen sein Vermögen schon mehrfach offenlegen – früher nannte man das Offenbarungseid. Laut der Zeitung „Die Welt“ sind außerdem zwei Haftanordnungen in den vergangenen vier Jahren aktenkundig.

In Wirtschaftsauskunftsregistern wird der Firma die schlechtestmögliche Bonität bescheinigt. Das Risiko, dass die Firma als Kreditnehmer innerhalb eines Jahres ausfällt, wird als so hoch eingeschätzt, dass von Geschäften mit der Princess of Finkenwerder ausdrücklich abgeraten wird. Nach Angaben des NDR wäre aber eine zweistellige Millionensumme nötig, um die Rommel-Kaserne so herzurichten, dass das Land sie als Erstaufnahmelager mieten könnte.Im Rathaus in Osterode wollte sich ein Sprecher von Bürgermeister Klaus Becker nicht zu der finanziellen Situation Kochs äußern. „Wir sitzen nicht am Verhandlungstisch. Hier sind die Vertragspartner gefragt“, sagte Pressesprecher Karl-Heinz Löwe und verweist damit auf das Innenministerium in Hannover.

Allein im August sind 9000 neue Flüchtlinge nach Niedersachsen gekommen. Das Land ist also dringend auf der Suche nach passenden Immobilien für weitere Flüchtlingslager und verhandelt darum seit dem Frühjahr mit dem Eigentümer der Kaserne. Inzwischen geht das Innenministerium aber vorsichtig auf Distanz zu Koch. „Es ist noch nichts unterschrieben“, sagte Matthias Eichler, Sprecher von Innenminister Boris Pistorius. „Wir werden nur einen Vertrag schließen mit jemandem, der nachweisen kann, dass er in der Lage ist, eine Liegenschaft in unserem Sinne herzurichten und auch zu unterhalten.“ Koch ist das offenbar nicht. Auf Anrufe der HAZ reagierte der Unternehmer aus Stade gestern nicht.

Kommentare