Viele tödliche Unfälle

Schwimmen an der Ostsee bleibt gefährlich

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Kiel - Schwimmen in der Ostsee kann in diesen Tagen eine gefährliche Sache sein: Starker Wind ist anscheinend die Ursache für mehrere tödliche Badeunfälle in den vergangenen Tagen. Und wegen der Wetterlage bleibt das Risiko noch bis zum Wochenende bestehen.

Heftiger Wind, hohe Wellen und Unterströmungen:Badegäste müssen bis zumWochenende an den Stränden der Ostsee weiterhin extrem vorsichtig sein. "Wir erwarten auch an den kommenden Tagen noch starke Nord-Ost-Winde", sagte Wolfgang Seifert vomDeutschen Wetterdienst. Die derzeitige Wetterlage sei nicht häufig in dieser Jahreszeit, werde aber mindestens bis Donnerstag anhalten.

Unterdessen wurde ein tödlicher Badeunfall in einem See bekannt. Wie die Polizei am Mittwoch mitteilte, starb am Dienstag ein 26-Jähriger beim Schwimmen im Großen Segeberger See bei Bad Segeberg. Der aus Schottland stammende Mann wollte mit zwei Begleitern vom Strand aus zu einer Badeinsel schwimmen, als er plötzlich leblos im Wasser trieb. Rettungskräfte konnten den Mann nicht wiederbeleben.

Für die Ostsee wird zum Wochenende eine Entspannung erwartet. Der Wind wird sich abschwächen und in Richtung Norden auchNordwesten drehen", sagteWetterexperte Seifert. Der Wetterwechsel habe aber auch eine Kehrseite:"Das Wetter wird ab dem Wochenende deutlich durchwachsener." Es werde auch Regenschauer geben.Die Temperaturen blieben mit mehr als 20 Grad Celsius aber weiter sommerlich.

In den vergangenen Tagen hatte es an der Ostseeküste eine ganze Reihe tödlicher Badeunfälle gegeben. Allein am vergangenen Wochenende waren in Mecklenburg-Vorpommern sechs Menschen ertrunken. Aber auch in Schleswig-Holstein waren gleich mehrere Schwimmer in den vergangenen Tagen ums Leben gekommen.

Vor Scharbeutz (Kreis Ostholstein)starb am Dienstag ein etwa 70 Jahre alter Mann aus Niedersachsen. Wiederbelebungsversuche am Strand scheiterten. Rechtzeitig konnten Retter dagegen ebenfalls inScharbeutz einen 13-Jährigen helfen, der es aus eigener Kraft nicht mehr zurück ans Ufer schaffte.

Derzeit sind an den Küsten von Nord- und Ostsee täglich rund 450 Retter der DLRGim Einsatz. "Sie haben in den vergangenen Wochen bereits 34 Menschen aus lebensbedrohlichen Situationen gerettet", sagte DLRG-Landesgeschäftsführer Thies Wolfhagen. Rote Flaggen an den Stränden signalisieren ein Badeverbot. Vorsicht ist aber auch schon bei gelben Flaggen geboten. Sie werden dann gehisst, wenn die Bedingungen vor Ort nur für geübte Schwimmer geeignet sind.

dpa

Interview mit Franz Bergmann, DLRG

Nordsee nicht sicherer als Ostsee

2013 starben sieben Menschen an der niedersächsischen Küste. In dieser Saison hat es hier im Unterschied zur Ostseeküste noch keine Toten gegeben. Haben wir bisher Glück gehabt, oder ist das Rettungssystem an der Nordsee besser als an der Ostsee?

Am Rettungssystem liegt es sicher nicht, vielleicht sind die Ostseestrände sogar personell besser bestückt als wir. Die Hauptgefahrenquellen an Nord- wie Ostsee sind meistens starke Strömungen durch bestimmte Windrichtungen. Und derzeit bereiten eben diese starken auflandigen Winde an der Ostsee Sorgen. Das kann bei uns auch passieren, wenn der Wind auf Nord oder Nordwest dreht.

Lassen sich diese Gefahrenstellen vorhersehen?

Jede Insel hat ihre besonderen Probleme, etwa durch Sturmschäden. 2013 hat das Orkantief "Xaver" auf Wangerooge große Teile der Strände weggespült. Dort haben wir jetzt sehr starke Querströmungen. Die sind auch auf Juist und Spiekeroog zu spüren. Zudem haben Bauwerke wie Buhnen oder Sandbänke Einfluss auf die Strömung. Diese entwickelt manchmal stündlich eine ganz eigene Dynamik. Erfahrene Rettungsstationen kennen diese Problematik, müssen das aber jedes Jahr buchstäblich erfahren. Unsere Rettungsschwimmer loten diese Veränderungen etwa beim Befahren mit speziellen Kajaks aus. Mit diesen kleinen Booten holen wir auch Schwimmer aus dem Wasser oder Spaziergänger von Sandbänken zurück.

Was gibt es noch für Gefahren?

Im Wattenmeer, aber auch auf den Seeseiten der Inseln bilden sich immer wieder Priele mit reißender Strömung. Durch diese Rinnen fließen die Wassermassen so stark, dass selbst kräftige Schwimmer nicht dagegen ankommen. Besser ist es, dazu parallel zu schwimmen, um aus dem Sog wieder heraus zu kommen. Beim Schwimmen in starkem Wellengang in der Nähe von Buhnen droht Verletzungsgefahr. Die letzten Todesfälle an der Küste aber gab es bei Badegästen, die gesundheitlich vorgeschädigt waren, etwa durch einen Herzinfarkt.

Was sind die besten Tipps für sicheres Baden in der Nordsee?

Nur in Badezeiten in gekennzeichneten Badezonen schwimmen. Darüber sollte man sich an jedem Badestrand der Welt schlau machen und Warnschilder sowie rote Flaggen beachten. Und bei ablandigem Wind ist es höchst leichtsinnig, mit Luftmatratze oder Schlauchboot hinaus zu fahren.

Franz Bergmann (64) ist Abschnittsleiter für die DLRG auf der ostfriesischen Insel Langeoog. Dort sorgen neun Rettungsschwimmer für Sicherheit an drei Badestränden mit jeweils 250 Meter Länge. Bergmann kennt neben Wangerooge und Borkum auch die Strandverhältnisse an der Ostsee wie auf Hiddensee und Graal-Müritz (Mecklenburg-Vorpommern).

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