Queen Elizabeth in Niedersachsen

Selfie mit der Queen? Nicht erlaubt

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Foto: Sie hat die Krone auf: Queen Elizabeth besucht während ihrer Deutschlandreise auch das ehemalige Konzentrationslager Bergen-Belsen in Niedersachsen.

- Die Queen kommt nach Deutschland - und besucht auch das ehemalige Konzentrationslager Bergen-Belsen in Niedersachsen. Das wirft Fragen auf: Darf man ein royales Selfie machen? Und sind die Deutschen immer noch verrückt nach der britischen Königsfamilie? Der britische Botschafter in Berlin gibt Auskunft.

Die Queen kommt vom 23. bis 26. Juni nach Deutschland. Es ist der fünfte Staatsbesuch. 50 Jahre liegt ihre erste Reise durch die damals junge Bundesrepublik zurück. Diesmal auf dem Programm: Berlin, Frankfurt am Main und erstmals ein ehemaliges Konzentrationslager. Das Lager Bergen-Belsen in Niedersachsen wurde vor 70 Jahren von den Briten befreit. Die Gedenkstätte sei der "persönliche Wunsch" der Königin gewesen, sagte der britische Botschafter in Berlin, Simon McDonald (54). Der Staatsbesuch bedeutet für ihn viel Arbeit, aber auch die "Krönung" seiner Botschafterzeit. Für Fans von Elizabeth II. hat er einige Tipps parat. Und er verrät, was es mit der "Handkuss"-Zeremonie auf sich hat.

Wie wählen Sie das Programm aus? Die Königin will immer etwas Neues kennenlernen. Sie ist 89 Jahre alt, aber immer noch neugierig. Sie will, dass so viele Deutsche wie möglich sie sehen. Sie ist eine offene Persönlichkeit. Die Sicherheit ist immer ein Thema. Es gibt ein Spannungsfeld zwischen den Sicherheitswünschen der Behörde und der Königin. Aber wir haben eine Lösung. Hoffentlich können viele Deutsche die Queen angucken.

Wo stehen die Chancen besonders gut, dass ich ein Selfie mit der Queen bekomme? Kein Selfie - das ist nicht erlaubt. Aber die Queen fährt mit dem Schiff auf der Spree, von Schloss Bellevue bis zum Reichstag. Man kann am Ufer stehen. Oder am Pariser Platz, wo am Freitagmorgen ein "walkabout" (kleiner Rundgang) geplant ist.

Staatsbesuche haben eine Botschaft: 1965 etwa, dass sich Deutschland und Großbritannien nach 1945 annähern. 1992 ging es um das wiedervereinte Deutschland, die Queen war damals auch in Dresden. Was sagt der Besuch diesmal aus? Es gibt immer eine politische Botschaft. Diesmal: Das Verhältnis zwischen Deutschland und Großbritannien ist sehr, sehr gut. In Großbritannien stehen wir am Anfang eines Referendums zur EU-Mitgliedschaft. Der Premierminister hat gerade gesagt, davor brauchen wir eine Wiederverhandlung mit unseren Partnern. Deutschland ist der größte Partner und sehr wichtig. Ich denke, die Deutschen schätzen Großbritannien und wollen, dass es in der EU bleibt.

Spricht die Queen Deutsch? Ich glaube nicht. Der Herzog (Prinz Philip) schon. Die Königin spricht Französisch.

Sind die Deutschen nach wie vor so royal-verrückt wie zu Dianas Zeiten? Genauso begeistert, würde ich sagen, nicht verrückt. Das war für mich als Botschafter in meinen viereinhalb Jahren eine Überraschung. Die Begeisterung der Deutschen für die Königin und die Familie ist etwas Besonderes. Der historische Hintergrund spielt eine Rolle. Das Geschlecht der Hannoveraner kommt aus Hannover, die Königin ist die direkte Nachfolgerin von Georg I.. Und außerdem: Die Deutschen haben keine königliche Familie mehr. Es gibt eine Sehnsucht nach dem Zeremoniell, der Stabilität und der Kontinuität.

Wie hat sich das Deutschlandbild der Briten seit dem letzten Staatsbesuch 2004 verändert? Die Länder haben sich angenähert. Die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland hat eine große Rolle gespielt. Und 2010 hat Deutschland in Südafrika England geschlagen. Das war bitter, aber die britischen Zeitungen haben geschrieben: Das war verdient. 2014 haben die meisten Briten im Finale mit den Deutschen gefiebert, wobei es eine Rolle spielte, dass Argentinien der Gegner war.

Und die Nazi-Vergleiche? 2004 hat sich noch eine englische Zeitung mokiert, die Queen müsse in Berlin in Hitlers Bankettsaal tafeln, gemeint war ein Bau des Historischen Museums. Ich glaube, so etwas ist total vorbei. Es ist ein reifes, vernünftiges Verhältnis.

Was habe ich zu beachten, wenn ich die Queen treffe? Es ist entspannter als früher. Im Allgemeinen berührt man die Queen nicht. Männer nicken mit dem Kopf. Frauen auch, oder sie machen einen Knicks, wenn sie wollen, sie müssen nicht. Die korrekte Anrede ist "Your Majesty", danach "Ma'am". Normalerweise fängt die Königin das Gespräch an. Sie ist das Staatsoberhaupt.

Wie haben Sie die Queen erlebt? Als Botschafter habe ich sie mehrmals erlebt. Wir haben diese Zeremonie am Anfang, das "Kissing Hands" (Handkuss). Das ist eine alte Tradition aus dem Mittelalter, man berührt die Königin nicht. Ich hatte das 2010, verbunden mit einem Vier-Augen-Gespräch. Das war hoch interessant. Und: geheim.

Welcher König wird mal auf dem Pfundschein sein, Charles oder William? Das kommt sicher. Aber die Queen ist total gesund und begeistert bei ihrer Aufgabe, es gibt keinen Grund für einen Wechsel. Unser System ist, dass man bis zum Ende bleibt.

Verraten Sie uns: Gibt es wirklich ein geheimes Signal, wie die Königin ihre Handtasche trägt? Etwa: Wenn sie die Tasche vom linken zum rechten Arm wechselt, heißt das angeblich: Zeit zu gehen. Das weiß ich nicht. Das ist ein guter Tipp, das ist mir neu (lacht).

Simon McDonald (54) ist seit 2010 britischer Botschafter in Berlin. Seine Diplomatenkarriere führte ihn seit 1982 nach Dschidda, Riad, Bonn, Washington und Tel Aviv. Vor seiner Zeit in Berlin war er unter anderem außenpolitischer Berater des Premierministers. Mit seiner Frau Olivia hat er vier Kinder. Er trägt den Titel "Sir" und spricht sehr gut Deutsch.

dpa

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